Nicole Loeb, Loeb Holding: «Was wir dem Online-Handel entgegensetzen wollten, wurde verboten»

Investitionsprogramm wird 2021 mit dem Umbau in Thun abgeschlossen

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Das traditionsreiche Berner Warenhausunternehmen Loeb kämpft nach wie vor an zwei Fronten: der zunehmenden Digitalisierung des Handels und den Folgen der Corona-Pandemie. 2020 resultierte ein Jahresverlust von 3.9 Mio. CHF. Ein Investitionsstopp kam für das Unternehmen allerdings nicht in Frage. Nun setzen Patronin Nicole Loeb und ihr Management-Team alles daran, nach dem Ende der Pandemie die Vision vom «persönlichsten Warenhaus der Schweiz» umzusetzen.

Im Gespräch mit schweizeraktien.net erläutern die VR-Delegierte und ihr Finanzchef Franz Wittwer die Pläne, und sie gehen auch auf die Immobilienstrategie, das zweite Standbein des Unternehmens, ein.

Nicole Loeb führt die gleichnamige Berner Warenhausgruppe seit 2005 in fünfter Generation. Bild: zvg

Frau Loeb, Im Herbst wurde Ihre Warenhausgruppe ein zweites Mal in den Lockdown geschickt. Wie haben Sie darauf reagiert?

Nicole Loeb: Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr haben wir nicht damit gerechnet, dass so etwas wieder passiert. Doch nachdem der Kanton Bern im Oktober Grossveranstaltungen verboten hat, war mir klar, dass es auch uns wieder treffen könnte. Wir konnten uns daher etwas darauf einstellen und das ganze nüchterner angehen, waren auch nicht mehr so schockiert wie beim ersten Lockdown. Aber es tut schon sehr weh, wenn sie ein zweites Mal die Häuser schliessen müssen.

Das Jahresergebnis 2020 zeigt deutliche Spuren der Corona-Krise. Der zweite Lockdown lief bis Anfang März. Wie wird sich das Geschäft in diesem Jahr entwickeln?

Dazu müsste ich wohl in der Glaskugel lesen (lacht). Wir sind aber verhalten positiv, auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, dass nicht doch noch ein dritter Lockdown folgt. Allgemein rechnen wir mit einem grossen Nachholbedarf. Denn die Menschen möchten doch gerne wieder reisen, gut essen und auch einkaufen gehen.

Wie sind derzeit die Frequenzen in Ihren Warenhäusern in Bern, Biel und Thun?

Franz Wittwer: Sie laufen noch nicht auf normalem Niveau. Wir verzeichnen zwar weniger Frequenzen, dafür jedoch höhere Beträge, die ein Kunde bei uns ausgibt. Hier spielen sicherlich die Schliessung der Gastronomie und auch die Homeoffice-Pflicht eine Rolle. Die Menschen sind weniger in der Stadt unterwegs und kaufen daher gezielter ein. Einen Shopping-Bummel mit Besuch in einem Restaurant oder Café gibt es aber nicht. Auch unsere Restaurants haben noch geschlossen, da sie sich in Innenräumen befinden.

Franz Wittwer übernahm 2017 die Tätigkeit als CFO der Loeb-Gruppe. Bild: zvg

Mit der Öffnung der Terrassen hat sich dies bestimmt gebessert …

Nicht unbedingt. Bei schönem Wetter gehen die Leute nicht shoppen, sondern sitzen lieber im Café. Bei schlechtem Wetter kommen sie gar nicht in die Stadt, da die Restaurants noch geschlossen sind und man auch nicht auf der Terrasse sitzen kann.

Durch Homeoffice und die Schliessungen der Läden ist der Online-Handel enorm gewachsen. Denken Sie wirklich, dass die Menschen wieder in die Läden kommen werden?

Nicole Loeb: Es wird sicher eine gewisse Abwanderung bleiben. Aber Menschen sind soziale Wesen, wollen sich sehen, miteinander sprechen und Produkte auch anfassen und ausprobieren. Das wird nicht völlig verloren gehen. Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, um dem Online-Handel etwas entgegensetzen zu können. Leider konnten wir wegen der Pandemie diese Trümpfe nicht ausspielen, denn sämtliche Projekte basieren auf dem persönlichen Kontakt. Denken Sie an das Show Cooking, unser Nähcafé oder Events wie die Ladies Night. Alles, was wir dem Online-Handel entgegensetzen wollten, wurde verboten. Wir sind aber sicher, dass sich unsere Strategie nach dem Ende der Pandemie auszahlt.

Sie schreiben in Ihrem Geschäftsbericht, dass Sie gezielt Social Media einsetzen. Wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Unsere Mitarbeiter bewerben in dieser Aktion ihre Produkte und stellen sie auch vor. Das gehört zu unserer Strategie, das persönlichste Warenhaus zu sein. Ausserdem können wir über diese Kanäle gerade junge Kunden in unsere Warenhäuser locken. Diese Aktion geht auch mit dem Sortimentsumbau einher, der auch ein jüngeres Publikum anspricht. Die Herausforderung ist es dabei, neue, junge Kunden zu gewinnen, ohne die älteren Kunden zu verlieren. Konkrete Zahlen können wir Ihnen dazu noch nicht nennen.

