Schilthornbahn: Vergangenheit abgehakt, Zukunft mit Grossinvestition und ein paar Fragezeichen

Baubeginn für das Projekt Schilthornbahn 20XX noch in diesem Sommer

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Die mit 160% steilste Luftseilbahn der Welt zwischen Stechelberg und Mürren soll Ende 2024 eröffnet werden. Visualisierung: Video Schilthorn.ch

Ein weiteres schwieriges Geschäftsjahr mit Verlusten musste die Schilthornbahn AG  2021 verzeichnen. Wenn man das vergangene Geschäftsjahr mit der Vor-Corona-Zeit vergleicht, wird das ganze Ausmass der Härte deutlich, das die Bergbahnbetreiber im Berner Oberland durch die Pandemie getroffen hat. So lag der Gesamtertrag des Unternehmens 2021 bei 18 Mio. CHF, 2019, im letzten Geschäftsjahr vor Corona, wurden noch 30.7 Mio. CHF eingenommen. Die Luftseilbahn Stechelberg – Gimmelwald – Mürren, der Hauptertragspfeiler, war mit einem weiteren Rückgang der Frequenzen gegenüber dem Vorjahr um -3,5% auf 1,7 Mio. konfrontiert, vor der Pandemie 2019 lag die Frequenz der Fahrten noch bei 3.7 Mio.

Startschuss für Baubeginn Schilthornbahn 20XX am 17. Juni

Aber, und das macht der Geschäftsbericht deutlich, der Blick der Macher um CEO Christoph Egger und VRP Johannes Stöckli geht in die Zukunft. Die Wunden durch den Corona mögen tief sein, die Verheissungen auf ein besseres Morgen aber umso rosiger. Denn am 10. Dezember 2021 fällte der Verwaltungsrat die wegweisende Entscheidung, mit dem Bau des Projekts Schilthornbahn 20XX trotz pandemiebedingter Unsicherheiten noch in diesem Jahr zu beginnen. Am Tag der GV am 17. Juni 2022 soll der Startschuss für die Bauarbeiten fallen.

Christoph Egger gegenüber schweizeraktien.net: «Tatsächlich gibt es zu den vergangenen 2 Jahren nichts mehr zu sagen, wir alle haben die Pandemie und ihre Folgen erlebt und haben genug davon. Das Leben geht jetzt endlich weiter! Die Zukunft mit dem Neubauprojekt Schilthornbahn 20XX sowie den zahlreichen positiven Signalen aus den Reisemärkten – mit Ausnahme China – stimmt uns zuversichtlich. Es ist Zeit, die Vergangenheit hinter uns zu lassen.»

Das Projekt Schilthorn 20XX stellt mit einem Bauvolumen von 90 Mio. CHF die grösste Investition in der Unternehmensgeschichte dar. Dabei wird die Schilthornbahn etappenweise entlang der Strecke Stechelberg-Mürren-Birg-Schilthorn Piz Gloria erneuert, um Kapazitäten zu erhöhen und die Bahn auf den neusten Stand der Technik zu bringen. Planmässig sollte das Grossprojekt 2026 abgeschlossen sein.

Bereits an Weihnachten 2024 werde die neue Pendelbahn Stechelberg – Mürren, die nach Angaben des Unternehmens mit 160% Steigung steilste Luftseilbahn der Welt, in Betrieb gehen, ebenso eine Spur der neuen Funifor, so Egger. «Auf die Wintersaison 2024/2025 werden wir also die volle Zubringer-Leistung für das Skigebiet bereits erreichen können. Das Schilthorn – Piz Gloria wird im Frühjahr 2025 mit der ersten Spur der Funifor-Bahn erreicht», erläutert er die weitere Planung.

Konsequentes Festhalten am Businessplan

Finanziert werden soll der Bau einerseits durch eine bereits erfolgreich getätigte Kapitalerhöhung und durch Kreditaufnahmen, andererseits auch durch Zuweisungen aus den laufenden Cashflows. Die Kreditaufnahme macht sich bereits in der Bilanz bemerkbar. Das Fremdkapital stieg gegenüber dem Vorjahr um 7.2. Mio. auf 24.3 Mio. CHF an. Entsprechend sank die Eigenkapitalquote der Gesellschaft auf 45%.

Egger sieht dies gelassen. Die Schilthornbahn halte sich konsequent an den Businessplan für das Neubauprojekt. Einzelne Werte würden vorübergehend aus dem gewohnten Rahmen fallen, was aber bewusst in Kauf genommen werde. «In der Vergangenheit wurden EK-Quoten von deutlich über 60% als konservativ und ambitionslos kommentiert. Entsprechend erschrecken wir jetzt auch nicht, wenn diese Quote temporär tiefer liegen wird», so Egger gegenüber schweizeraktien.net.

Mit den Zuweisungen aus den aktuellen Cashflows muss Egger auf die Zukunft hoffen, denn 2021 wurde wiederum ein Verlust ausgewiesen, der nur deswegen nicht bedeutend höher ausfiel, weil das Unternehmen Härtefallgelder in Höhe von 3.88 Mio. CHF erhielt. Unter dem Strich weist das Unternehmen einen Verlust von 764’000 CHF und einen Free Cashflow von -679’000 CHF aus.

Ausblick

2022 und die folgenden Jahre werden zweifellos von der Umsetzung des Grossprojekts Schilthornbahn 20XX geprägt sein, so der Geschäftsbericht. Weitere Projekte würden aber parallel dazu angegangen, um die Attraktivität und Betriebssicherheit in Ausflugsverkehr und Wintersport nachhaltig zu stärken.

Hilfreich auch mit Blick auf die finanzielle Situation ist, dass die Wintersaison nach Aussage von Christoph Egger sehr erfolgreich verlaufen ist. Man habe das Vor-Pandemie-Niveau wieder erreicht. «Für den Sommer stehen die Vorzeichen gut: Gäste aus den USA, den Golfstaaten sowie aus den grossen Ländern Asiens reisen wieder intensiv. Einzig die Gäste aus China werden in diesem Sommer noch nicht reisen können», sagt Egger. Das nähre die Hoffnung, dass eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen möglich sei.

Fazit

Bei unserem letzten Gespräch mit Christoph Egger fragten wir ihn, welcher James-Bond-Titel seiner Gemütslage am nächsten käme. «Der Morgen stirbt nie», so seine Antwort. Das könnte man schon fast als Motto unter die Zukunft der Schilthornbahn setzen, wo grosse Finanzierungsaufgaben in den nächsten Jahren auf das Unternehmen zukommen.

Dass die Bauarbeiten wie geplant in diesem Jahr beginnen, ist ein gewichtiges Statement für die Zukunftsstrategie der Schilthornbahn. Aber natürlich sind damit auch Risiken verbunden: Wie wird sich eine veränderte Zinssituation bei der Aufnahme von Fremdkapital auswirken? Werden weitere Kapitalerhöhungen notwendig sein? Gehören Betriebsunterbrüche wie in den vergangenen zwei Jahren nun der Vergangenheit an?

Es gibt also viele Fragen rund um das ambitionierte Projekt Schilthornbahn 20XX, die erst die Zukunft beantwortet werden dürften.

Notiert nach wie vor auf einem 3-Jahrestief: die Aktie der Schilthornbahn AG. Chart: www.otc-x.ch

Die Aktie der Schilthornbahn wird auf OTC-X gehandelt und kostete zuletzt 1’400 CHF.

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