SLB & Regiobank Solothurn: Diversifikation der Erträge lindert den Zinsmargendruck

Gewinnsteigerungen im ersten Semester 2021 dank zinsindifferentem Geschäft

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Schweizer Regionalbanken legen ihren Fokus vermehrt auf eine breitere Verteilung ihrer Erträge. Denn in der bisherigen Haupteinnahmequelle – dem Zinsdifferenzgeschäft – überträgt sich das nach wie vor steigende Kreditvolumen wegen den anhaltenden Tiefzinsen und sinkenden Zinsmargen nicht gesamthaft in die Erfolgsrechnung. Für eine positive Entwicklung der Zinserträge sind starke Volumenerhöhungen nötig. Dieser Trend scheint sich auch 2021 fortzusetzen, wie die Halbjahresabschlüsse der Regiobank Solothurn und der Spar- und Leihkasse Bucheggberg (SLB) zeigen. Bei beiden solothurnischen Regionalbanken nahm der Anteil des Zinsgeschäfts am gesamten Betriebsertrag ab.

Regiobank Solothurn steigert Gewinn dank besserer Börsenlage

Die Regiobank Solothurn verzeichnete im ersten Semester 2021 ein Wachstum der Bilanzsumme um 2,1% auf 3.2 Mrd. CHF. Die Kundengelder legten um 1,0% auf 2.3 Mrd. zu, während die vergebenen Hypotheken und Kredite um 1,3% auf 2.5 Mrd. stiegen. Dabei stellte die Regiobank zu Beginn des Jahres vor allem bei den Firmenkunden eine gewisse Zurückhaltung fest, welche sich gegen Semesterende vermehrt in Zuversicht und neue Investitionen wandelte.

Mit einem Zinserfolg von 16.3 Mio. CHF übertraf die Regiobank den Wert aus der Vorjahresperiode um 1,5%. Leicht rückläufig präsentierte sich dafür der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, welcher sich mit 2.7 Mio. um rund 5,3% unter Vorjahresniveau hielt. Ein massiv verbessertes Ergebnis verzeichnete die Regiobank dafür im Handelsgeschäft. Nach einem Verlust in der Vorjahresperiode aufgrund einer Wertkorrektur im Zusammenhang mit den fallenden Börsenkursen erwirtschaftete die Regiobank im ersten Semester 2021 einen Erfolg aus dem Handelsgeschäft von 0.9 Mio. CHF. Dadurch reduzierte sich der Anteil des Zinsengeschäfts am Betriebsertrag von 83% auf 80%.

Abzüglich des nur moderat angestiegenen Geschäftsaufwandes resultierte im ersten Halbjahr ein erfreulicher Geschäftserfolg von 8.0 Mio. (+9,1%). Nach der Zuweisung an die Reserven für allgemeine Bankrisiken und abzüglich Steuern verbleibt ein Halbjahresgewinn von 4.0 Mio. (+8,6%).

Immobilien als neue Ertragsquelle der SLB

Genau wie die Regiobank Solothurn setzte auch die SLB ihren Wachstumstrend der Vorjahre im ersten Semester 2021 fort. Die Kundenausleihungen stiegen um 2,5% auf 591 Mio., die Kundengelder um 4,0% auf 598 Mio. und die Bilanzsumme um 3,2% auf 777 Mio. CHF. Bemerkenswert ist der Kundendeckungsgrad mit mittlerweile 101%. Trotz Tiefzinsniveau vertrauen die Kunden der SLB mehr Mittel an als sie bei ihr Kredite aufnehmen.

Auffällig ist auch, dass trotz des Volumenanstiegs gegenüber Jahresende und gegenüber des ersten Semesters 2020 der Erfolg aus dem Zinsengeschäft mit 4.0 Mio. CHF um rund 4,5% unter dem Wert der Vorjahresperiode liegt. Die anhaltend tiefen Marktzinssätze führten gemäss der SLB zu einer weiteren Erosion der Zinsmarge. Auch der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft war mit 0.5 Mio. (-1,2%) leicht rückläufig. Eine starke Zunahme verzeichnete die in Lüterswil domizilierte Bank dafür im übrigen ordentlichen Erfolg. Dieser stieg dank einer beinahe Verdoppelung des Liegenschaftserfolges auf 0.2 Mio. (+180%).

