
Beginnen wir die Geschichte von Montana Tech, die für Investoren wenig Positives aufweist, mit dem erfreulichen Teil – mit Montana Aerospace. Die Aktien des Zulieferers von Boeing und Airbus haben im gerade abgeschlossenen Jahr über 80% zugelegt. Der Konzern mit Sitz im aargauischen Reinach liefert eine breite Palette von Strukturteilen aus Aluminium für Flugzeuge, etwa Träger für Fussböden in Passagiermaschinen oder ganze Cockpit-Verkleidungen. Doch viel «Schweizerisches» findet sich im Unternehmen nicht. Über die Hälfte der 6200 Beschäftigten ist in drei Werken in Rumänien tätig. Zwei weitere grosse Produktionsstandorte befinden sich in Vietnam und in Belgien. In Reinach arbeitet nur eine Handvoll Leute in der Verwaltung. Im laufenden Jahr will Montana Aerospace den Umsatz auf über 1 Mrd. EUR steigen und weitere Marktanteile gewinnen.
Montana Aerospace kam 2021 mit einem IPO an die Schweizer Börse. Durch eine Kapitalerhöhung flossen dem Unternehmen 600 Mio. CHF zu. Ein Teil wurde für Übernahmen genutzt; allein 2021 erfolgten nicht weniger als fünf Akquisitionen. Nebst der Luftfahrtindustrie belieferte Montana Aerospace ursprünglich auch Kunden in den Segmenten E-Mobilität und Energie. Diese beiden Industrien erholten sich deutlich schneller von der Covid-Pandemie und stützten das Ergebnis der Gesellschaft im Jahr 2021.
Fokussierung auf Flugzeugbau
Seit Jahresbeginn leitet ein neues Führungsduo das Unternehmen. Alleiniger CEO ist Kai Arndt. Er war bislang Co-CEO und verantwortete das Luftfahrtsegment. Neuer Finanzchef (CFO) wird Patrick Maurer. Er ist seit August 2022 Teil der Gruppe und hatte zuletzt die Funktion des CFO beim Bereich Aerostructures inne. Diese Manager-Auswahl unterstreicht die neue Ausrichtung: Montana Aerospace fokussiert sich mittlerweile auf das Luftfahrtgeschäft und hat sich aus den Bereichen Energie- und Automobil verabschiedet.
Mit dem One-Stop-Shop-Geschäftsmodell sollen bei Flugzeugbauern weitere Marktanteile gewonnen werden. Zu diesem Zweck wurde 2024 die Herstellung von Leichtbauteilen aus Aluminium für die Autoindustrie mit dem Schweizer Produktionswerk in Menziken an eine chinesische Gesellschaft veräussert. Im vergangenen September wurde die Energiesparte einem Unternehmen des Grossaktionärs Michael Tojner verkauft. Der österreichische Industrielle hält via Montana Tech Components aktuell 45% der Anteile von Aerospace. Tojner ist der Gründer von Montana Tech Components.
In mehr als 70 Unternehmen investiert
Die Holding ist die Mutter zahlreicher Unternehmen mit Verbindungen in die Schweiz. Auf der Website von Montana Tech Components (MTC) heisst es: «Die MTC-Gruppe basiert auf der Erfahrung von 30 Jahren Private Equity und der Investition in mehr als 70 Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen. Mit der Gründung der MTC im Jahr 2006 hat man den Fokus auf die langfristige Entwicklung industrieller Champions gelegt. Alle Divisionen gründen dabei auf eine jahrzehntelange Unternehmensgeschichte.» Die österreichische Holding hat ihren Sitz in Reinach, die Titel des Konglomerats werden ausserbörslich auf der OTC-X-Plattform der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Der Titel notiert auf dem gleichen Stand wie im Jahr 2009. Um das Jahr 2021 kam wegen Montana Tech kurz Fantasie in die Titel.

Die alles bestimmende Figur hinter MTC ist der schillernde österreichische Unternehmer Michael Tojner (59). Er amtet als Verwaltungsratspräsident. Sein erstes Business startete Tojner als 20-Jähriger: Er betrieb Eisverkaufsstände an belebten Plätzen in Wien, die ihn innerhalb weniger Jahre zum Schilling-Millionär machten. Wohin es beruflich mit ihm gehen würde, zeichnete sich schon in seiner Doktorarbeit mit dem Titel «Eine betriebswirtschaftliche und rechtliche Analyse von Venture Capital» ab. Tojner war Mitgründer von Bwin, Global Equity Partners und investierte in mehr als 50 Jungunternehmen. Seit den 1990er Jahren ist der verheiratete Vater von sechs Kindern, der im Aufsichtsrat des Auktionshauses Dorotheum sitzt und Präsidiumsmitglied des Fussballclubs SK Rapid Wien ist, im Immobiliengeschäft tätig. Bekannte Projekte sind der Kauf des Intercontinental Wien und der «Alten Post».
