Clientis: Regionalbankengruppe erneuert bis 2022 ihre Serviceplattform

Hypothekarkredite treiben auch 2020 mit plus 4,1% das Wachstum

0
799
Die Clientis Bank Oberaargau ist seit dem Austritt der Bank Avera die grösste der 14 Clientis-Banken. Bild: clientis.ch

Die 14 zur Clientis-Gruppe gehörenden Regionalbanken sind bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. Wie die Clientis AG an einer Medienorientierung erläuterte, wurde auch im Krisenjahr 2020 ein nachhaltiges Wachstum erzielt. Die Kundengelder legten um 14,1% zu. Bei den Ausleihungen war ein Plus von 4,4% auf insgesamt 10.2 Mrd. CHF zu verzeichnen, der grösste Teil davon im Hypothekarbereich (+ 4,1%). Die Bilanzsumme erreichte 13.8 Mrd. CHF.

Der konsolidierte Geschäftserfolg der 14 Banken lag mit 60.5 Mio. CHF nur knapp unter dem Vorjahreswert. Auch der Konzerngewinn fiel mit 54.2 Mio. CHF etwas tiefer (- 1,2%) aus. Obwohl die Clientis-Banken 912 Corona-Kredite mit einem Volumen von 86 Mio. CHF vergeben haben, rechnet CEO Andreas Buri nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Wertberichtigungen aufgrund der Corona-Krise. Im Fokus der Bankengruppe steht bis 2022 nun die Erneuerung der Serviceplattform. Mit einer offenen Plattformarchitektur sollen auch weitere Banken für die Dienstleistungen gewonnen werden.

Zinsengeschäft mit 77% wichtigster Ertragspfeiler

Die 14 Clientis-Banken verfügten per Ende 2020 über 52 Standorte vor allem in ländlichen Gebieten. Dort spürten die Banken auch die Nachfrage nach Hypothekarkrediten stärker als im städtischen Raum. Mit einem Anteil von 77% am Gesamterfolg ist und bleibt das Zinsengeschäft der wichtigste Ertragspfeiler. Dank der Volumenausweitung um 4,1% auf 9.6 Mrd. CHF konnte der Brutto-Zinserfolg auf 131.2 Mio. CHF (+ 3,4%) gesteigert werden. Auch der Netto-Zinserfolg erhöhte sich und erreichte 132.0 Mio. CHF.

Indifferentes Geschäft wächst nur leicht

Im indifferenten Geschäft lagen die Erträge aus Kommissionen und Dienstleistungen mit 20.4 Mio. CHF zwar über den um den Austritt der Bank Avera bereinigten Vorjahreswerten. Allerdings erreichte der Erfolg aus dem Handelsgeschäft, ebenso wie der übrige ordentliche Erfolg, die Vorjahreszahlen nicht ganz. Letzteren belasten negative Wertberichtigungen aufgrund des starken Einbruchs der Börsenkurse im 1. Quartal 2020. Das indifferente Geschäft wird künftig durch eine Partnerschaft mit Aquila AG gestärkt, welche die Segmentsführung Anlegen übernimmt.

Der konsolidierte Geschäftserfolg der Clientis-Banken bewegt sich auf einem stabilen Niveau. Bild: clientis.ch

Bei einem um 0,5% höheren Geschäftsaufwand von 96.4 Mio. CHF erreichte das operative Ergebnis 60.5 Mio. CHF. Der Konzerngewinn lag mit einer Abnahme von 1,2% leicht unter Vorjahr bei 54.2 Mio. CHF. Auch das Verhältnis von Aufwand und Ertrag, die Cost/Income Ratio (CIR), fiel mit 56,1% etwas besser aus und liegt weiterhin unter der Zielmarke von 60,0%.

Gute Eigenkapitalausstattung

Die Eigenkapitalbasis konnte 2020 um weitere 3,8% auf 1.153 Mrd. CHF gesteigert werden. Mit einer Gesamteigenmittelquote von 20,5% (Vorjahr: 20,9%) übertrifft die Clientis-Gruppe die gesetzlichen Anforderungen von 11,2% weiterhin.

Neue flexiblere Plattformarchitektur

Ab diesem Jahr beginnt die Clientis-Gruppe mit der Erneuerung ihrer Plattformarchitektur. Bisher erbringt Clientis Serviceleistungen für 23 Banken. «Wir sind dabei zentraler Ansprechpartner für rund 30 Lieferanten», erklärte COO Matthias Liechti an der Medienorientierung. Ziel von Clientis sei es, dass sich die Banken auf den Vertrieb und ihre Positionierung am Markt konzentrieren könnten. Dies soll auch in Zukunft so bleiben.

Allerdings setzt Clientis künftig auf eine offene, modulare und cloudbasierte Servicearchitektur. Dies erhöhe die Flexibilität und führe zu Potenzial für Kostenoptimierungen, so Liechti. Zudem werde das Geschäftsmodell mit einem einheitlichen Vertragswerk für alle Banken, die Leistungen beziehen wollen, erweitert. Davon erhofft sich die Clientis AG eine weitere Öffnung des Kundenkreises.

Gestaltet werde die neue Plattformarchitektur weiterhin in Partnerschaft mit Inventx. Der Vorteil der neuen Plattform soll nicht nur ein flexibler, modularer Leistungsbezug sein, sondern auch die schnelle Einbindung von Fintechs in einem zukunftsorientierten Ökosystem.

Die Aktien und Genossenschaftsanteile von mehreren Clientis Banken werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt und sind im OTC-X Banken-Index vertreten.

Hinweis in eigener Sache: Der Branchentalk Banken 2021 findet voraussichtlich am 8. Juni als Präsenzveranstaltung sowie am 15. und 20. April auf Zoom statt.

Kommentar verfassen