WWZ: Zuger Energieunternehmen weiter im Investitionsmodus

20 Mio. CHF Konzerngewinn im 1. Semester 2021

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Der regionale Versorger WWZ deckt mit seinen Leistungen im Bereich Energie- und Telekomversorgung für den Wirtschaftsraum Zug ein sehr breites Spektrum ab. In den letzten vier Jahren investierte WWZ kräftig in den Ausbau der Fernwärme. Dieser ist noch lange nicht abgeschlossen. Um die Investitionen im Umfang von rund 200 Mio. CHF finanzieren zu können, hat das Unternehmen nun eine Anleihe über 100 Mio. CHF begeben.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres erhöhte die WWZ Gruppe ihr betriebliches Ergebnis (EBIT) um 4,5% auf 17.4 Mio. CHF. Dank eines hohen Finanzertrages von 5.3 Mio. CHF gelang es, den Konzerngewinn auf 20 Mio. CHF (+ 47,6%) zu erhöhen. Wie das Unternehmen in einer Aktionärsinformation zum Halbjahresergebnis schreibt, wird für das 2. Halbjahr ein schwächeres Ergebnis erwartet. Höhere Beschaffungspreise für Strom und Erdgas, der intensive Wettbewerb im Telekommarkt und die hohen Investitionen in den Fernwärmebereich würden das Ergebnis belasten.

Starkes Umsatzplus im Fernwärmegeschäft

Auf den ersten Blick sieht die Umsatzentwicklung von Januar bis Juni 2021 mit einem Plus von 5,8% auf 120.5 Mio. CHF sehr erfreulich aus. Der Nettoerlös aus dem Stromverkauf stieg um 10%, während der Nettoerlös im Segment Telekom stagnierte. Im Wärmegeschäft profitiert das Unternehmen von den Investitionen der letzten Jahre in das Fernwärmenetz. Der Nettoerlös erhöhte sich um 46% auf 3.3 Mio. CHF, während mit dem Verkauf von Erdgas mit 17.2 Mio. CHF etwas weniger als im Vorjahr umgesetzt werden konnte.

Auf der Kostenseite fallen vor allem die höheren Beschaffungskosten (+7,0%) und die höheren Abschreibungen (+ 10,6%) ins Gewicht. Letztere stehen im Zusammenhang mit dem Fernwärmeprojekt Circulago. Hier sind die Energiezentralen Metalli, Lüssi und Grafenau bereits in Betrieb. Positiv wirkte sich der höhere Finanzertrag aus. Dieser sei aufgrund der guten Entwicklung der Kapitalmärkte sehr hoch gewesen, schreibt die WWZ Gruppe in ihrer Medienmitteilung. Der Wertschriftenbestand (per Dezember 2020) lag bei rund 47 Mio. CHF.

Zwei Grossprojekte für Fernwärme
Am Ufer des Zugersees steht die Seewasserzentrale. Bild: wwz.ch

Im April 2020 wurde die erste Etappe des Energieverbunds Circulago in Betrieb genommen, der weite Teile der Stadt Zug und von Baar-Süd mit Energie versorgt, die aus dem Zugersee gewonnen wird. Mittlerweile ist der Baustart für das zweite Projekt, den Wärmeverbund Ennetsee, erfolgt. Dieser soll das Gebiet Rotkreuz-Hünenberg-Cham mit C02-freier Abwärme aus der Kehrrichtverbrennungsanlage Renergia versorgen. «Erste Kundinnen und Kunden werden voraussichtlich Ende 2022 beliefert», so die WWZ AG. Das Investitionsvolumen der zwei Projekte liegt nach Angaben des Unternehmens im Endausbau bei über 200 Mio. CHF. Jährlich würden 37’000 Tonnen C02 eingespart, heisst es weiter. Um die Investitionen finanzieren zu können, hat die WWZ AG Anfang September eine Anleihe über 100 Mio. CHF mit einem Coupon von 0,20% und einer Laufzeit von 12 Jahren begeben. Die Anleihe wird ab den 28. September an der SIX kotiert und verfügt über ein AA-Rating.

Investitionen und geringere Marge belasten

Für das 2. Halbjahr 2021 kündigte die WWZ Gruppe schon jetzt ein schwächeres Ergebnis an. Zum einen habe die Gruppe im 1. Halbjahr von der kühlen Witterung profitiert. Zum anderen seien die Beschaffungspreise für Strom- und Erdgas im Verlauf von 2021 stark gestiegen, was die Bruttomarge belaste. Aus diesem Grund erhöhte das Unternehmen bereits die Strompreise für die Endkunden in 2022. Weiterhin würden auch höhere Abschreibungen die Erfolgsrechnung belasten, so die WWZ Gruppe.

Fazit

Die WWZ AG befindet sich in einer Phase der Transformation, in der sie Energie aus fossilen Brennstoffen durch C02-ärmere Energie aus Fernwärme ersetzen will. Die Investitionen sind mit rund 200 Mio. CHF beträchtlich. Andererseits reagiert das Unternehmen damit auf das politische Umfeld, das eine Klimaneutralität der Schweiz bis 2050 vorsieht. Die nun gewählte Form der Finanzierung mit einer Anleihe über 12 Jahre mit einem Coupon von 0,20% scheint klug gewählt. Denn der Zinsaufwand fällt angesichts des niedrigen Coupons mit 200’000 CHF pro Jahr fast schon vernachlässigbar aus; vielmehr könnten auf das Kapital Negativzinsen anfallen, bis der gesamte Betrag investiert wurde. Positiv zu werten ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Wertschriften nicht zwingend verkauft werden müssen, um die Fernwärmeprojekte zu finanzieren. Immerhin haben diese in den letzten Jahren immer wieder einen schönen Ergebnisbeitrag geliefert. Auch die Eigenkapitalquote von bisher 86%, WWZ hatte bisher keine nennenswerten Finanzschulden, wird nach Emission der Anleihe im Bereich von rund 70% liegen und somit weiterhin sehr solide sein.

Seit dem Aktiensplit im Mai 2021 hat sich der Kurs der WWZ-Aktie nicht erholt. Chart: otc-x.ch

Seit dem Aktiensplit im Mai 2021 ist der Aktienkurs der WWZ-Aktie leicht rückläufig. Auf diese Entwicklung hatten wir in unserem Beitrag vom 7. April hingewiesen. Für das Gesamtjahr 2021 ist mit einem gegenüber 2020 rückläufigen Ergebnis zu rechnen. 2020 erzielte WWZ einen Konzerngewinn von knapp 39 Mio. CHF. Bei Kursen um die 1’366 CHF und einem geschätzten Gewinn je Aktie von 56 CHF (nach Minderheiten) beträgt das KGV eher hohe 24. Sofern sich an der Dividendenpolitik nichts ändert und die Ausschüttung weiterhin bei 33 CHF je Aktie liegt, beträgt die Dividendenrendite 2,4%: Dies ist angesichts des Tiefzinsumfelds akzeptabel. Grössere Kurssprünge dürfte die WWZ-Aktie in den kommenden Jahren angesichts der grossen Investitionen eher nicht machen. Dennoch ist der Titel mit einem Abschlag von über 20% auf den Buchwert von 1’779 CHF je Aktie (per Ende Dezember 2020) gerade für Value Investoren weiterhin interessant.

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