
Mit einem Kurszuwachs von 29,1% gehören die Aktien der Regiobank Solothurn zu den ausserbörslich gehandelten Regionalbankaktien mit der besten Performance im vergangenen Jahr. Der Jahresabschluss für 2025 zeigt allerdings ein gemischtes Bild: Im Zinsengeschäft musste die Bank Federn lassen; der Nettozinserfolg ging gegenüber dem Vorjahr um knapp 4% zurück. Hingegen profitierte sie von einem starken Anstieg der indifferenten Erträge in der Vermögensverwaltung mit einem Plus von über 16%. Trotz höherer Kosten weist die Bank unter dem Strich einen praktisch unveränderten Jahresgewinn von rund 10 Mio. CHF aus. Die Dividende bleibt mit 22 CHF je Aktie ebenfalls auf dem Niveau des Vorjahres.
Kundengelder steigen stärker als Ausleihungen
Wie die Regiobank Solothurn in einer Medienmitteilung schreibt, stieg die Bilanzsumme per Jahresende um 4,59% auf 3.67 Mrd. CHF. Dabei nahmen die Kundenausleihungen, die mehrheitlich aus Wohnbaufinanzierungen in der Region bestehen, um 2,57% auf 2.988 Mia. CHF zu. Deutlich stärker legten die Kundengelder zu: Der Bank flossen Kundengelder in Höhe von 111.22 Mio. CHF zu, was einem Anstieg um 4,37% auf 2.657 Mia. CHF entspricht. Damit sind die Kundenausleihungen zu fast 89% durch Kundengelder gedeckt. Der Kundengeldzufluss sei hauptsächlich im zweiten Semester erfolgt und breit abgestützt gewesen, so CEO Markus Boss auf Nachfrage von schweizeraktien.net. Er wies auch darauf hin, dass das Wachstum nicht durch Sonderaktionen und hohe Zinssätze zustande gekommen sei. «Wir profitieren von der langjährigen positiven Präsenz im Marktgebiet, dem guten Image und vielen Beziehungen», so Boss.
Erfolg mit der eigenen Depotbank
Gut entwickelt hat sich auch der Wert der Kundendepots. Dieser stieg überproportional um 47,9% auf 1.707 Mia. CHF. Als Grund für diesen Anstieg nennt die Bank ihre separate Depotbank, die zwar Bestandteil der Regiobank Solothurn ist, aber hauptsächlich institutionelle Kunden bedient. «Ende 2024 konnten wir neue Kunden gewinnen, die 2025 sehr grosse Volumen zu uns transferierten», so Boss. Zuvor seien die Volumen relativ klein gewesen. Er weist aber auch darauf hin, dass die Regiobank selbst vor allem im Private Banking das Wertschriftenvolumen deutlich steigern konnte.
Höhere Personal- und IT-Kosten
Die Erfolgsrechnung zeigt ein zweigeteiltes Bild. Während die Nettoerträge im Zinsengeschäft trotz der Volumenausweitung um 3,95% auf 38.7 Mio. CHF abnahmen, legten die Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 16,1% auf 6.2 Mio. CHF zu. Auch die Erträge aus dem Handelsgeschäft konnten um 16,4% auf 2.1 Mio. CHF zulegen. Knapp 80% des gesamten Betriebsertrags von 49.1 Mio. CHF stammen weiterhin aus dem Zinsengeschäft. Der Geschäftsaufwand stieg – vorwiegend wegen höherer Personal- und IT-Kosten – um 5,1% auf 26.65 Mio. CHF; dies entspricht einer Cost/Income-Ratio von 54,3%. Der Geschäftserfolg war um 6,9% rückläufig und betrug 19.2 Mio. CHF. Da die Regiobank mit 6.4 Mio. CHF knapp 1 Mio. CHF weniger als im Vorjahr in die Reserven für allgemeine Bankrisiken einstellte und auch die Steuerlast um 12,4% zurückging, resultierte unter dem Strich ein praktisch unveränderter Jahresgewinn von 10.03 Mio. CHF.
Tiefere Zinserträge auch 2026 erwartet
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Markus Boss aufgrund der sehr tiefen Zinssätze im Hypothekar- und Zinsengeschäft mit einem weiteren Rückgang des Zinserfolgs. Für Zinssenkungen auf der Passivseite sehe man nur noch wenig Spielraum. Bei Hypotheken und Kundengeldern wolle man gemäss Strategie weiter moderat wachsen (rund 70 Mio. CHF). Deutlich positiver schätzt Boss das Potenzial der Depotbank ein: «Wir erwarten hier eine starke Entwicklung, sowohl bei den Volumen als auch im Ertrag», so der CEO.
Die gute Performance des Aktienkurses führt er vor allem auf die gestiegene Nachfrage nach der Aktie zurück. Verkäufe habe es sehr wenige, grosse Veränderungen im Aktionariat nicht gegeben. Allerdings habe die Bank rund 190 neue Aktionärinnen und Aktionäre gewinnen können, sodass deren Anzahl nun auf total 6’760 gestiegen sei. Bei den neuen Anteilseignern handle es sich grossmehrheitlich um Privatpersonen.
Fazit
Die starke Performance des Aktienkurses im vergangenen Jahr hatte vermuten lassen, dass auch das Ergebnis entgegen dem Markttrend stark zulegen würde. Doch dies ist nur im indifferenten Geschäft – vor allem dank der Depotbank und der guten Entwicklung der Finanzmärkte – der Fall gewesen. Im Kerngeschäft waren die Erträge hingegen rückläufig. Mit der Depotbank zeigt die Regiobank Solothurn, dass sie ihre Abhängigkeit vom Zinsengeschäft reduzieren kann. Denn das Zinsengeschäft dürfte – zumindest in den kommenden ein bis zwei Jahren – weiter unter Druck bleiben.
Der starke Kursanstieg hinterlässt seine Spuren auch bei der Bewertung der Regiobank-Aktie. Bei Kursen um 1’313 CHF, die zuletzt auf OTC-X bezahlt wurden, beträgt das Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis des ausgewiesenen Reingewinns 32,7; rechnet man die Reserven für allgemeine Bankrisiken zum Gewinn hinzu, verbleibt immer noch ein adjustiertes KGV von knapp 20. Im Vergleich mit anderen Regionalbank-Aktien erscheint der Titel mittlerweile hoch bewertet. Auch die Dividendenrendite ist mit 1,7% eher tief, allerdings im Vergleich zu Obligationen weiterhin als valable Alternative zu bezeichnen. Nach den jüngsten Kursanstiegen ist daher wohl mit einer Konsolidierung zu rechnen.





