Stadtcasino Baden: Die Ära Brose geht zu Ende

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Der CEO der Stadtcasino Baden AG, Detlef Brose, neben der Galionsfigur von jackpots.ch. im Jahr 2019. Bild: schweizeraktien.net

Nach 18 Jahren als CEO der Stadtcasino Baden AG verliess Detlef Brose Mitte November das Unternehmen – auf eigenen Wunsch, wie Brose und der Verwaltungsrat mitteilten.

Der Aktienkurs des Casinos seit 2004 widerspiegelt die Aufs und Abs des geschäftlichen Erfolgs der Ära Brose. Einschneidenden negativen Einfluss hatte die Eröffnung des Casinos in Zürich im Jahre 2012. «Wer gern im Casino spielt, kann sich künftig die Fahrt von Zürich nach Baden oder Pfäffikon sparen», schrieb die Handelszeitung im Oktober 2012. Der Kurs der Badener sackte von über 700 CHF auf 450 CHF ab.  In den drauffolgenden Jahren sollte er in einer Range von 400 CHF bis 600 CHF pendeln.

Kursverlauf der Aktie der Stadtcasino Baden AG in der Ära Brose. Quelle: otc-x.ch
Expansionen ins Ausland mit gemischten Resultaten

Brose reagierte auf die Konkurrenz in der unmittelbaren Nachbarschaft mit Expansion. Gemeinsam mit der deutschen Gauselmann-Gruppe wurden 2015 das erste Casino in Leuna und Mitte 2016 der zweite Standort in der Landeshauptstadt Magdeburg eröffnet. Zuvor war man in Wien allerdings gescheitert. Obwohl die Schweizer Gesellschaft mit ihrem Juniorpartner, der Gauselmann-Gruppe, 2014 die Konzession für ein Grand Casino in Wien erhalten hatte, wurde aus dem Projekt nichts: Die Konzession wurde wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. 4 Mio. CHF hatte das Stadtcasino Baden AG investiert, die nun verloren waren.

Auch nicht besser lief es mit der 90%-Beteiligung am Casino in Davos, das Mitte der 10er Jahre unter der Frankenstärke und dem damit verbundenen Tourismusrückgang zu kämpfen hatte. Sogar von einer Schliessung des Davoser Betriebs war die Rede.

Insgesamt waren diese Jahre allgemein von einem Rückgang des Bruttospielertrags (BSE) gekennzeichnet. Unter dem Strich zuviel der negativen Einflüssen: Die Stadtcasino Baden AG verzeichnete 2015 einen Verlust und musste Wertberichtigungen in Höhe von mehreren Mio. CHF hinnehmen. Dennoch zahlte das Unternehmen auch in diesem schwierigen Jahr eine Dividende.

Früher Aufsprung auf den Online-Casino-Zug

Es war an der Zeit, neue Ertragsfelder zu erschliessen. Bereits 2016 begann in Baden die Planung rund um die Bewerbung für eine Online-Konzession. Brose damals im Interview mit schweizeraktien.net: «Anfang 2017 werden wir bereits ein Social-Casino auf Free-Play-Basis anbieten. Wir nutzen damit die verbleibende Zeit bis zur Legalisierung, um unsere Erfahrungen auszubauen und um uns bestmöglich auf das Konzessionsverfahren vorzubereiten.»

Die Weitsicht von Brose sollte sich auszahlen. Im Sommer 2019 eröffnete Baden mit jackpots.ch das erste Schweizer Online-Casino, kurze Zeit darauf folgte Davos mit casino777.ch. Die Umsätze lagen schon nach ein paar Monaten über den Erwartungen.

Dazu kam für Brose das Glück des Tüchtigen hinzu. Denn mit Corona und der damit verbundenen Schliessung der landbasierten Casinos über fast drei Monate erlebten die Online-Casinos einen zusätzlichen Boom. Wie Marcel Tobler, Chief Operating Officer (COO) des Grand Casino Baden sagte, erwarte er allein für jackpots.ch in 2020 einen Bruttospielertrag (BSE) von rund 38 Mio. CHF. Dies sei schon im ersten vollen Geschäftsjahr des Online-Casinos mehr, als die Stadtcasino-Baden-Gruppe in fünf Jahren geplant habe.

Damit liegt der erwartete BSE im Onlinegeschäft bei über 50% des BSE des landbasierten Casinos, der 2019 bei 65.5 Mio. CHF lag. Der deutlich gesteigerte Bruttospielertrag erlaubte für das zurückliegende Geschäftsjahr 2019 eine Dividende von 25 CHF, was einer Rendite von über 3% entspricht.

Fazit
Michael Böni, seit November 2020 der neue CEO der Stadtcasino Baden AG. Bild: zVg.

Es sind grosse Fussstapfen, die Detlef Brose seinem Nachfolger Michael Böni hinterlässt. Brose verlässt ein bestens bestelltes Haus.

Sicher, es gab das verunglückte Engagement in Wien, das allerdings Brose nicht selbst verschuldet hatte, sondern wo der einheimische Markt den Eindringling von aussen mit juristischen Mitteln ausbremste. Auch die Grossbaustelle vor dem Casino, die manchem Besucher in den letzten Jahren den Besuch des Casinos vergällt hat und die zu BSE-Rückgängen führte, ist nicht Brose anzulasten. Ebenso wenig wie die Konkurrenz durch die unmittelbare Nachbarschaft des Casino Zürichs.

Ansonsten antizipierte der Hobbyfussballer Brose die Spielmechanismen im Casino-Geschäft wie ein erfahrener Spielmacher, was auch der Aktienkurs bekräftigt, der Ende 2020 bei knapp 700 CHF liegt. Brose zeigte Gespür für Markttendenzen, insbesondere im Online-Casino-Geschäft, z.B. indem die Stadtcasino Baden AG Ende 2019 50% des Gaming-Technologie-Unternehmens Gamanza erwarb und damit seither auch eine eigene Plattform anbieten kann.

Für den geglückten Einstand von Michael Böni wird jetzt viel davon abhängen, wie sich die Corona-Situation weiter entwickelt. Denn bei aller Freude über die sprudelnden Einnahmen aus dem Online-Geschäft bleibt das landbasierte Casino der Haupt-Ertragsbringer. Und das ist zunächst bis 22. Januar 2021 geschlossen.

Die Aktie der Stadtcasino Baden AG wird auf OTC-X der BEKB gehandelt und kostete zuletzt 661 CHF (Geld).

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