Gründung 2006 mit Alu Menziken
2006 gründete er die Industriegruppe Montana Tech Components, zu der die Unternehmen Alu Menziken, Universal Alloy Corporation, Asta, Alpine Metal Tech, Aluflexpack- und Varta-Batterien gehören. Der Hauptsitz des Konzerns befindet sich in Reinach, in der Schweiz. Aktuell arbeiten insgesamt knapp 13’000 Mitarbeitende an 77 Standorten in 35 Ländern weltweit in der Montana Gruppe. Für Aktionäre in MTC oder deren Abspaltungen war ein Engagement aber – mit Ausnahme von Montana Aerospace – wenig erfreulich. Am meisten Sorgen dürfte Tojner – und den Aktionären – momentan die Batterietochter Varta bereiten. Ohne grosse Selbstkritik gab Tojner einer österreichischen Zeitschrift dazu zu Protokoll: «Man muss immer mit Rückschlägen rechnen, wenn man grosse Sprünge macht.»
Varta macht keine grossen Sprünge mehr, sondern ist ein Sanierungsfall. Als Michael Tojner 2007 den deutschen Batteriekonzern kaufte, war dieser eine Ertragsperle. 2022 wurde daraus ein Problemfall. Das Geschäft mit Microbatterien für Kopfhörer etc. brach ein, vor allem Hauptkunde Apple orderte weniger. Dieser brachte bis dahin über die Hälfte des Gewinns. Sich so abhängig zu machen, «war ein grosser Managementfehler», sagt Tojner gegenüber den Medien. Dazu lähmte eine Cyberattacke wochenlang den Betrieb. Anfangs Oktober 2025 hielt MTC eine ausserordentliche Generalversammlung (GV) ab.
Alt-Aktionäre rausgedrängt
An dieser wurden alle Traktanden rund um die Jahres- und Konzernrechnung abgehandelt, die bei der ordentlichen GV noch ausgespart worden waren. Grund für die Verzögerung waren die Restrukturierungsmassnahmen um die angeschlagene deutsche Batterietochter Varta, die bis zur regulären GV am 30. Juni 2025 keinen Abschluss vorlegen konnte. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen war in den vergangenen Jahren am Straucheln. An der ausserordentlichen GV drängte Tojner, der damals 50,1% am Unternehmen hielt, die Alt-Aktionäre aus dem Unternehmen. Dafür setzte er auf das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG). In einem StaRUG-Verfahren können die Interessen der Aktionäre ausgehebelt werden.
Das Verfahren hatte Varta im Juli 2025 angemeldet. Im August vermeldete der Konzern dann eine Einigung beim Sanierungskonzept. Zum einen sollen ein Schuldenschnitt und die Verlängerung von Krediten die Verbindlichkeiten von fast einer halben Milliarde Euro auf 230 Mio. EUR verringern. Ausserdem soll das Grundkapital der Varta AG auf null Euro herabgesetzt werden, wodurch die Aktionäre ohne Kompensation ausscheiden und der Konzern seine Börsenkotierung verliert. Neue Aktien wurden an Tojner und den Sportwagenbauer Porsche ausgegeben, die je 30 Mio. EUR einschossen. Von den Gläubigern kamen weitere 60 Mio. EUR als Darlehen. Die Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist mit diesem Vorgehen nicht einverstanden und fordert eine Entschädigung der Kleinaktionäre. Die Aktien wurden Mitte März 2025 zum letzten Mal gehandelt und notierten damals auf 1.23 EUR.
Aluminiumbereich an österreichischen Konkurrenten
Eine weitere Abspaltung von MTC ist Aluflexpack. Dieses Unternehmen produziert Verpackungsprodukte aus Aluminium und Plastik für Kaffee, Tee, Pharmaprodukte, Tierfutter sowie Lebensmittel und hat den Hauptsitz formell ebenfalls in der Schweiz. Die Produktion hat ihren Schwerpunkt aber in Kroatien, wo vier der sieben Werke stationiert sind und wo das Unternehmen ursprünglich herkommt. Der Einstieg von Montana Tech erfolgte 2012. Daraufhin wurde das Geschäft durch Zukäufe in der Schweiz (2013), in Frankreich (2015) und der Türkei (2018) verstärkt. Im Juni erfolgte der Börsengang in Zürich zu einem erstbezahlten Kurs von 22.10 CHF.
