Stefan Schulthess, SGV: «Wir sind per Ende Mai ergebnismässig auf Kurs»

Zurzeit keine Notwendigkeit einer Strategieänderung

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Stefan Schulthess, CEO der SGV Holding AG in Luzern. Bild: zvg

Vergangene Woche veröffentlichte schweizeraktien.net einen Artikel über das Jahresergebnis 2020 der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee. Im Nachgang haben wir mit Stefan Schulthess, CEO der SGV, ein Kurzinterview geführt.

Darin äussert sich Schulthess zum Geschäftsgang in den ersten fünf Monaten diesen Jahres, verdeutlicht die Kritik gegenüber Luzerner Stadtrat und Parlament und deren neue «Vision Tourismus Luzern 2030» und erläutert, warum er zurzeit keine Notwendigkeit einer Strategieänderung sieht.

Herr Schulthess, wie sieht Ihre Bilanz der ersten fünf Monate 2021 aus?

Umsatzmässig infolge Lockdown in der Gastronomie natürlich dramatisch schlecht für die Tavolago. Auch die Schifffahrt der SGV liegt nach 5 Monaten hinsichtlich Personenfrequenzen und Erträgen bereits hinter Budget. Dank Kosteneinsparungen und Kurzarbeits-Entschädigungen für einen Teil des Personals sind wir jedoch ergebnismässig per Ende Mai auf Kurs. Shiptec ist dank vollen Auftragsbüchern erwartungsgemäss umsatz- und ergebnismässig sehr gut unterwegs per Ende Mai 2021.

Ihr VRP und auch Sie üben deutliche Kritik an der Luzerner Politik. Können Sie konkretisieren, warum die politischen Massnahmen in die falsche Richtung gehen und was es vonseiten der Politik jetzt braucht, um den (internationalen) Tourismus in Luzern wieder anzukurbeln?

Bei der von uns geäusserten Kritik zielen wir auf die geplante neue «Vision Tourismus Luzern 2030» von Stadtrat und Parlament. Wir und alle anderen Tourismusakteure in Luzern wollen nach den Erfahrungen der letzten Jahre keinen Overtourismus und möchten, dass die touristische Entwicklung in Luzern nachhaltig erfolgt und auch von der Bevölkerung mitgetragen wird. Die geplante Vision schliesst aber beispielsweise Wachstum jeder Art aus und sieht Gäste «als zu begrenzende Belastung». Es ist für uns auch nicht nachvollziehbar, dass ökonomische Aspekte der Tourismusbranche und die Erfahrung der Tourismusakteure bei der Erstellung der «Tourismusvision 2030» fast vollständig ausser Acht gelassen wurden und die Entwicklungsfähigkeit der Luzerner Tourismusbranche grundsätzlich in Frage gestellt wird. Dies ist unseres Erachtens keine vertrauensfördernde Basis zwischen Politik und Tourismuswirtschaft, welche mehrere tausend Arbeitsplätze in und rund um Luzern generiert.

Die Pandemie hat die Verwundbarkeit des weltweiten Tourismus deutlich vor Augen geführt. Welche Massnahmen leiten Sie daraus ab? Gibt es Überlegungen, z.B. verstärkt in einen Bereich wie die Shiptech zu investieren?

Wir kennen die langfristigen Auswirkungen der Covid-19-Krise – insbesondere das zukünftige Konsum- und Reiseverhalten der in- und ausländischen Gäste – noch nicht genau. Strategische Entscheidungen möchten wir darum nicht überhastet treffen und erst dann, wenn wieder eine gewisse Normalität eingekehrt ist. Die drei Unternehmen SGV, Tavolago und Shiptec können und sollen sich je nach Marktchancen individuell entwickeln.  Im Moment planen wir weder einen Ausstieg aus dem Tourismusbereich noch zusätzliche und neue Investitionen zugunsten der Shiptec, die wir nicht bereits kommuniziert hätten.

Die weitere Entwicklung mit und nach der Pandemie bleibt unsicher. Wie machen Sie sich und Ihren Mitarbeitenden Mut, diese schwierige Phase der Ungewissheit positiv zu überstehen?

Auch wenn die Entwicklung im Tourismus zurzeit tatsächlich noch unsicher ist, wird Reisen und Freizeit auch nach der Pandemie ein grosses Bedürfnis der Menschen bleiben und die Tourismusdestination Luzern – Vierwaldstättersee ihre Attraktivität behalten, auch wenn gewisse Änderungen im Reiseverhalten zu erwarten sind. In dem Sinne haben wir den Mut bezüglich Zukunft gar nie verloren. Finanziell anspruchsvoll ist lediglich die «Überbrückung» der Phase, bis wieder eine gewisse Normalität herrscht.

Herr Schulthess, ich danke Ihnen für dieses kurze Gespräch. 

Die Aktie der SGV Holding wird über OTC-X gehandelt und kostete zuletzt 240 CHF.  

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