Holdigaz: Stabiles Gasgeschäft erlaubt konstante Dividende von 5 CHF pro Aktie

Corona belastet die Geschäftstätigkeit bisher nicht

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Der Westschweizer Energieversorger Holdigaz SA profitierte im per 31. März 2020 beendeten Geschäftsjahr 2019/20 von einer höheren Nachfrage nach Gas. So legten die Umsätze denn auch leicht um 0,6% auf 230.6 Mio. CHF zu. Positiv auf die Nachfrage nach Gas wirkte sich der lange Winter 2018/19 mit kalten Temperaturen bis in den Mai hinein aus. Nur marginale negative Einflüsse auf den Verbrauch hatte hingegen der deutlich wärmere Winter 2019/20. Die Corona-Pandemie war im Berichtsjahr auf der finanziellen Seite noch kein Thema. Die Haupteinnahmequelle von Holdigaz sind die Gasverkäufe an Endkunden. Gemäss der Darstellung im neuesten Geschäftsbericht (nur in französischer Sprache verfügbar) werden 66% der Gasverkäufe für die Beheizung von Wohnräumen, 19% für die Industrie und 14% für Verkaufsflächen sowie 1% an die Gemeinde Moudon abgesetzt.

Klimaneutrale Gasverkäufe
Die Biogasanlage in Lavigny ist eines von drei Werken, in denen die Holdigaz-Gruppe Biogas produziert. Bild: www.ecorecyclage.ch

Seit dem 1. Oktober 2019 sind sämtliche Gasverkäufe von Holdigaz klimaneutral. Das Unternehmen erwirbt CO2-Zertifikate und kompensiert so die beim Gas entstehenden Kohlendioxidgase vollumfänglich. Bis dato sind hieraus keine negativen Einflüsse auf die Geschäftszahlen erkennbar. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auch die Investitionen in erneuerbare Energien fort: So wurde im Berichtsjahr eine Minderheitsbeteiligung an einem Offshorewindbetreiber eingegangen. Holdigaz erwarb 6,9% an dem seit April 2019 in Betrieb stehenden Windpark im baltischen Meer. Die Gesamtproduktion der 60 Turbinen beträgt 378 Megawatt (MW), wovon Holdigaz rund 26 MW besitzt. Weiter gesteigert wurde auch die Produktion von Biogas in den drei Werken in Lavigny, Roche und Penthaz. Das Plus von 2,8% auf 24.7 Mio. KWh geht massgeblich auf das Konto des Standorts Lavigny.

Marge deutlich gesteigert

Holdigaz profitierte im Berichtsjahr von der Entspannung bei der Gaspreissituation auf der Ausgabenebene und vom kalten und langen Winter 2018/19 auf der Einnahmenebene im Hauptgeschäftsfeld Gasverkäufe. Die Spartenumsätze legten denn auch um 2,3% auf 157.8 Mio. CHF zu. Das Umsatzplus liegt etwas höher als der Volumenanstieg, der 2,1% betrug. Ebenfalls weiter zulegen konnte das Geschäftsfeld erneuerbare Energien mit einem Umsatzanstieg von 4,7% auf 16.5 Mio. CHF. Federn lassen musste das Unternehmen hingegen im Bereich Gebäudetechnik, wo sich besonders im letzten Quartal des Berichtsjahres die Konjunkturabschwächung bemerkbar machte. So gingen die Gesamterträge um 1,6% auf 46.7 Mio. CHF zurück. Details zu den Entwicklungen der einzelnen Betriebe werden nicht publiziert. Ebenfalls schwächer waren mit minus 2,9% auf 9.5 Mio. CHF die sonstigen Einkünfte aus dem Gasgeschäft. Diese beinhalten vor allem Installationsleistungen für die Gasverteilungsnetze, die Holdigaz Dritten in Rechnung stellt.

