Brauerei Schützengarten: Erneuter Umsatzrückgang bei der Traditionsbrauerei

Wegen der Covid-⁠19 Pandemie geschlossene Gastronomie und abgesagte Veranstaltungen drücken den Bierabsatz.

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Seit 242 Jahren wird in der Brauerei Schützengarten in St. Gallen Bier gebraut. Bild: www.schuetzengarten.ch

Die Schweiz hat die höchste Brauereidichte pro 1 Million Einwohner in Europa. Wurden im Jahr 2010 noch 332 Brauereien in der Schweiz registriert, so waren es 2019 bereits 1´132 Brauereien. Dieser Boom wurde durch die Covid-19-Pandemie ausgebremst, denn der Bierkonsum in der Schweiz verlagerte sich von den Gastronomieunternehmen in die eigenen vier Wände. Zudem wurde Bierbrauen während der Pandemie als Hobby immer beliebter. Dies war ein Grund, warum Bier als alkoholisches Getränk weiter zulegen konnte; Wein hingegen verlor. Dennoch spricht der Schweizer Brauerei-Verband mit Blick auf das abgelaufene Braujahr 2020/21 von einem «Jahr des Vergessens». Im Vergleich zum Vorjahr wurden 4,9% weniger Bier abgesetzt, was nach Angaben des Verbandes 68 Mio. Stangen Bier entspricht. Auch für das laufende Braujahr gibt sich der Verband zurückhaltend.

Nettoerlöse brechen 2020/21 um 18,6% ein

Die älteste Brauerei der Schweiz, die St. Galler Brauerei Schützengarten, blieb auch im abgelaufenen Braujahr von den Folgen der Covid-19-Pandemie nicht verschont. Die Brauerei Schützengarten gilt als die Nummer 5 am heimischen Markt. Das abgelaufene Braujahr, welches auch dem Geschäftsjahr entspricht, war eine Bewährungsprobe für das neue Management. Denn erneut hat das Unternehmen weniger Bier verkauft. Höhere Umsätze im Detailhandel konnten den Rückgang in der Gastronomie und bei Events nicht auffangen. Hinzu kam ein regnerischer Sommer, der den Bierdurst bremste. Gegenüber dem ohnehin schwachen Vorjahr sanken die Getränkeverkäufe nochmals um 16%.

Derzeit führen 2’500 Restaurants sowie 1’000 Detaillisten und Getränkehändler Bier von Schützengarten. In der Gastronomie brachen die Erträge um rund 30% ein, noch stärker war der Rückgang im Veranstaltungsgeschäft, auch wenn das Unternehmen keine genauen Zahlen vorlegte. Entsprechend dem Trend stiegen die Umsätze im Detailhandel um 11%, und die eigenen Getränkemärkte verzeichneten sogar 14% mehr Umsatz.

Insgesamt brachen die Nettoerlöse der Brauerei Schützengarten um 18,6% auf 56.2 Mio. CHF ein. Auch die übrigen Erträge lagen mit 6.6 Mio. CHF gegenüber dem Vorjahr sogar um 24,1% tiefer, was zu einem Gesamtertrag von nur noch 62.8 Mio. CHF (Vorjahr: 77.7 Mio. CHF) führte. Bei den übrigen Erträgen handelt es sich vorwiegend um Immobilienerträge, besitzt die Gesellschaft doch ein ansehnliches Liegenschaftsportfolio. Aufgrund deutlich geringerer Material- und Personalkosten erwirtschaftete die Brauerei Schützengarten AG noch ein Betriebsergebnis (EBITDA) von 5.6 Mio. CHF (Vorjahr: 10.2 Mio. CHF), was einer Marge von 8.9% entspricht. Unter dem Strich verblieb ein Reingewinn von 872’000 CHF (Vorjahr: 1.9 Mio. CHF). Die Dividende wurde auf gleicher Höhe wie im Vorjahr bei 225 CHF per Namenaktie und 45.00 CHF per PS belassen.

Fazit

Die Namensaktien und Partizipationsscheine der Brauerei Schützengarten sind auf der Handelsplattform der OTC-X gelistet. Die 2´000 Namensaktien haben eine Kapitalisierung von 115 Mio. CHF. Das Handelsvolumen im Jahr 2021 betrug bisher 13 Namensaktien. Entsprechend hoch ist der Spread zwischen Geld- und Briefkurs. In der Folge schwankten die Kurse der Namensaktie bei geringen Umsätzen zwischen 47´500 CHF und 90´000 CHF im Jahr 2021. Dabei muss beachtet werden, dass der Buchwert der Aktie mit 10’487 CHF veranschlagt wird. Die Aktie ist also hoch bewertet, was auch einen Schutz vor möglichen Übernahmen gewähren soll. Die Dividendenrendite liegt bei moderaten 1.2%.

Der Kurs der PS der Brauerei Schützengarten auf OTC-X hat sich in den letzten drei Jahren stabil gehalten. Chart: www.otc-x.ch

Die 6´000 emittierten Partizipationsscheine haben eine Kapitalisierung von 30.6 Mio. CHF. Das Handelsvolumen im laufenden Jahr betrug bisher 456 Stück. Der letzte bezahlte Kurs lag bei 5’250.00 CHF. Der Spread zwischen Geld- und Briefkurs war mit 5’100.00 CHF zu 5’475.00 CHF verglichen zu den Namenaktien gering. Seit Jahresbeginn konnte der Geldkurs um 9.56% zulegen. Die Daten für das Geschäftsjahr 2020/21 zeigen, dass das Unternehmen mit einem Eigenkapitalanteil von 61,6 % solide finanziert ist. Ein grosser Teil des Fremdkapitals besteht aus Rückstellungen.

Die Brauerei Schützengarten will aktuell die Dividende auf dem Vorjahresniveau halten, nämlich bei 225.00 CHF per Namensaktie und 45.00 CHF per Partizipationsschein. Das signalisiert den Aktionären Normalität und gute Perspektiven. Allerdings gibt es derzeit nur wenige Gründe, um in den Titel zu investieren. Bei grossen Spreads zwischen Geld- und Briefkurs sollten Investoren generell vorsichtig sein.

Brauerei
Schützengarten AG
Valoren

Schlusskurs 30.11.2021

Performance (YTD)

Namensaktie

154263

57’000.00 CHF

+25.00%

Partizipationsschein

154264

5’250.00 CHF

+9.56%

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