Brauerei Schützengarten: Hohe Kosten drücken im Jubiläumsjahr auf die Ertragsmargen

Dividende bleibt unverändert auf Vorjahresniveau

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Die Brauerei Schützengarten AG konnte im Jubiläumsjahr nur ein leichtes Umsatzplus von 0,4% verbuchen. Auch gelang es dem Unternehmen beim Bierabsatz nicht mehr, stärker als der Gesamtmarkt zu wachsen. Dennoch wurde das 240-jährige Bestehen der eigenen Angaben zufolge ältesten Schweizer Brauerei gebührend gefeiert. Nur teilweise profitieren konnte die St. Galler Brauerei von der weiteren Zunahme der landesweiten Bierverkäufe um 0,7%. Ebenfalls weiter angestiegen ist die Anzahl der biersteuerpflichtigen Unternehmen, die mit insgesamt 1’107 einen neuen Rekordwert erreichten. Die vielen Neugründungen führen zu einem höheren Interesse der Konsumenten am Bier, zeigt sich die Gesellschaft überzeugt. Die Mehrvolumina durch die neuen Brauereien fallen nicht stark ins Gewicht. Dennoch gelang es nicht, an die Steigerungsraten des Vorjahres anzuknüpfen, und die Gesellschaft musste sich mit einem Absatzplus von lediglich 0,3% bei den Eigenprodukten begnügen.

Hohe Materialkosten belasten

Die Betriebseinnahmen legten im Geschäftsjahr 2018/19, das per 30. September 2019 endete, um 0,4% auf 88.6 Mio. CHF zu. Wichtigste Einnahmequelle stellten im Berichtsjahr wiederum die allerdings nahezu stagnierenden Eigenprodukte dar, die 45.2 Mio. CHF respektive 51% zu den Gesamteinnahmen beitrugen. Deutlich besser entwickelte sich das Geschäftsfeld der Handelsprodukte mit einem Plus von 2,2% auf 35.7 Mio. CHF. Noch deutlicher legten die nicht näher erläuterten sonstigen Umsätze mit einem Anstieg von 8,6% respektive plus 0.3 Mio. CHF auf 3.9 Mio. CHF zu. Diesem Plus steht allerdings ein Minus der diversen übrigen Erträge um 0.6 Mio. CHF auf 0.1 Mio. CHF gegenüber. Leicht tiefer fielen auch die Immobilienerträge mit 6.4 Mio. CHF nach 6.5 Mio. CHF im Vorjahr aus.

Auf der Kostenseite belasteten die um 3,8% auf 29.2 Mio. CHF angestiegenen Materialaufwendungen, während der übrige Betriebsaufwand um 0.2 Mio. CHF auf 24.6 Mio. CHF gesenkt werden konnte. Einen leichten Anstieg um 1,4% auf 22.5 Mio. CHF verzeichneten die Personalausgaben. Nach einer gegenüber dem Vorjahr unveränderten Biersteuer von 4 Mio. CHF resultierte ein Betriebsgewinn vor Abschreibungen EBITDA von 8.3 Mio. CHF nach 9.1 Mio. CHF im Vorjahr. Die Sachabschreibungen stiegen deutlich von 3.9 Mio. CHF im Vorjahr auf 6.1 Mio. CHF an. In der Folge fiel das EBIT um 52,7% auf 3.1 Mio. CHF. Wegen der deutlich tieferen Bildung von Rückstellungen im Umfang von 0.75 Mio. CHF nach 3 Mio. CHF, die offen als ausserordentlicher Aufwand ausgewiesen werden, ging der Reingewinn dennoch nur um 7,1% auf 3.1 Mio. CHF zurück. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 650 CHF pro Namenaktie respektive 130 CHF pro Partizipationsschein.

Investitionen in Immobilien

Im abgeschlossenen Jahr investierte die Brauerei Schützengarten vor allem in die eigenen Immobilien. So wurden 11.5 Mio. CHF in die Liegenschaften investiert, während lediglich 2.8 Mio. CHF in den Betrieb flossen. Als erwähnenswert bezeichnet werden die drei grossen Projekte Restaurant Bauwerk und die Totalsanierung der Liegenschaft Bierhof, beide in St. Gallen, sowie der Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern in Teufen. Das Restaurant Bauwerk mit einer eigenen Gasthausbrauerei läuft seit der Eröffnung im April sehr erfreulich, informiert die Gesellschaft ihre Aktionäre im neuesten Geschäftsbericht. Als ebenfalls erfreulich bezeichnet wird die Vermietung der Wohnungen im Bierhof und in Teufen.

Per Jahresanfang 2020 wird der bisherige Finanzchef Josef Zweifel gemeinsam mit zwei Prokuristen in Rente gehen, was zu einer starken Verjüngung des oberen Kaders führen wird. Die entsprechenden Nachfolger stehen bereits fest.

Fazit

Die Geschäftszahlen der Brauerei Schützengarten fallen deutlich schwächer aus als im Vorjahr, können aber nach wie vor als gut quantifiziert werden. So erreichte die EBITDA-Marge, welche die operative Ertragskraft am ehesten wiedergibt, mit einem Wert von 9,4% der Umsätze noch immer ein gutes Niveau. Inwieweit allerdings in den Aufwendungen Investitionen enthalten sind, die zu einem tieferen EBITDA führen, lässt sich nicht zweifelsfrei ermitteln. Deutlich höher als betriebsnotwendig ausfallen dürften auch die Sachabschreibungen. Die ausgewiesenen Kennzahlen der Erfolgsrechnung bilden daher nur einen Teil der wirklichen Ertragskraft der Gesellschaft ab.

Als grundsolide angesehen werden können auch die Bilanzkennzahlen. Die offen ausgewiesene Eigenmittelquote von 60,5% mag zu überzeugen. Reduziert wurden im Berichtsjahr die Rückstellungen: Diese betrugen per 30. September 2019 noch 7.5 Mio. CHF nach fast 11 Mio. CHF im Vorjahr. Sie dürften indessen nahezu vollumfänglich Eigenmittelcharakter aufweisen, so dass sich ein wirtschaftlicher Eigenfinanzierungsgrad von rund 75% ermitteln lässt. Die sonst bei Brauereien üblichen hohen Rückstellungen für Leihgebinde sind nicht in den Rückstellungen enthalten, sondern stellen eine eigene Bilanzposition dar. Zudem verfügt die Gesellschaft über sehr hohe stille Reserven im ansehnlichen Immobilienbestand, was durch die im Berichtsjahr durchgeführten Investitionen untermauert wird.

Die Aktien und die stimmrechtslosen Partizipationsscheine der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTCX der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Die relativ selten umgesetzten Namenaktien im Nennwert von 1’000 CHF gingen letztmalig zu Kursen von 55’000 CHF um. Die ebenfalls nur selten umgesetzten Partizipationsscheine mit einem Nennwert von 200 CHF wurden letztmalig zu Kursen von 5’200 CHF gehandelt. Eine Bewertung der Titel mittels der klassischen Finanzkennzahlen zeigt eine klare Überbewertung an. Allerdings sind die Kennzahlen aufgrund des Geschäftsberichts nur wenig aussagekräftig. Die hohen Reserven, die die Gesellschaft im Immobilienvermögen besitzt, sind nur ansatzweise in den Zahlen erkennbar. Als Anlagegrund kommt neben der Verbundenheit mit dem Unternehmen, der allerdings teuer erkauft werden muss, daher vor allem der Substanzwert in Betracht. Dieser dürfte den ausgewiesenen Wert um ein Mehrfaches übertreffen und der Grund für die sehr hohen Kurse sein.

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