Bank Linth: Auf dem Weg zur «Regionalbank plus»

11.7% höherer Semestergewinn dank Kosteneffizienz

0
674
David Sarasin, CEO der Bank Linth, sieht das Finanzinstitut künftig als «Regionalbank plus». Bild: zvg

Viel hat sich noch nicht geändert, seitdem die LLB Gruppe die im Publikum befindlichen 25,1% Aktien der Bank Linth AG übernommen hat. Auch das traditionelle Sommermediengespräch mit der Geschäftsleitung wurde wie üblich durchgeführt. Dabei befanden sich nach Ende der Übernahmefrist am 24. Mai 2022 bereist 99,9% der Bank-Linth-Aktien im Besitz der LLB. Bank-Linth-CEO David Sarasin zeigte sich über den Erfolg des Angebotes erfreut. In der Geschäftsleitung habe man mit einer geringeren Andienungsquote gerechnet, so Sarasin. Erfreulich sei auch, dass eine grössere Anzahl der Aktionäre den Teilumtausch gewählt hätten, also auch künftig als Aktionäre der LLB dem Unternehmen verbunden bleiben. Spätestens bis zum Jahresende sollen die Bank-Linth-Aktien nun kraftlos erklärt, die Kotierung an der SIX beendet werden. Doch den Kontakt zu Medien und (ehemaligen) Aktionären will die Bank auch in Zukunft aufrechterhalten. Dies zumindest stellte Sarasin an dem Mediengespräch klar. Statt der beliebten Generalversammlung mit Kalberwurst sind nun Kundenanlässe geplant: «Es ist uns wichtig, weiterhin den Austausch mit Aktionären und Kunden zu pflegen», betont auch Luc Schuurmans, der stv. CEO der Regionalbank.

Arbeit am «Beratungscenter der Zukunft»

Doch was wird sich konkret durch die Vollübernahme ändern? Klar wurde in dem Gespräch, dass sehr viel Wert auf die Wurzeln als regional tätige Bank gelegt wird. Doch klar wurde auch, dass sich die Nähe nicht mehr zwingend in Form von Bankfilialen zeigen wird. Hier setzt die Bank zwar weiter auf persönliche Beratung. Diese kann jedoch online, per Telefon oder beim Kunden direkt stattfinden. Hier arbeitet die Bank Linth gemeinsam mit der Muttergesellschaft in Liechtenstein an einem «Beratungscenter der Zukunft». Im Mittelpunkt stehe dabei das hohe Kompetenzniveau der Kundenberater, so Luc Schuurmans. Die Dienstleistungen für den Kunden sollen ortsunabhängig, in einem Zusammenspiel aus telefonischer und persönlichen Beratung und mit Technologieunterstützung erfolgen. Dabei kann die Bank Linth schon heute auf die Expertise der Muttergesellschaft zurückgreifen, beispielsweise auf das digitale Transformationsprogramm LLB.ONE oder nachhaltige Anlagelösungen. Insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit passt sich die Regionalbank der Strategie der LLB Gruppe nun an.

Gesamte Deutschschweiz im Visier

Doch das ist nur eines der Themen, die gemeinsam mit der LLB entwickelt werden. Wie David Sarasin an dem Gespräch erläuterte, hat die Muttergesellschaft in Zukunft den «Markt Schweiz», vor allem die Deutschschweiz, im Visier. Was genau damit gemeint ist, liess Sarasin noch offen. Es stelle sich die Frage, wo und wie die Bank Linth Mehrwert für Schweizer Privat- und Firmenkunden schaffen könne. Sarasin bezeichnete dabei das Geschäftsmodell als «Regionalbank plus». Schon heute ist die Bank im Kreditgeschäft schweizweit tätig. Mit Unterstützung aus Liechtenstein wird es möglich sein, beispielsweise mehr Konsortialkredite zu vergeben. Auch ist es möglich, dass die regionale Präsenz weiter ausgebaut wird. Mit dem Markteintritt in die stark wachsende Region Winterthur und den Thurgau hat die Bank in den letzten Jahren nach Angaben von Sarasin bereits gute Erfahrungen gemacht.

