Markus Hasler, CEO Zermatt Bergbahnen: «Die zusätzlichen Gäste aus dem Inland können die ausländische Nachfrage nicht substituieren»

Dividendenaufnahme für nächstes Geschäftsjahr geplant

0
975

Der jährlich stattfindende Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net findet heute auf dem Gornergrat mit Blick auf das Matterhorn statt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto «Gemeinsam vorwärts – wie Destinationen gestärkt aus Krisen hervorgehen können».

Als Podiumsredner wird unter anderen auch Markus Hasler, CEO der Zermatt Bergbahnen AG, Wege aus der Krise aufzeigen. Im Interview mit schweizeraktien.net äussert sich Hasler zum Geschäftsjahr 2021/2022, erläutert, warum in diesem Sommer kein Sommerski-Betrieb möglich ist und was ihn mit Blick auf die kommende Wintersaison optimistisch stimmt.

CEO Markus Hasler, 63, ist seit 2010 bei den Zermatt Bergbahnen AG tätig. Zuvor war er Direktor der Bergbahnen Brigels und hatte diverse Mandate in der Politik in Graubünden inne. Bild: Michael Portmann

Sie veröffentlichen die Zahlen zu Ihrem Geschäftsjahr in der zweiten Septemberhälfte. Können Sie uns dennoch schon jetzt sagen, wie das letzte Geschäftsjahr verlaufen ist?

Im Sommer 2021 fehlten noch die Gäste aus den internationalen Märkten, was zu Einbussen gegenüber den Vor-Covid-Jahren führte. Der Winter 2021/22 bescherte dem Unternehmen jedoch Rekordumsätze, auch dank der Rückkehr der internationalen Gäste. Gesamthaft kann ein neues Rekordergebnis ausgewiesen werden. Die Veröffentlichung der Zahlen erfolgt an der GV vom 23. September 2022.

Ein Treiber des Erfolgs im vergangenen Jahr dürften die einheimischen Touristen gewesen sein. Wie stellt sich das Verhältnis von Schweizern gegenüber Ausländern bei den Buchungen bzw. Ticketkäufen dar?

Bei einem Verhältnis von ca. 55% Ausland und 45% Inland mussten wir feststellen, dass die zusätzlichen Gäste aus dem Inland die ausländische Nachfrage nicht substituieren konnten. Dies vor allem im Sommer 2021. Dabei spielt auch das unterschiedliche Kaufverhalten der Gäste eine gewichtige Rolle. Internationale Gäste fahren auf die Peaks mit einem Retourbillet, der Schweizer Gast löst einfach und wandert eine oder zwei Sektionen.

Mit den deutlichen Ertragszuwächsen dürften auch die Ausgaben angestiegen sein. Wo konnten Sie hier Hebel ansetzen?

Im Geschäftsjahr 2021/2022 weisen wir nahezu die gleichen Kosten aus wie vor Covid. Die Covid-Jahre dürfen hier nicht als Vergleich herangezogen werden. Der Ertragszuwachs hat die Kosten nicht in die Höhe getrieben, sondern ist direkt im EBIDTA und Cashflow sichtbar. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigen jedoch, dass das straffe Kostenmanagement in Zukunft noch mehr gefordert sein wird.

Können Sie uns sagen, wie das Geschäftsjahr 2022/2023 angelaufen ist? Wagen Sie eine Prognose für dieses Geschäftsjahr?

Die bisherigen Sommermonate Juni bis August bewegen sich bei den Umsätzen im Rahmen des bisherigen Rekordsommers 2018/19. Die Buchungslage für die vor uns liegende Wintersaison ist, gemäss Aussage unserer Leistungspartner, vielversprechend.

Warum ist derzeit kein Sommer-Skiing in Zermatt möglich?

Das Problem war und ist der fehlende Schnee des zurückliegenden Winters. Bei normalen Schneefällen im letzten Winter hätte der Sommerskibetrieb nicht unterbrochen werden müssen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass bei normalen Winterniederschlägen auch zukünftig Sommerskifahren uneingeschränkt möglich sein wird.

