WWZ: Favoriten 2020 auf dem Prüfstand

Transformationsprozess auf Kurs

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Die regionalen Energieversorgungsunternehmen der Schweiz arbeiten in einem Umfeld, das von intensivierter Regulierung, politischen Unsicherheiten und einem verschärften Wettbewerb gekennzeichnet ist. Wachstum und Gewinnsteigerungen sind nur durch Diversifizierung, Investitionen und Innovationen möglich. Ein hervorragendes Beispiel für eine langfristige und erfolgreiche Strategie ist unser Favorit WWZ.

Es bedurfte im Dezember 2019 keiner langwierigen Abwägungen, um WWZ in die Favoritenliste 2020 aufzunehmen. Mehr als alle Vertreter der Versorgungsindustrie war WWZ in der gesamten Unternehmensgeschichte stets ein Pionier, der voranschreitet, Neuen gegenüber aufgeschlossen ist und es auch versteht, aus Innovationen nachhaltige Ertragsströme zu generieren.

Kursentwicklung der WWZ Aktie auf der OTC-X Plattform der BEKB in den letzten fünf Jahren. Quelle: otc-x.ch
WWZ als Pionier

So klagt auch WWZ heute nicht übermässig laut über die wegregulierten Gewinne im Netzgeschäft, sondern sieht die über die Jahrzehnte geschützten Märkte als Quelle der Gewinne, die eine inzwischen breite Diversifizierung erlaubt haben. Die Anfänge der Gesellschaft lagen in der 1878 gegründeten Wasserversorgung Zug; 1892 kam die Elektrizitätsversorgung dazu. Der Einstieg ins Kabelfernsehen erfolgte 1973, Erdgas wurde 1990 eingeführt, das digitale TV 2003.

Vision und Strategie

Die Chancen der Liberalisierung gezielt und synergetisch zu nutzen, ist ein wichtiger Teil der langfristig verfolgten Diversifizierung. Es brauchte schon auch Vision, um 1973 als Versorger ins Kabel-TV einzusteigen – um dann die Synergien zum Versorgungsgeschäft zu entwickeln, hochprofitabel zu werden und zum zweitgrössten Kabelnetzbetreiber der Schweiz aufzusteigen. In den letzten 10 Jahren liegt nun der Fokus der Unternehmensentwicklung einerseits auf Digitalisierung und IT sowie andererseits auf der Nutzung der Marktchancen, die durch die sukzessive Liberalisierung der Energiemärkte und den Ausbau der Erneuerbaren Energien entstehen.

Intelligente Lösungen

Am Holzwärmeverbund Menzingen beteiligte sich WZZ 2010, die Umstellung auf Wasserstrom als Standardprodukt erfolgte 2012, und der ambitionierte regionale Ausbau der Solarenergie begann 2014. Ein wichtiger Trend an den Energiemärkten ist die Dezentralisierung und regionale Versorgung, der WWZ durch Verbundprojekte, Kleinkraftwerke und insbesondere auch durch den Einsatz von Technologien zur Effizienzsteigerung den Weg bereitet. Die Vorreiterrolle führt auch zu entsprechendem Neugeschäft. WWZ managt für Kantone und Gemeinden 10’500 Strassenbeleuchtungen, die allesamt mit weissen LED-Leuchten bestückt sind. Im Gegensatz zu blauem LED-Licht treten hierbei nur geringe Störungen bei Mensch und Tier auf. Durch den Einsatz der Sensortechnologie werden smarte Lösungen für Parkplatzbewirtschaftung und andere intelligente Anwendungen entwickelt.

Grosse Projekte
Quelle: WWZ Geschäftsbericht 2019

Ein zukunftsweisendes Projekt ist der Wärmeverbund Ennetsee. Das Projekt sieht unter Einbeziehung mehrerer Kommunen vor, zukünftig die bisher ungenutzte Abwärme der hochmodernen Kehrrichtverbrennungsanlage in Perlen in ein Fernwärmenetz einzuspeisen. Dadurch werden im Endausbau 12’000 Tonnen CO2 eingespart.

Ähnlich ist das Projekt Circulago gelagert, das Wärme und Kälte aus dem Zugersee für die Versorgung der regionalen Kommunen nutzt. Im April wurde die erste Quartierzentrale auf dem Metalli-Gelände von Zug Estates in Betrieb genommen, die nun das gesamte Areal und angrenzende Gebäude mit regionaler CO2-armer Wärme- und Kälteenergie versorgt. Circulago wird in der Vollausbau-Stufe 25’000 Tonnen CO2 einsparen.

