Titlis Bahnen: Deutlich höherer Gewinn bei stark anziehendem Umsatz

Noch nie waren so viele Individualreisende am Titlis wie 2022/23

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Der Gipfel des Titlis mit dem markanten Richtstrahlturm, der wie die Bergstation von den renommierten Architekten Herzog & de Meuron umgebaut wird und dereinst Gäste empfangen soll. Bild: titlis.ch

Ein Aufatmen ging durch die Welt der Tourismusfirmen, als Corona Ende 2022 kein Thema mehr war. Die Anbieter konnten wieder deutlich steigende Besucherzahlen verzeichnen, und alles war angerichtet, wenn nur nicht die Hauptzutat für den Schweizer Winter gefehlt hätte: der Schnee.

So erging es auch den Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (BET), die einen Rückgang der Schneesportgäste von 7% im Winter 2022/23 zu verzeichnen hatten. Danach hätten sich die Besucherzahlen jedoch sehr positiv entwickelt, schreibt das Unternehmen in einer Medienmitteilung zum Geschäftsjahr 2022/23 (zum 31.10.). Die BET konnte unter dem Strich 568’000 Besucher im Winterhalbjahr und 506’000 Gäste im Sommer transportieren. Mit 1,07 Mio. Besuchern steigerten die Bergbahnen ob Engelberg im letzten Geschäftsjahr die Vorjahresfrequenz um 30%. Damit nähere man sich langsam wieder den Zahlen vor der Corona-Pandemie, schreibt das Unternehmen. Im Rekordjahr 2018/19 verzeichneten die BET 1,24 Mio. Ersteintritte.

Rekord bei Individualreisenden

Aber auch wenn der Rekord an Ersteintritten (noch) nicht gefallen ist, so hatten die Titlis Bergbahnen doch Grund zum Jubeln. Denn im Segment der Individualreisenden wurde mit Abstand das beste Resultat in der Geschichte der BET verzeichnet. 376’000 Individual-Gäste im letzten Jahr stehen dem bisherigen Rekord von 308’000 aus dem 2018/19 entgegen.

Natürlich legten auch die Gruppenreisen, die so stark durch Corona gebeutelt worden waren, wieder zu. Um 163% auf 308’000 Gäste stieg ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr, als 117’000 Gruppenreisende gezählt wurden. Schon verblasst ist das «Horrorjahr» 2020/21, als man gerade mal 3’750 Besucher empfangen konnte.

CEO Norbert Patt sieht im Anstieg der Individualreisenden die Bestätigung eines Trends: «Bereits vor Corona haben wir festgestellt, dass die Grösse der Gruppen leicht abnimmt. Erfreulich ist die starke Zunahme der internationalen Individualreisenden, die einen Ausflug auf den Titlis machen. Wir sind der Ansicht, dass dies ein nachhaltiger Trend ist und mit der Entwicklung der einzelnen Quellmärkte in Abhängigkeit steht», so Patt gegenüber schweizeraktien.net.

Deutlicher Anstieg des Reingewinns

Der Verkehrsertrag der BET erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 40% auf 46.7 Mio. CHF, der konsolidierte Betriebsertrag um 35% auf 72.2 Mio. CHF. Durch die höheren Besucherzahlen stieg auch der Betriebsaufwand um etwa ein Drittel von 36.9 Mio. auf 48.9 Mio. CHF. Dieser Anstieg sei in erster Linie auf den Personalaufwand zurückzuführen, der von 20.1 Mio. auf 25.9 Mio. CHF kletterte, schreiben die BET. Über das ganze Geschäftsjahr sei ein positives EBITDA von 23.2 Mio CHF erwirtschaftet worden, im Jahr davor lag dieses noch bei 16.6 Mio. CHF. Unter dem Strich steht ein Reingewinn von 10.3 Mio. CHF (2021/22 3.3 Mio. CHF).

«Diese Zahlen freuen mich insbesondere auch mit Blick auf die Arbeiten am Titlis, weil die Gästeaufkommen breit abgestützt sind und weil unsere Investitionen unseren Glauben an eine erfolgreiche Zukunft unterstreichen», betont Patt.

Investitionen in ikonische Architektur

Dabei stand das Projekt wegen Corona durchaus auf der Kippe. Fragen wie «Wird die Sehnsucht nach den Bergen bleiben?» und «Werden die Menschen wiederum uneingeschränkt reisen wollen?» seien intern diskutiert worden. «Beide Fragen haben wir klar mit Ja beantwortet. In der Konsequenz hiess dies, dass wir an der Strategie festhalten und auch entsprechend in unsere Produkte und in die Zukunft investieren», sagt Patt.

Da kommt ein Gewinn in Höhe von über 10 Mio. CHF gerade richtig, aber da die Obwaldner Grosses vorhaben mit ihrem Vorzeige-Gipfel Titlis, kommt er jetzt noch richtiger. «Es ist unsere Überzeugung, dass wir mit den Bauten auf über 3’000 m ü.M. zusammen mit Herzog & de Meuron ein fantastisches Bauwerk erstellen werden. Damit schaffen wir einen Magneten, welchen die Gäste aus aller Welt sehen möchten. Die ikonische Architektur in dieser einmaligen Bergwelt wird ein USP werden», ist sich Norbert Patt sicher.

Wichtig für die Bergbahn sei, dass das Projekt so designed werde, dass der Titlis für Gäste immer geöffnet bleibe – «es gibt aber auch Bauphasen, in denen den Gästen nicht das volle Angebot zur Verfügung steht», schränkt Patt ein.

Ausblick

Der Start ins neue Geschäftsjahr bescherte den BET dank der Schneefälle Anfang Dezember 2023 und traumhaft verschneiter Landschaften bis in tiefe Lagen hervorragende Frequenzen und damit einen ausgezeichneten Start in die Wintersaison. Die Aussichten für die kommenden Monate seien vielversprechend, wiesen doch auch die unternehmenseigenen Hotels hohe Buchungszahlen aus. Dazu komme, dass wieder vermehrt internationale Gäste und Gruppen den Titlis auch in der kalten Jahreszeit besuchten, schreiben die BET in der Pressemitteilung.

Fazit

Dass die BET wegen der im September 2021 erhaltenen Härtefallgelder in Höhe von 10 Mio. CHF auch 2022/23 keine Dividende ausschüttet, kommt dem Unternehmen vor dem Hintergrund der hohen Investitionen in die Um- und Ausbauten auf dem Titlis gerade recht. Und auch wenn das Fremdkapital auf 32 Mio. CHF ansteigt (Vorjahr 27 Mio. CHF), so ist das Unternehmen mit einem Eigenkapital-Anteil von 84% oder 148 Mio. CHF, davon 133 Mio. CHF Gewinnreserven, bestens aufgestellt für die kommenden Belastungen. Auf der Seite der Aktiven steigt der Wert der Sachanlagen um gute 20 Mio. CHF auf 160 Mio. CHF.

Der Kurs der an der SIX gehandelten Aktie liegt zurzeit bei 43 CHF. Damit liegt das Papier in etwa auf gleicher Höhe wie nach dem Corona-bedingten Absturz im März 2020. Bei einem Gewinn von 3.07 CHF je Aktie beträgt das KGV moderate 14. Der Buchwert pro Aktie liegt bei 43.75 CHF, somit ungefähr auf dem Niveau des aktuellen Aktienkurses. Setzen die Titlis Bahnen den aktuellen Wachstumskurs fort, erscheint die Aktie derzeit noch günstig bewertet.

Kursverlauf der Titlis-Aktie. Quelle: six-group.com

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