Das Unternehmen expandierte kontinuierlich und steigerte den Umsatz, doch der Gewinn hielt keineswegs mit. Aluflexpack hatte zu Zeiten des billigen Geldes mit seiner Akquisitionsstrategie hohe Schulden aufgetürmt und kam mit dem Zinsanstieg ins Taumeln. Im Februar 2024 erwarb der Wiener Konkurrent Constantia Flexibles einen Anteil von rund 57% – unter anderem von Mehrheitsaktionär Tojner – und unterbreitete den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot. Zwischen 15 CHF und 18.75 CHF je Aluflex-Aktie boten die Österreicher, die im Besitz des US-Private-Equity-Hauses One Rock Capital Partner sind. Aluflexpack wurden zu diesem Zeitpunkt zu 8 CHF gehandelt wurde. Nach einem langwierigen Prüfverfahren durch die EU wurden die Aktien am 10. Juli 2025 dekotiert und die Aktionäre erhielten ein Barabfindung von 16 CHF.
Der nächste Börsengang steht an
Der einzige reine MTC-Wert ist gemäss Website Asta. Das ist aber nicht korrekt. Der auf Kupferkomponenten für die Energieversorgung spezialisiert Bereich ist von Montana Aerospace im Herbst 2025 an Michael Tojner verkauft worden. Der Kaufpreis für das Energiesegment basierte gemäss Medienmitteilung auf einem Basis-Unternehmenswert von rund 204 Mio. EUR. Darüber hinaus beinhalte die Transaktion eine «substanzielle Earn-Out-Komponente», die an bestimmte Ereignisse respektive Meilensteine geknüpft sei. Diese addieren sich, wie nun bekannt wurde, auf 40 Mio. EUR. Das Angebot des MTC-Grossaktionärs sei unter einer Reihe von Interessenten ausgewählt worden. Er habe den höchsten Kaufpreis sowie Transaktionssicherheit und Geschwindigkeit bei der Umsetzung geboten.
Am heutigen 30. Januar wird Asta nun an der Frankfurter Börse kotiert werden. Tojner gibt einen nicht bezifferten Minderheitsanteil ab, wird jedoch über 50% behalten. Als Erlös des IPO werden 190 Mio. EUR erwartet, wovon rund 125 Mio. EUR der Gesellschaft zufliessen sollen. Die Aktien wurden zu 29.50 EUR zugeteilt. Ein Siemens-Energy-Fonds und Invesco haben bereits vorab ihre Zusage als Aktionäre gegeben. Weniger als die Hälfte des Unternehmens soll an der Börse also annähernd den Preis lösen, der vor kurzem noch für die ganze Asta bezahlt wurde. Der Börsengang wird sich also für einen Aktionär sicher auszahlen – für Michael Tojner.
Fazit
Die Strategie von MTC und Tojner wirft viele Fragen auf. Auch nach mehrmaligem Nachfragen beantwortete das Unternehmen die Fragen von schweizeraktien.net nicht. Darunter unter anderen: Weshalb machen Sie die Unternehmensabschlüsse nicht mehr publik, der letzte verfügbare Bericht ist vom 3. Quartal 2023? Gibt es für Varta-Kleinanleger noch eine Chance auf eine Abfindung? Wird sich Varta in Kooperation mit Porsche anders ausrichten, welche Strategie wird gewählt? Für das Geschäftsjahr 2024 wird von MTC ein Verlust von 38 Mio. CHF vermeldet – ist das durch Varta verursacht?
Für langfristige Investoren waren die Aktien von MTC eine Enttäuschung. Erfolgreich unterwegs ist einzig Montana Aerospace. Es ist gut möglich, dass die MTC-Aktien durch die Asta-Abspaltung wieder an Fantasie gewinnen und anziehen. Doch Michael Tojner hat bereits mehrfach bewiesen, dass er es zu nutzen weiss, als Mehrheitsaktionär am längeren Hebel zu sitzen. Der Umgang mit den Varta-Kleinaktionären lässt auch für Engagements an MTC oder anderen Töchtern wenig Erfreuliches erwarten.