Semesterabschluss durchwachsen

Der Semesterabschluss für das 1. Halbjahr 2022 zeigt allerdings, dass das Wachstum in diesem Jahr im Gegensatz zu anderen Regionalbanken weniger dynamisch war. So lag der Geschäftsertrag in diesem Zeitraum mit 44.7 Mio. CHF um 6,3% unter der Vorjahresperiode. Im wichtigen Zinsengeschäft sank der Netto-Zinserfolg mit 29.5 Mio. CHF um 11,4%. Als Grund für den Rückgang nennt die Bank Linth neu gebildete ausfallrisikobedingte Wertberichtigungen in Höhe von 2.8 Mio. CHF. Einen konkreten Anlass habe es zwar nicht gegeben, so Finanzchef Martin Kaindl. Auch sei das Preiswachstum im regionalen Immobilienmarkt intakt. Doch die Bank blickt «mit Respekt und Sorgfalt» auf die künftige Entwicklung des Kreditgeschäfts. Die Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft lagen hingegen trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten mit 10.6 Mio. CHF um 0,6% höher als im Vorjahr. Dank deutlich tieferer Kosten – der Gesamtaufwand reduzierte sich um 4,7% auf 26.5 Mio. CHF – und der Auflösung von Reserven für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 2 Mio. CHF gelang es, unter dem Strich einen Halbjahresgewinn von 15.7 Mio. CHF auszuweisen; dieser übertraf den Vorjahreswert um 11,7%. Das Kostenmanagement wird auch in Zukunft weiter im Fokus stehen. «Wir müssen die Effizienz in guten Zeiten erhöhen, um uns auf schwierige Zeiten vorzubereiten», so Sarasin.

Das Wachstum der Bilanz fiel mit plus 2,1% im 1. Halbjahr eher moderat aus. Mit einer Bilanzsumme von 8.8 Mrd. CHF bleibt die Bank Linth die grösste Regionalbank der Ostschweiz. Die Kundengelder nahmen gegenüber Ende 2021 um 1,2% auf 4.5 Mrd. CHF zu. Die Ausleihungen stiegen auf 6.6 Mrd. CHF. (+1.3%), wobei die Hypothekarforderungen mit plus 1,5% auf 6.4 Mrd. CHF den grössten Anteil ausmachten. In der Vermögensverwaltung betrug der Zufluss an Netto-Neugeldern 97 Mio. CHF. Das Kundenvermögen reduzierte sich hingegen um 6,9% auf 7.2 Mrd. CHF. Beim Ausblick auf die 2. Jahreshälfte verwies die Geschäftsleitung der Bank Linth auf die vielfältigen geopolitischen und konjunkturellen Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft nicht nur in der Schweiz steht.

Fazit

Die Vollübernahme der Bank Linth kam im Frühjahr zwar etwas überraschend. Schliesslich hatte die Geschäftsleitung immer wieder betont, wie wichtig doch die regionale Verankerung mit dem lokalen Aktionariat für das Finanzinstitut ist. Doch die Konditionen waren offenbar so attraktiv ausgestaltet, dass das Angebot von den Aktionären gerne angenommen wurde. Wir haben dies in einem früheren Beitrag bereist kommentiert.

Mit der LLB-Aktie sind die Anleger in diesem Jahr gut gefahren. Chart: moneynet.ch

Nun stellt sich die Frage, wie es mit der Bank Linth weitergeht. Klar ist, dass als erstes alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um durch die noch engere Anbindung an die LLB Gruppe Kosten zu sparen. Der Semesterabschluss gibt hier einen Vorgeschmack. Doch Sparen allein ist kein Business-Case. Also muss die Bank Linth nun im «Markt Schweiz» Wachstum generieren, ohne das Stammgeschäft als Regionalbank am oberen Zürichsee zu vernachlässigen. Gerade weil die Schweiz als «overbanked» gilt, müssen nun weisse Flecken identifiziert und für das Wachstum attraktive Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Chancen bietet dabei die Transformation im Banking. Denn dank digitaler Technologien lassen sich Finanzdienstleistungen anbieten, ohne vor Ort in teure Infrastruktur investieren zu müssen. Es wird spannend sein zu verfolgen, welchen Weg die LLB Gruppe mit der Bank Linth im «Markt Schweiz» einschlägt. Am Ende verfügt die LLB auch über ausreichend Finanzkraft, um bei einer allfälligen Konsolidierung des Schweizer Retailbankenmarkts eine wichtige Rolle spielen zu können.

Kommentar verfassen