Börsengänge Schweiz/International: IPO-Markt bricht im März ein

Keine Neulinge auf dem Parkett in der Schweiz im ersten Quartal

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Nach der Abspaltung von Metall Zug werden die V-Zug-Aktien voraussichtlich ab 25. Juni an der SIX gehandelt. Bild: vzug.com

Der Jahresauftakt an den globalen Primärmärkten verlief zunächst schleppend, der Markt belebte sich jedoch im Februar, um dann im März umso deutlicher abzusacken. Die Corona-Pandemie dämpft nun die weiteren Perspektiven für Börsengänge stark, doch eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr ist auch nicht auszuschliessen.

Immerhin 235 IPOs mit Erträgen von 28.5 Mrd. USD fanden laut dem EY IPO-Report im ersten Quartal des Jahres weltweit statt. Das ist mehr als zu erwarten war, aber dennoch weniger als im bereits etwas schwächeren Vorjahresquartal. Obwohl die Covid-19-Infektionswelle in China ihren Anfang nahm und zunächst auf Asien beschränkt blieb, fanden doch die meisten Börsengänge im ersten Quartal in der Region Asien-Pazifik statt. 160 IPOs brachten Emissionserträge von 16.8 Mrd. USD. Das sind 68% globaler Marktanteil nach Anzahl und 59% nach Emissionsertrag. Der Anteil der EMEIA-Region inklusive Europa fiel demgegenüber drastisch auf 15% nach Anzahl und 12% nach Ertrag. Da in den USA einige Börsengänge mit Volumina über 1 Mrd. USD stattfanden, stieg der Anteil Amerikas nach Ertrag markant auf 27% an.

Quelle: ey.com

Börse Shanghai auf Rang 1

Der nach Volumen grösste Börsengang fand dennoch an der Börse Shanghai statt. Beijing-Shanghai High Speed Railway nahm beim IPO 4.4 Mrd. USD ein. Das trug auch dazu bei, dass Shanghai mit einem IPO-Volumen von 9.8 Mrd. USD die Börse mit dem aktivsten Primärmarkt war. Das zweitgrösste IPO des ersten Quartals war Central Retail mit 2.3 Mrd. USD Emissionsertrag an der Börse Bangkok.

Healthcare in Favoritenrolle

In der Betrachtung nach Sektoren führten Industrials mit global 45 IPOs und einem Emissionsvolumen von 6.3 Mrd. USD vor Technology mit 40 IPOs und 3.7 Mrd. USD Volumen. Auf Rang drei folgt Healthcare mit 30 IPOs und 5.6 Mrd. USD. An den US-Börsen sieht das Bild jedoch anders aus. An New York Stock Exchange und Nasdaq entfielen 43% des Emissionsvolumens auf Healthcare und 28% der Anzahl der IPOs. Insgesamt verzeichnen die US-Börsen 24 IPOs und ein Volumen von 7.3 Mrd. USD. Beide Zahlen stellen eine Steigerung zum ersten Quartal 2019 dar, das jedoch schwach angelaufen war nach der Baisse im vierten Quartal 2018. Während die Performance der US-IPOs am ersten Handelstag mit durchschnittlich 18,2% durchaus gut ausfällt, ist die Performance per 25. März, dem Stichtag des EY-Reports, mit -18,5% deutlich von dem allgemeinen Kurssturz im März geprägt. In Brasilien fanden vier Börsengänge statt, die ein Volumen von 785 Mio. USD aufwiesen.

Verteilung der IPOs in den Top-Drei-Regionen nach Sektoren. Quelle: ey.com

Widersprüchliche Faktoren im IPO-Geschäft

Sowohl in den USA als auch in Hongkong, China und Japan zeigen die Primärmarktzahlen des ersten Quartals keinen Einbruch zum Vorjahresquartal, sondern zumeist sogar eine Steigerung. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch das Geschäft der Börsengänge unter den Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie leidet. Nicht zuletzt dämpft die plötzliche weltweite Rezession auch den Ausblick sowohl der Emittenten als auch der Anleger – in manchen Branchen gravierend. Nichtsdestotrotz befinden sich in China laut EY 500 Anträge auf Börsenzulassung in der Pipeline, in Hongkong weitere 100.