Wie stellen sich die Zermatt Bergbahnen auf die Klimaveränderungen ein? Gibt es die Strategie, den Sommertourismus noch stärker zu fördern?

Das Wintergeschäft wird auch zukünftig Standbein Nummer eins bleiben, dies nicht zuletzt aufgrund der Höhenlage. Im Sommertourismus sehen wir das grösste Wachstumspotenzial. Dies wird mit der Umsetzung des Projektes AlpineX unterstrichen.

Welche Massnahmen haben Sie ergriffen, um den CO2-Fussabdruck möglichst klein zu halten? Welche Massnahmen werden Sie künftig ergreifen?

Die Zermatt Bergbahnen AG setzt seit ihrer Gründung im Jahre 2002 in ihrer Strategie auf Nachhaltigkeit, unter anderem auch auf die ökologische Nachhaltigkeit. So wurden in Eigenregie und in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern diverse Anlagen zur Stromproduktion (Photovoltaik) und Solarthermie erstellt. Weiter wurden die Anlagen zur technischen Beschneiung fortlaufend erneuert und energetisch optimiert, stromeffiziente Antriebe bei Seilbahnen verbaut, Minergie-P-Standard bei Gebäuden umgesetzt, Teile der Anlagen für die Schneeproduktion in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Energieversorger zur Stromproduktion genutzt, Beleuchtungen auf LED umgerüstet etc. etc. Die Weiterführung dieser bewährten Strategie ist garantiert. Weitere Projekte befinden sich aktuell in der Umsetzung oder werden geplant.

Welche Bedenken haben Sie angesichts der vielen Probleme wie Covid, Krieg in der Ukraine, Inflation und Stromknappheit, wenn Sie auf den kommenden Winter blicken?

Grundsätzlich blicke ich optimistisch in Richtung des kommenden Winters. Es hilft nicht viel, sich an den Spekulationen von Politik und Medien zu beteiligen. Wie jedes Jahr laufen die Vorbereitungsarbeiten, damit den Gästen wie gewohnt ein optimales Produkt angeboten werden kann. Intern werden diverse Szenarien diskutiert, welche bei Bedarf zur Anwendung gelangen könnten.

Es gibt aber ja auch sehr Erfreuliches zu vermelden. Zum ersten Mal finden in diesem Winter Skiweltcup-Rennen in Zermatt statt, und zwar schon Ende Oktober. Was erhoffen Sie sich von diesem Event?

Wer Ende Oktober Abfahrtsrennen im Skiweltcup austragen kann, der ist fähig, seinen Gästen auch ein Wintererlebnis auf den Pisten bieten zu können. Für uns ein grosser Wert in der Kommunikation.

Werden Sie in diesem Jahr wieder eine Dividende ausschütten?

In den beiden zurückliegenden Geschäftsjahren 2019/20 und 2020/21 wurde keine Dividende ausgerichtet. Auch für das Geschäftsjahr 2021/22 gibt es vom Verwaltungsrat keinen Antrag für eine Dividendenausschüttung an die Aktionäre. Für das Folgejahr ist grundsätzlich eine Rückkehr zur Vor-Covid-Situation vorgesehen.

Mit welchem Motto machen Sie sich und Ihren Mitarbeitenden Mut?

Die Covid-Krise wurde von unseren Mitarbeitern exzellent gemeistert. Das Unternehmen hat dabei auch seinen Beitrag geleistet, hat ein umfassendes Angebot bereitgestellt, keine Entlassungen vorgenommen und den Lohn auch in Kurzarbeit zu 100% ausbezahlt. Die gegenseitige Wertschätzung bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft.

Herr Hasler, vielen Dank für dieses Gespräch.

Die Aktie der Zermatt Bergbahnen wird auf OTC-X gehandelt und kostete zuletzt 505 CHF.

Kommentar verfassen