Zermatt Bergbahnen: Lockdown verhindert Rekordzahlen

Aktionäre erhalten keine Dividende

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Die ZBAG setzt die Grossinvestitionen, zu denen auch die hier abgebildete 3S-Bahn gehört, nicht aus. Quelle: zvg

Die Zermatt Bergbahnen AG (ZBAG) setzten im per 31. Mai 2020 beendeten Geschäftsjahr 2019/20 den Wachstumskurs bis zum frühzeitigen Saisonende am 13. März fort. Im neuesten Geschäftsbericht informiert die ZBAG ihre Anteilseigner offen und detailliert über das finanzielle Ausmass des Lockdowns. So gingen Umsätze von rund 15 Mio. CHF und ein Cashflow von 13 Mio. CHF verloren. Für die Geschäftsleitung kam indessen die Betriebsschliessung nicht so unerwartet, wie dies beim Gros der anderen Bergbahnen der Fall war. So präsentierten der CEO und der CFO dem Verwaltungsrat bereits am Tag der Schliessung die Finanzauswirkungen für das laufende Geschäftsjahr sowie erste Hochrechnungen für die beiden Folgejahre. Diese Planungen offenbarten, dass die ZBAG trotz der Betriebsschliessung nicht in Liquiditätsprobleme gerät und selbst die Bedingungen der Kreditverträge einhalten kann, sofern die Investitionstätigkeit auf die betriebsnotwendigen Erneuerungen beschränkt wird.

Verbindungsbahn nach Italien wird gebaut

Nach Rücksprache mit den Hausbanken hat sich der Verwaltungsrat anfangs April entschieden, die 3S-Bahn zwischen dem Kleinen Matterhorn und der auf der italienischen Seite des Skigebiets liegende Testa Grigia wie ursprünglich geplant zu realisieren. Festgehalten wird auch am Neubau der Kummebahn inklusive einer Schneeanlage. Eine neue Gondelbahn ersetzt den durch eine Lawine zerstörten Sessellift. Innerhalb von nur zwei Wochen ist es der ZBAG gelungen, die Zusatzfinanzierung für diese beiden Projekte sicherzustellen, was von der Geschäftsleitung als deutlicher Beweis des Glaubens der Banken an die Firmenstrategie angesehen wird. Allerdings müssen die Aktionäre wegen der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten auf eine Ausschüttung verzichten. So will der Verwaltungsrat die finanzielle Stabilität der ZBAG gewährleisten. Prognosen für den Winter 2020/21 werden als unmöglich angesehen. Die zukünftige Investitionspolitik wird im Februar 2021 entschieden. Zu diesem Zeitpunkt können die Auswirkungen der Coronakrise auf den Winter 2020/21 besser abgeschätzt werden.

Betriebsschliessung lässt Umsätze sinken

Die ZBAG erlitt im Geschäftsjahr 2019/20 ein Umsatzminus von 14,7% auf 64.9 Mio. CHF. Ohne die Betriebsschliessung wären Umsätze von 80 Mio. CHF erzielt worden, zeigt sich die Geschäftsleitung überzeugt. Die Gesellschaft betreibt neben den Transportanlagen nur das Restaurant Matterhorn Glacier Paradise selbst, was im Berichtsjahr zu Einkünften von 1.5 Mio. CHF nach 1.8 Mio. CHF im Vorjahr geführt hat. Die übrigen Nebenerträge blieben hingegen mit 3.2 Mio. CHF stabil. Aus dem Schneesportgeschäft wurden noch 43 Mio. CHF nach 53.8 Mio. CHF im Vorjahr erwirtschaftet. Etwas geringer fielen die Rückgänge in den Bereichen Einzelreiseverkehr und Freizeitangebot mit minus 1.8 Mio. CHF auf 16 Mio. CHF aus. Die ZBAG konnte zudem Versicherungsleistungen von 1.5 Mio. CHF vereinnahmen.

Auf der Kostenseite gingen die Personalaufwendungen um 7,1% auf 20.9 Mio. CHF zurück. Hier wirkten sich die Kurzarbeitsentschädigungen positiv aus. Die ZBAG ersetzte ihren Mitarbeitern indessen die Ausfälle und zahlte den vollen Lohn aus, was den vergleichsweise geringen Minderaufwand erklärt. Grösser fielen die Einsparungen beim Betriebsaufwand mit minus 8,2% auf 20.9 Mio. CHF aus.

Dennoch führte dies beim Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) zu einem Minus von 8.5 Mio. CHF respektive minus 21,3% auf 31.1 Mio. CHF. Die Sachabschreibungen lagen mit einem Gesamtwert von 26 Mio. CHF um 7.9 Mio. CHF tiefer als im Vorjahr. Dies führte zu einem unterproportionalen Minus von 9,7% auf 5.1 Mio. CHF beim EBIT. Bei leicht tieferen Finanzaufwendungen und einem identischen Steueraufwand resultierte unter dem Strich ein Reingewinn von 1.5 Mio. CHF nach 1.9 Mio. CHF im Vorjahr.

Fazit

Die Geschäftszahlen der ZBAG fallen trotz der schwierigen Umstände sehr gut aus. Besonders hervorzuheben ist der trotz der frühzeitigen Betriebsschliessung und den damit verbundenen Kosten erzielte Cashflow von 27.5 Mio. CHF. Dieser erlaubt es der Gesellschaft, die Erneuerung aller Sachanlagen in 27 Jahren zu finanzieren, was in etwa der üblichen Lebensdauer zwischen 23 und 30 Jahren entspricht. Angesichts der laufenden Grossinvestitionen fallen die eher unterdurchschnittlichen Bilanzkennzahlen mit einer Eigenmittelquote von 32,8% akzeptabel aus.

Die Aktien der ZBAG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Die Gesellschaft verfügt noch über zwei verschiedene Aktienkategorien: Zum einen sind dies Namenaktien mit einem Nennwert von 50 Franken, zum anderen Inhaberpapiere mit demselben Nennwert. Beide Kategorien sind wirtschaftlich gleichgestellt. Mit der Anpassung der Statuten im Nachgang zur Generalversammlung vom 18. September, die wegen der Coronakrise ohne Präsenz der Aktionäre in schriftlicher Form durchgeführt wurde, werden die Inhaberpapiere in Namenaktien umgewandelt. Dies dürfte in den nächsten Wochen erfolgen. Die Namenaktien wurden letztmalig zu Kursen von 700 CHF gehandelt, während der letztbezahlte Kurs der Inhaberpapiere 569 CHF betrug. Beide Kategorien werden relativ selten gehandelt, was Investoren bei einem Anlageentscheid berücksichtigen sollten. Ob die Anleger für das laufende Geschäftsjahr und allenfalls in den Folgejahren wiederum Dividenden erhalten werden, kann aktuell nicht abgeschätzt werden.

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