Alwin Meyer, CEO Swisspeers: «Sinnvoller Mitteleinsatz zugunsten Schweizer KMU»

Bisher rund 600 Projekte mit 130 Mio. CHF Volumen finanziert

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Alwin Meyer Swisspeers
Alwin Meyer war für eine global tätige Softwarefirma mit dem Fokus auf das finanzielle Risikomanagement in Finanzinstituten tätig, bevor er 2015 zusammen mit Andreas Hug und Stefan Nägeli Swisspeers gründete. Alwin hat an der Universität St. Gallen Banking studiert. Bild : zvg

In den letzten fünf Jahren hat sich der Markt für Direktkredite auch in der Schweiz etabliert. Das Gesamtvolumen aller Kredite, die 2021 über Plattformen vermittelt wurden, lag gemäss dem Crowdfunding Monitor des IFZ bei 607 Mio. CHF. Einer der Pioniere ist die Winterthurer Swisspeers AG. Sie hat sich auf die Vermittlung von KMU-Krediten spezialisiert. Seit der Gründung im Jahr 2015 hat Swisspeers rund 600 Projekte finanziert, wie Co-Gründer und CEO Alwin Meyer im Interview mit schweizeaktien.net berichtet. Er spricht auch über die Folgen des veränderten Zinsumfelds für Peer-to-peer-Kredite, die Swisspeers-Community sowie die Art der Projekte, die bisher finanziert wurden.

Alwin Meyer ist Referent am Fundament-Event vom 2. März in Zug.

Alwin, 2022 war für die Finanzwelt ein turbulentes Jahr. Ukraine-Krieg, Inflation, Zinserhöhungen – wie hat Swisspeers das Jahr erlebt?

Ja allerdings! Nach der Pandemie waren wir alle anfangs 2022 optimistisch, und dann kommt gleich der nächste Hammer. Unsere Finanzierungen werden zu einem guten Teil für Wachstumsinvestitionen eingesetzt. Da hilft Verunsicherung nicht. Trotzdem sind wir beim Kreditvolumen auch 2022 schön gewachsen. Das Finanzierungsthema verlagerte sich vermehrt in Richtung Lagerfinanzierungen, Auftragsvorfinanzierungen und Nachfolgelösungen.

Welchen Einfluss hatten die rasch steigenden Zinsen auf euer Geschäftsmodell? Ist es schwieriger geworden, Investoren zu finden, weil es plötzlich wieder Anlagealternativen gibt?

Die steigenden Zinsen schlagen bei uns direkt durch. Wir passten unsere Zinsbänder zweimal nach oben an, zeitlich im Einklang mit den Zinserhöhungen der SNB. Wir orientieren uns dabei am 2-Jahres-CHF-Swapsatz. Dies aufgrund der kurzen Duration von nur 1.6 Jahren auf unserem Kreditportfolio. Die kurze Duration kommt zustande dank der monatlichen Amortisation unserer KMU-Kredite. Damit sind die festverzinslichen Darlehen auch in einem steigenden Zinsumfeld eine spannende Anlagemöglichkeit für Investoren, die im Schweizerfranken festverzinslichen Bereich attraktive Alternativen suchen.

Inwiefern hat Swisspeers in den Jahren bis 2021 vom TINA Trend – there is no alternative – profitiert? Für Anlagegelder gab es seit eurem Gründungsjahr 2016 bis 2021 faktisch keinen Zins mehr. Heute sieht es schon etwas anders aus.

Neben der attraktiven Rendite bei kurzer Laufzeit sind unsere Investoren auch stark «purpose driven». Wir befragten unsere Investoren nach den Gründen, warum sie bei uns investieren. Dabei stellen sie die Transparenz auf unserer Plattform und den sinnvollen Einsatz ihrer Mittel zugunsten der Schweizer KMU ins Zentrum ihrer Überlegungen.

«Wir machen eine unkorrelierte Anlageklasse, die bisher nicht investierbar war, zugänglich für Private und Institutionelle Investoren.»

Zudem machen wir eine unkorrelierte Anlageklasse, die bisher nicht investierbar war, zugänglich für Private und Institutionelle Investoren. So kann ich sagen, für alle, denen die Themen oben wichtig sind – there is no alternative!

Wo steht Swisspeers heute, d.h. wie viele Projekte habt ihr bisher finanziert und mit welchem Volumen?

Unsere Investoren haben bisher rund 600 KMU-Projekte finanziert mit einem Gesamtkreditvolumen von rund CHF 130 Mio. 2022 sind wir um 25% gewachsen gegenüber Vorjahr.

Wie gross ist die Ausfallrate bei euren Krediten? Entwickelt sich diese wie erwartet?