So baut die SLB denn auch aktiv ihr Immobilienportfolio aus. Der verbesserte Liegenschaftsertrag im ersten Semester ist auf das Mitte 2020 erstmals vermietete neue Mehrfamilienhaus in Orpund zurückzuführen. Anfang dieses Jahres wurde zudem ein weiteres Mehrfamilienhaus in Bettlach gekauft. Noch bleibt das Zinsengeschäft mit einem Anteil von 84% (Vorjahr 87%) unbestrittene Hauptertragsquelle, doch dürften gerade die Liegenschaftserträge durch den Ausbau des Immobilienportfolios weiter an Bedeutung gewinnen.

Leicht reduzieren konnte die SLB ihren Geschäftsaufwand auf 2.4 Mio. CHF (-3,4%). So konnte unter dem Strich mit einem Geschäftserfolg von 1.7 Mio. (+1,3%) und einem Halbjahresgewinn von 0.6 Mio (+8,4%) ein positives Ergebnis erzielt werden.

Fazit

Sowohl die Regiobank Solothurn als auch die SLB vermochten im ersten Semester 2021 ihren Wachstumstrend fortzusetzen und den Gewinn zu steigern. Durch die anhaltend tiefen Zinsmargen sind aber beide Institute auf starkes Volumenwachstum im Kreditgeschäft und eine breitere Diversifikation der Erträge angewiesen, um diese Entwicklung fortsetzen zu können. Dabei stehen sie nicht alleine da. Eine im Juni durchgeführte Umfrage unter regional tätigen Banken zeigte auf, dass die tiefen Zinsmargen generell als grösste Herausforderung angesehen werden und Wachstum deshalb prioritär durch eine stärkere Diversifikation der Erträge angestrebt wird.

Ein gern ergriffenes Mittel ist dabei wie bei der SLB eine Stärkung der Liegenschaftserträge. So setzt beispielsweise auch die BBO Bank Brienz Oberhasli vermehrt auf Renditeliegenschaften. Die BBO Bank zeigte im Zuge der Renovierung der Geschäftsstellen in Brienz und Meiringen vor einigen Jahren zudem eine weitere Möglichkeit auf. So wurde ein Teil der Liegenschaften zu Mietwohnungen umgenutzt. In Zeiten von zunehmendem eBanking eine attraktive Alternative zur Nutzung der Liegenschaften. Banken verringern zunehmend ihre physische Präsenz und schliessen Geschäftsstellen, um Kosten einzusparen. Eine Umwandlung in Mietobjekte anstelle eines Verkaufs würde zusätzlich die Diversifikation der Erträge unterstützen.

Andere Banken setzen auf eine Ausweitung des Beratungsgeschäfts. Die Regiobank Solothurn versucht dies durch ihre online-Vermögensverwaltung «regioinvest», welche insbesondere auch Kleininvestoren den Einstieg ins Anlagegeschäft erleichtern soll. Eine Vorreiterin in Sachen Ertrags-Diversifikation unter den Regionalbanken ist die Ostschweizer acrevis Bank, bei welcher das Zinsengeschäft 2020 noch 59% der Erträge ausmachte. Auch sie stützt sich dabei vor allem auf das Beratungsgeschäft. Von solchen Werten sind die Regiobank Solothurn und die SLB noch weit entfernt, auch wenn erste Bemühungen erkennbar sind. Eine signifikante Entspannung der Zinssituation ist noch nicht in Sicht, weshalb eine Diversifikation sicherlich sinnvoll ist.

Die Kursverläufe der Regiobank Solothurn (schwarz) und der SLB (grün) sorgten in den letzten drei Jahren für keine Freudensprünge bei den Aktionären. Seit der Corona-Krise zeigen sie aber steigende Tendenz. Chart: money-net.ch

Die Aktien der Regiobank Solothurn und der SLB werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Die Titel der Regiobank Solothurn hielten zuletzt bei 910 CHF, nachdem im Juni ein Aktiensplit 1:5 durchgeführt worden war. Durch den Split will die Regiobank ihr Aktionariat verbreitern. Mit einer Dividendenrendite von 1,8% und einem Abschlag von knapp 10% auf den Buchwert des Eigenkapitals bietet die Aktie zumindest Investoren mit regionalem Bezug eine interessante Anlagemöglichkeit. Die Titel der SLB wurden zuletzt für 5‘900 CHF gehandelt. Die Dividendenrendite von 1,4% ist wenig spektakulär, dafür sind sie auf dem aktuellen Kursniveau aber mit einem Abschlag von 46% vom Buchwert bewertet. Mit den zu erwartenden zunehmenden Liegenschaftserträgen könnte hier nach Jahren der Seitwärtsbewegung längerfristig Kurspotenzial bestehen.

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