Von Roll Holding: Familie von Finck steigt aus

Öffentliches Kaufangebot zu 0.86 CHF angekündigt

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Firmensitz der Von Roll in Breitenbach. Bild: vonroll.com

Nach einer langjährigen Konsolidierungsphase hat die Industriegruppe Von Roll im vergangenen Jahr ihre Transformation erfolgreich abgeschlossen. Heute gaben Von Roll und der deutsche Spezialchemiekonzern Altana bekannt, dass die Altana-Tochter Elantas GmbH 84,3% der ausstehenden Von-Roll-Aktien zum Preis von 0.86 CHF kauft. Gleichzeitig kündigte Altana ein öffentliches Kaufangebot für alle Aktien der Von Roll Holding ebenfalls zu 0.86 CHF je Aktie an. Der Angebotspreis entspreche einer Prämie von 8,9% gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittspreis der letzten 60 Handelstage und von 10,3% auf den Schlusskurs der Von-Roll Holding-Aktie am 10. August 2023, heisst es in einer Medienmitteilung der beiden Gesellschaften. Der Angebotsprospekt soll im September veröffentlicht, die Transaktion voraussichtlich im November 2023 vollzogen und die Von-Roll-Aktien von der SIX Swiss Exchange dekotiert werden.

Spezialchemiekonzern Altana kauft Mehrheit

Wie Von Roll und Altana in der Mitteilung weiter erklären, habe Elantas mit der Familie von Finck einen Aktienkaufvertrag und mit dem Von Roll Management Andienungsvereinbarungen abgeschlossen, wonach die Altana Gruppe eine Beteiligung von insgesamt 82,6% an der Von Roll Holding AG erwerben wird. Da die Von Roll Holding AG 2% eigene Aktien halte, erwerbe man insgesamt 84,3% der ausstehenden Aktien. Der Verkauf durch die Familie von Finck erfolge nach einem mehr als 20-jährigen Engagement und der zuletzt erfolgreich abgeschlossenen Neuausrichtung im Sinne einer Nachfolge, so Von-Roll-Verwaltungsratspräsident Dr. Peter Kalantzis. Die Familie von Finck ist über die Clair AG bei Von Roll beteiligt.

Laut Von-Roll-CEO Dr. Christian Hennerkes «ergänzen sich die Produkte, Aktivitäten und die globale Präsenz beider Unternehmen ideal». Und Ravindra Kumar, Geschäftsbereichsleiter bei Elantas, freut sich, dass beide Firmen «gemeinsam einen entscheidenden Beitrag zur Energie- und Mobilitätswende leisten werden». Technologien und Produkte der Von Roll kommen beispielsweise in Windrädern, Elektroautos oder Industrieanlagen zum Einsatz. Besonders zukunftsweisend seien neuartige Isoliersysteme und Spezialharze für den Hochspannungsbereich, so Kumar.

Mehr Umsatz und Gewinn im 1. Halbjahr 2023

Im Geschäftsjahr 2022 erzielte Von Roll einen Nettoerlös von 227.7 Mio. CHF und wies ein Gruppenergebnis von 9.6 Mio. CHF aus. Wie dem Halbjahresbericht 2023 der Von Roll Holding AG zu entnehmen ist, stiegen die Nettoerlöse gegenüber dem Vorjahr in den ersten 6 Monaten um 5,0% auf 122.6 Mio. CHF. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT erreichte 11.8 Mio. CHF (+ 26,3%), und das Gruppenergebnis lag mit 8.2 Mio. CHF sogar um einen Drittel über dem Vorjahreswert. Rückläufig war hingegen der Bestelleingang, der mit 119.4 Mio. CHF um 5,6% unter dem Vorjahreswert lag. Die Eigenkapitalquote wird mit 79,5% ausgewiesen. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung schreiben im Halbjahresbericht, dass «die in den letzten Jahren gut gefüllte R&D Pipeline uns eine starke Position verschafft, um an attraktiven Zukunftsmärkten mit differenzierten Produkten und besonders umweltfreundlichen Werkstoffen zu partizipieren».

Seit Jahresbeginn ist die Von-Roll-Aktie unter Druck. Chart: six-swiss-exchange.com

Die Aktien der an der SIX Swiss Exchange gehandelten Aktien haben seit Jahresbeginn 9,3% verloren. Schweizeraktien.net wird nach Publikation des Angebotsprospekts eine genaue Analyse des öffentlichen Kaufangebotes vornehmen.

2 Kommentare

  1. Dieser Uebernahmepreis ist eine Frechheit gegenüber den langjährigen Minderheitsaktionären. Währenddem die CEO und CFO weit über Fr.2.– pro Aktie erhalten, werden die treuen Aktionäre mit Fr. -.86 abgespiesen, wohlgemerkt rund 50 % eines Wertes,den die Aktie noch zu Zeiten von grossen Verlusten aufwies. Natürlich besteht das Option out aber eine faire Uebernahme sieht anders aus. Nun einmal mehr sieht man, dass leicht erhaltenes Geld offenbar den Charakter verdirbt. Ich bin überzeugt, dass die vorherige Generation die Desavierung von treuen Aktionären nicht zugelassen hätte.

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