Das Gesamtportfolio weist eine Durchschnittsverzinsung von 5,6% auf. Die Durchschnittsverzinsung steigt kontinuierlich mit den steigenden Zinsen. Die Ausfallrate liegt relativ konstant bei rund 1,5%. Damit liegen wir innerhalb der Erwartungen für das Gesamtportfolio.

Aus welchen Sektoren kommen eure Kreditnehmer, und wo liegt die Durchschnittsgrösse für einen Firmenkredit?

Die Kredite flossen in über 30 Branchen. Den grössten Anteil haben Unternehmen aus der ICT-Branche mit ca. 12%. Der durchschnittliche Kreditbetrag liegt mittlerweile bei rund CHF 250’000.

Die Kredite von Swisspeers werden in sehr unterschiedlichen Branchen vergeben. Verwendet wurden sie vor allem für Wachstumsprojekte. Quelle: https://www.swisspeers.ch/investieren/statistiken 

2021 ist die Basellandschaftliche KB bei Swisspeers als strategische Investorin eingestiegen. Wie hat sich die Zusammenarbeit entwickelt?

Die BLKB beteiligte sich als strategische Investorin an swisspeers. Mit der Beteiligung unterstreicht die BLKB ihr Engagement, die KMU zu unterstützen und den Wirtschaftsstandort Schweiz zu stärken. Wir pflegen eine sehr enge Zusammenarbeit in drei Bereichen:

  1. Finanzierungen: Finanzierung von Unternehmen aus dem Marktgebiet der BLKB über die swisspeers Plattform.
  2. Investitionen: die Möglichkeit, transparente festverzinsliche Anlagen zu tätigen in Schweizer KMU-Kredite.
  3. Technologie: im Technologiebereich haben wir spannende Anknüpfungspunkte gefunden.

Mittlerweile habt ihr auf der Investorenseite eine eigene Community aufgebaut. Wie gross ist diese, und welche Erfahrungen habt ihr mit euren Investoren gemacht?

«Unsere Community besteht aus mehreren Tausend aktiven Privaten und einer Gruppe von knapp 100 institutionellen Investoren.»

Unsere Community besteht aus mehreren Tausend aktiven Privaten und einer Gruppe von knapp 100 institutionellen Investoren. Den Kern bilden rund 200 Miteigentümer, die via Aktien oder Partizipationskapital an unserem Unternehmen direkt beteiligt sind. Viele von ihnen sind als Fremdkapitalinvestoren bei uns auf der Plattform aktiv und promoten uns in ihren Netzwerken.

Welche Tools bietet ihr privaten und institutionellen Investoren an?

Private und institutionelle Investoren investieren direkt in Einzelkredite oder setzen unsere AutoInvest Funktion ein.

Bei der aktiven Selektion von Einzelkrediten steht dem Investor für die Entscheidungsfindung eine umfassende Dokumentation inklusive Unternehmenskennzahlen zur Verfügung. Über die AutoInvest-Funktion kann der Darlehensgeber seine Investitionspräferenzen definieren, und das System übernimmt automatisiert die Gebotsabgabe. Damit baut man sich schnell und bequem ein diversifiziertes festverzinsliches Portfolio nach eigenem Gusto auf.

Wie sieht die Kooperation mit Anbietern von Equity Crowdfunding aus? Bei Dilly Socks habt ihr ja als eine Art Investmentbank fungiert.

Wir führen vereinzelt Eigenkapitalrunden für late stage Start-ups durch. Unsere Investorencommunity schätzt es, ab und zu auch ein Eigenkapital-Investment in kleiner Stückelung tätigen zu können. Wir haben für Dilly Socks und Mr. Green eine Eigenkapitaltranche über unsere Plattform platziert. Aktuell läuft eine Kampagne für KITRO SA, ein Start-up im Bereich der Vermeidung von Foodwaste.

Was sind die nächsten Schritte, und wann werdet ihr profitabel arbeiten?

Wir sind als Unternehmen nach wie vor am «Überinvestieren», indem wir unsere Technologieplattform permanent weiter automatisieren und um weitere Finanzierungsformen erweitern. Wir bleiben damit unserer Mission treu, möglichst umfassende und einfache Finanzierungen für Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite soll es für unsere Investoren (und für uns in der Abwicklung) einfach und schnell funktionieren.

Eine persönliche Frage: Hast du selbst schon in Kredite auf eurer Plattform investiert, und welches waren deine Highlights?

Ja, ich habe von Anfang an selbst in KMU Kredite investiert. Und nicht nur ich! Rund 20% des Gesamtportfolios sind Anlagen von swisspeers Miteigentümern, die damit auch aktiv sind auf unserer Plattform. Wir nennen das «skin in the game».

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