Verbraucherentscheidungen bestimmen Markt

Letztlich entscheidet aber der Markt, und damit die Summe der Endverbraucher, über die Akzeptanz der einzelnen Energieformen. So weist WWZ im Geschäftsbericht 2019 darauf hin, dass die Schweiz beim Heizölverbrauch europaweit in der pro-Kopf-Betrachtung an der Spitze liegt und dass durch die Umstellung auf Erdgas die Emissionen um einen Drittel reduziert und bei Biogas sogar auf null gebracht werden können. Ebenso hebt WWZ hervor, dass 95% der Kunden mit dem Wasserstrom zufrieden sind und nur 5% trotz dem vorteilhaften Angebot auf Solarstrom umsteigen. Letzteres bremst das Tempo der Expansion.

Gründung des Innovationslabors

Zukunftsweisend ist die 2019 erfolgte Gründung der Tochter allthisfuture AG, die mit zunächst drei Mitarbeitenden ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Das Innovationslabor soll den Weg für den innovativen Einsatz neuer Technologien in den verschiedenen Geschäftszweigen bereiten. Insbesondere sollen neue effiziente Services den Kunden das Leben und die Arbeit erleichtern.

Engagement in der DNA

Für gewöhnlich sind die Aktionärsbriefe in den Geschäftsberichten wohl informativ, doch selten sind sie so aussagekräftig und programmatisch wie der des scheidenden Präsidenten des Verwaltungsrates von WWZ, Heinz M. Buhofer. Er hebt hervor, dass der finanzielle Erfolg wichtig ist, auch um Investitionen in die Zukunft tätigen zu können. Er sagt aber auch, dass die Bejahung der Zukunft sowie die Fähigkeit, das in der Firma verteilte Wissen und Können fruchtbar zu machen, nicht weniger wichtig sind, nur weil sie schwieriger zu rapportieren sind. An anderer Stelle schreibt Buhofer, dass es durchgängig spürbar ist, dass alle Mitarbeitenden ein hohes, aufrichtiges Engagement für die Sache, die Unternehmung und die Kunden einbringen.

Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung

Es ist dieser Spirit, der WWZ heraushebt und trotz aller Widrigkeiten eine positive Prognose begründet. Zumal ja durchaus Opportunitäten und Wachstumspotenziale in den adressierten Märkten bestehen. Und obwohl WWZ in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter der Nachhaltigkeit ist, so ist es doch noch kein wirklicher Leader. Warum sind beispielsweise nur 25% der konzerneigenen Fahrzeugflotte E-Mobile, und nicht 100%? Auch ein Plan für den stufenweisen und letztlich vollständigen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern wäre ein deutliches Signal für Leadership.

Fazit

Wenn auch 2019 einen starken Gewinnanstieg brachte, so sind die Jahresabschlüsse doch stark von Regulierung, Liberalisierung und gesteigerter Wettbewerbsintensität geprägt. Dazu tritt als wichtiger Faktor jetzt auch noch ein von der sich ungebremst ausbreitenden Pandemie bedingter Wirtschaftseinbruch, wie es ihn so noch nicht gegeben hat. Zwar sind Versorger weit weniger betroffen als viele andere Wirtschaftszweige, doch reduzierte Nachfrage aus der Wirtschaft, schwache und volatile Preise sowie ein hohes Mass an Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf werden auch von WWZ ihren Tribut fordern. Allerdings erweist sich die starke Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von 87% als vorteilhaft für die Fortsetzung der Investitionsprogramme. Allein 2019 wurden 87.3 Mio. CHF in Sachanlagen investiert, ein Anstieg um 28%. Das Investitionsvolumen entspricht einem starken Drittel des Jahresumsatzes.

Dass Preisdruck, Wettbewerb und Regulierung weiterhin zu einer Margenerosion in den traditionellen Geschäftsfeldern führen, ist für WWZ klar. Anstatt darüber zu klagen, werden gezielt hohe Investitionen in neue Geschäftsfelder getätigt, die wiederum für zukünftige hohe Cashflows sorgen sollen. Trotz der Belastungen infolge der Corona-Krise bleibt WWZ auf Kurs und nutzt Opportunitäten. Die Aktie erscheint mit einem aktuellen KBV von 0,75 im Vergleich zu den meisten anderen Aktien durchaus attraktiv bewertet.

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