EBIT steigt um mehr als ein Drittel an

Auf der Aufwandseite konnte Holdigaz von den um 9,1% auf 101.5 Mio. CHF gesunkenen Kosten für Material und Drittleistungen profitieren. In dieser Position sind vor allem die Gaseinkäufe erfasst. Um gut 2% auf 51.6 Mio. CHF stiegen hingegen die Personalaufwendungen an. Marginal höher waren die sonstigen Betriebskosten mit 15.6 Mio. CHF nach 15.5 Mio. CHF im Vorjahr. In der Summe führte dies zu einem deutlich höheren Betriebsgewinn vor Abschreibungen EBITDA von 62.2 Mio. CHF, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 25,9% entspricht. Die zulasten der Erfolgsrechnung verbuchten Abschreibungen fielen mit 15.8 Mio. CHF wesentlich geringer aus als der Vorjahreswert von 21 Mio. CHF. Hingegen wurde die zulasten des Betriebsgewinns verbuchte Bildung von Rückstellungen massiv von 11.6 Mio. CHF im Vorjahr auf 22.9 Mio. CHF aufgestockt. Dennoch resultierte ein Anstieg des EBIT um 35,6% auf 23.6 Mio. CHF.

Finanzeinnahmen fallen tiefer aus

Der Gewinnausweis war von verschiedenen Faktoren geprägt. Auf der einen Seite belasteten die deutlich tieferen Finanzeinnahmen von 8.7 Mio. CHF nach 12.9 Mio. CHF und die um 4.7 Mio. CHF tieferen ausserordentlichen Erträge. Bei Letzteren fielen im Berichtsjahr Devestitionsgewinne aus Immobilienverkäufen von 3.1 Mio. CHF und Rückstellungsauflösungen weg. Andererseits wirkten sich die um 6 Mio. CHF auf 5.9 Mio. CHF gesunkenen Steueraufwendungen positiv aus. Im Vorjahr musste Holdigaz Nachzahlungen für die früheren Geschäftsjahre im Umfang von 8.1 Mio. CHF leisten. Unter dem Strich resultierte ein Plus des Reingewinns um 13,9% auf 25 Mio. CHF. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 5 CHF pro Aktie.

Fazit

Die Kennzahlen der Erfolgsrechnung für das Berichtsjahr 2019/20 fallen deutlich besser aus als im Vorjahr und können insgesamt als gut eingestuft werden. Wie in den Vorjahren wenig Aussagekraft hat der ausgewiesene Reingewinn, der massiv von der Bildung von Rückstellungen und den mutmasslich über den betrieblich notwendigen Abschreibungen beeinflusst wird. Als „echte“ betriebliche Kennzahl kann somit lediglich das EBITDA in Betracht gezogen werden. Einen deutlichen Hinweis auf die Gewinnentwicklung liefert denn auch der Anstieg der EBITDA-Marge um über 5% auf 26,9% im Vorjahresvergleich. Dieser sehr erfreulichen Entwicklung im Bereich des operativen Geschäfts steht der weiter rückläufige Ertrag aus den Finanzanlagen gegenüber, der sich weiter fortsetzte. Hierauf sollten die Anleger ein Augenmerk richten, wenn auch die Zahlen des laufenden Jahres angesichts der Corona-Krise nicht überbewertet werden dürfen. Während die Einflüsse der Krise auf das operative Geschäft bei Holdigaz sehr gering ausfallen, könnte dies bei den Finanzerträgen durchaus anders sein.

Die Aktien von Holdigaz werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Der Kurs der Papiere hat sich mit Ausnahme von kurzzeitigen Rücksetzern im Frühjahr nur unwesentlich vom Höchstkurs von 211 CHF entfernt, ohne diesen Wert jedoch wieder zu erreichen. Der letztbezahlte Kurs der Titel lag bei 195 CHF. Wegen der hohen Sachabschreibungen eignet sich zur Bewertung der Aktie einzig das Verhältnis des EBITDA zum Unternehmenswert EV/EBITDA, das mit 5.7 für das Berichtsjahr als nicht überteuert angesehen werden kann. Im aktuellen Tiefzinsumfeld ist die Dividendenrendite von 2,5% durchaus attraktiv. Es kann davon ausgegangen werden, dass Holdigaz auch weiterhin Ausschüttungen vornimmt. Nicht ausgeschlossen ist indessen ein Rückgang der Höhe; dies insbesondere, wenn die Zahlungsmoral der Kunden abnehmen oder mögliche Industriekunden aufgrund der aktuellen Krise in die Insolvenz gehen müssen.

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