Haben Sie aufgrund der unsicheren Lagen weitere Sparmassnahmen geplant? In einem Interview sagten Sie, dass Sie keine Mitarbeiter entlassen wollen.

Unser Ziel ist es, dass persönlichste Warenhaus der Schweiz zu sein. Nur so können wir uns von der Online-Konkurrenz differenzieren. Ein persönliches Warenhaus mit weniger Mitarbeitern funktioniert nicht. Daher setzen wir auf unsere gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeiter. Wir sind auch überzeugt, dass sich dies auszahlt, wenn die Pandemie vorbei ist. Während des Lockdowns haben wir über unsere patronale Stiftung den Mitarbeitern die Differenz zwischen der Kurzarbeitsentschädigung und ihrem vollen Lohn entschädigt.

Sie haben auch das Investitionsprogramm fortgesetzt. Werden Sie den Umbau des Warenhauses in Thun wie geplant abschliessen?

Franz Wittwer: Ein Investitionsstopp kam für uns nie in Frage. Durch die behördlich verordnete Schliessung der Warenhäuser konnten wir den Umbau sogar besser vorantreiben. Denn der Umbau eines geöffneten Warenhauses ist immer eine Tortur. Ausserdem wollten wir mit den Investitionen zeigen, dass wir an die Zukunft der Warenhäuser glauben. Daher werden wir den Umbau in Thun auch wie geplant in diesem Jahr abschliessen.

Im vergangenen Geschäftsjahr haben Sie für 20 Mio. CHF Ihre Hypothekarkredite erhöht, gleichzeitig aber auch 14.5 Mio. CHF an Aktionäre und PS-Inhaber ausgeschüttet. Warum haben Sie nicht auf die Ausschüttung verzichtet und weniger Fremdkapital aufgenommen?

Nicole Loeb: Über die Rückzahlung von einem Teil unseres Eigenkapitals an die Aktionäre wurde bereits 2017 im Verwaltungsrat entschieden. Wegen der hohen Investitionen in Bern und Biel haben wir diese erst aufgeschoben, bis der Umbau in Bern abgeschlossen war. Angesichts der niedrigen Zinsen und unserer soliden Bilanz können wir uns eine höhere Verschuldung auch erlauben. Die Eigenkapitalquote liegt immer noch bei 62,5% und die Nettoverschuldung bei etwas mehr als 20 Mio. CHF.

Sie hätten auch Wertschriften verkaufen können, statt eine Hypothek aufzunehmen. Der Wertschriftenbestand war Ende 2020 mit 31.5 Mio. CHF gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.

Franz Wittwer: Auch das wurde besprochen. Allerdings gehen wir davon aus, dass die Rendite auf unserem Wertschriftenportfolio derzeit höher ist als die Zinsen für die Hypothek. Wenn wir wieder zur Normalität zurückkehren, werden wir die Hypothek aus den freien Cashflows in wenigen Jahren amortisieren können.

Sie werden in diesem Jahr den Umbau von Thun abschliessen. Welche nächsten Investitionsprojekte haben Sie geplant?

Nicole Loeb: Wir haben einige Projekte in der Pipeline, können aber derzeit noch nicht darüber sprechen.

In der Vergangenheit haben Sie immer wieder angedeutet, dass Sie mit der Imlo Immobilien AG auch weitere Renditeimmobilien erwerben möchten, die Preise allerdings zu hoch seien. Hat sich dies mit der Corona-Krise geändert?

Wenn wir Opportunitäten sehen, werden wir sie wahrnehmen. Ausserdem haben wir mit Thomas Graf einen Immobilienexperten in den Verwaltungsrat gewählt. Dies ist ein klares Signal, dass wir weitere Chancen für unsere Immobilien sehen. Dazu gehört auch die Optimierung unseres Immobilienbestandes.

Im letzten Jahr konnten Sie die Kapitalrückführung trotz der Pandemie abschliessen. Sind weitere derartige Schritte geplant?

Nein, derzeit sind keine solchen Massnahmen geplant.

Wie sieht Ihr Budget für 2021 aus, und wird am Ende wieder eine Ausschüttung möglich sein?

Dies hängt natürlich von der weiteren epidemiologischen Lage ab. Aber wenn sich die Fortschritte bei den Impfungen fortsetzen und wir im Sommer zu einer Normalität zurückkehren, sind wir für das laufende Jahr zuversichtlich. Wir haben viele Massnahmen geplant, die wir noch nicht umsetzen konnten. Ein wichtiges Ereignis wird sicherlich auch die Vermietung unseres Tiefgeschosses an Lidl ab Herbst sein. Dies wird uns weitere Frequenzen bringen.

Franz Witter: Zur Dividende können wir natürlich noch nichts sagen; allerdings verfolgen wir eine kontinuierliche Dividendenpolitik. Wegen des hohen Verlusts mussten wir in diesem Jahr auf eine Ausschüttung verzichten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Der Kurs des PS der Loeb Holding hat sich trotz der hohen Verluste und Unsicherheiten als Folge der Corona-Pandemie bisher recht stabil gehalten. Chart: www.otc-x.ch

Die Namenaktien-B und die PS der Loeb Holding AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 242 CHF (NA-B) bzw. 210 CHF (PS) für einen Titel bezahlt. Die Namenaktien-A werden nicht gehandelt und befinden sich im Besitz von Nicole Loeb, die so 79.33% der Stimmrechte hält.

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