Olympische Spiele in Japan verschoben

Die für 2020 geplanten Olympischen Spiele in Japan wurden um ein Jahr verschoben. Die Befürchtung ist, dass nach der Pandemie die Reiselust reduziert bleiben wird, was die ökonomischen Perspektiven für Japan dämpft. Das könnte auch auf den IPO-Markt durchschlagen. In den ASEAN-Ländern ist die Sorge gross, dass die Gesundheitssysteme dem weiteren Fortschreiten der Infektionswelle wenig entgegenzusetzen haben, was die Volkswirtschaften und damit auch die Börsen und Primärmärkte in die Bredouille bringen könnte. Viele Unternehmen sind in USD verschuldet und leiden schon jetzt unter Zinszahlungen und Tilgungsleistungen.

Emerging Markets unter Druck

Das gilt auch für viele Emerging Markets in Afrika und Lateinamerika. Argentinien ist in fortgeschrittenen Verhandlungen mit den Kreditgebern über eine Neu-Strukturierung der 83 Mrd. USD Auslandsschulden. Im negativen Fall droht ein weiterer Staatsbankrott. Bevölkerungsreiche Länder wie Indien, Indonesien, Türkei oder Mexiko werden es schwer haben, ihre globalisierte Wirtschaft am Laufen zu halten und gleichzeitig strenge Massnahmen gegen die Ausbreitung der Infektionswelle durchzusetzen. Die Perspektiven für die Primärmärkte sind gedämpft. Im jahrelang boomenden indischen Markt fanden im ersten Quartal nur noch 10 Börsengänge statt, die 1.4 Mrd. USD Emissionsertrag brachten. Fast die ganze Summe entfällt jedoch auf das IPO von SBI Cards & Payment Services in Bombay. Es war das mit Abstand grösste IPO in der Region Europe, Mid East, India, Africa.

Unterkühlung der europäischen Primärmärkte

In Europa fanden nur 18 Börsengänge statt, die ein Emissionsvolumen von 1.2 Mrd. USD generierten. Drei IPOs entfallen auf London, sechs auf Nasdaq OMX und drei auf Euronext. 12 der 18 IPOs gab es auf den Junior-Märkten. Angesichts der Korrekturen an den Börsen und der anhaltenden Lock-down-Bestimmungen in vielen europäischen Ländern ist kaum mit einer kurzfristigen Belebung zu rechnen.

V-Zug-Abspaltung und Handel an der SIX

In der Schweiz zeichnet sich jedoch für das zweite Quartal zumindest ein Börsenneuling ab – V-Zug. Die Aktien der Tochter der Metall Zug werden zu 70% im Zuge einer Neu-Strukturierung des Beteiligungsportfolios auf dem Weg einer steuerneutralen Sachdividende an die Aktionäre verteilt. Erster Handelstag an der SIX ist voraussichtlich der 25. Juni. Wie die ZKB in ihrem aktuellen IPO-Newsletter zum ersten Quartal schreibt, planen weitere Schweizer Unternehmen Spin-offs. Lonza will die Aktivitäten im Bereich Spezialingredienzen abspalten und an die Börse bringen. Im Februar kündigte Implenia an, ihre Immobilienaktivitäten Ina Invest an die Börse zu bringen. Bereits im Januar soll das Real-Estate-Unternehmen EPIC Suisse Vorbereitungen für ein zukünftiges IPO getroffen haben. Es bleibt allerdings erst einmal abzuwarten, wann sich das IPO-Fenster in der Schweiz und ganz Europa wieder öffnen wird. Schwere Rezessionen sind erfahrungsgemäss nicht die beste Zeit, um an die Börse zu gehen.

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