Marc Possa, VV Vermögensverwaltung: «Die Erweiterung des SMI ist kein sinnvoller Zug»

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Der Schweizer Börsenbetreiber SIX Swiss Exchange hat im Kreis der Fondsmanager von Schweizer Small- und Mid-Caps-Fonds für Unverständnis gesorgt. Denn aktuell läuft eine Marktkonsultation der SIX, deren Ziel es ist herauszufinden, ob die Marktakteure mit einer Erweiterung des Swiss Market Index (SMI) von derzeit 20 auf 30 Titel einverstanden sind. Gleichzeitig soll auch die Marktkapitalisierung des Free-float über 12 Monate statt des Handelsvolumens als alleiniges Auswahlkriterium für die Aktienindizes SMI, SMIM und SLI verwendet werden. Durch diese Anpassungen würden passive Anlageinstrumente wie ETFs und Indexfonds ein grösseres Anlageuniversum erhalten, was den Anbietern dieser Produkte in die Hände spielt und gleichzeitig zu einem höheren Handelsvolumen an der Börse führen könnte. Gleichzeitig besteht allerdings auch das Risiko, dass gerade die kleinen und mittleren börsenkotierten Unternehmen an Bedeutung verlieren.

Die SIX spielt mit dem Gedanken, den SMI auf 30 Titel zu erweitern. Abb.: six-group.com

Die SIX argumentiert, dass bereits in der Vergangenheit Vorschläge von Marktteilnehmern geäussert wurden, den SMI zu erweitern. Begründet wird dies mit den Spin-offs der vergangenen Jahre (wie kürzlich Sandoz), welche die Gesamtkapitalisierung und die Liquidität des Marktes erhöht haben. Marc Possa, Partner der VV Vermögensverwaltung und Portfoliomanager des Sara Select Fonds, sieht in der ganzen Aktion den Versuch einer Angleichung an andere internationale Börsenplätze, die wie beispielweise der Deutsche Aktienindex DAX ebenfalls erweitert wurden. Das ganze diene vor allem der SIX und der Finanzindustrie, die so mit mehr Titeln regelbasiert mit passiven Instrumenten handeln könnten, so Possa in einem Videointerview gegenüber schweizeraktien.net. Es diene aber nicht der Schweizer Wirtschaft. Wenn man die Interessen der Unternehmen wahren wolle, müsse man das «Primat der Finanzindustrie» kappen.

Die Folge für seinen Fonds wäre, dass dieser 40% der Titel verkaufen müsste. Das wäre nicht ideal und schade für seinen Fonds. Possa geht es aber weniger um die Folgen für seinen Fonds, Er befürchtet, dass auch der breite Markt und insbesondere die Small- und  Mid-Caps unter der geplanten Massnahme leiden könnten. Dies sei nicht im Interesse der Schweizer Wirtschaft, so Possa.

Die Marktkonsultation läuft noch bis zum 7. November 2023. Die SIX habe sich zum Ziel gesetzt, die Ergebnisse der Konsultation und mögliche Änderungen an den Indexmethoden im Januar 2024 zu kommunizieren, heisst es in einer Mitteilung der SIX. Die Marktkonsultation ist öffentlich. Jeder Marktteilnehmer kann sich dazu äussern.

Die SIX betont, dass sie bei der Marktkonsultation keinerlei Position bezieht: «SIX möchte das Marktbedürfnis bezüglich eines erweiterten SMI abfragen. SIX selbst ist in dieser Frage neutral und der Ausgang der Konsultation ist völlig offen. Er hängt von den Rückmeldungen und Ausführungen der Marktteilnehmer ab. Darauf basierend wird die Aktien-Index-Kommission eine Empfehlung abgeben. Diese setzt sich aus Vertretenden von Buy-Side, Sell-Side und SIX zusammen“, so SIX Mediensprecher Julian Chan gegenüber schweizeraktien.net. (Absatz nachträglich am 12.10.23 eingefügt).

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