
Der Druck auf die Zinsmargen beschäftigt die Schweizer Retailbanken. Mit Investitionen ins sogenannte indifferente Geschäft soll diese Abhängigkeit reduziert werden. Die Genossenschaftsbank WIR Bank konnte hier im Geschäftsjahr 2025 einen weiteren Schritt vorwärts machen. Obwohl auch die Bruttoerträge aus dem Zinsengeschäft dank Volumenausweitung leicht um 2,1% auf 75.6 Mio. CHF stiegen, erreichten die Erträge aus Kommissionen und Dienstleistungen mit 23.5 Mio. CHF (+22,8%) dank der Beteiligung am Fintech VIAC einen neuen Rekordwert. Unter dem Strich verblieb ein leicht höherer Gewinn von 17.7 Mio. CHF. Die Dividende liegt mit 11 CHF pro Anteilsschein auf Vorjahresniveau.
Hypotheken wachsen um 3,5%
Die Bilanzsumme der Bank WIR ist 2025 weiter gewachsen, um 2,0% auf 6’743.5 Mio. CHF. Das Wachstum geht vor allem auf die Hypothekarforderungen zurück, die um 2,8% auf 5’079.9 Mio. CHF zulegten. Dabei entwickelten sich die Hypotheken in Schweizer Franken (CHF) mit 3,5% stärker als jene in der eigenen Komplementärwährung WIR (CHW), die um 6,0% zurückgingen. Wie CEO Matthias Pfeifer bereits Anfang Jahr in einem Interview mit schweizeraktien.net deutlich machte, sind WIR-Kredite vor allem wegen der Zinsdifferenz zum Schweizer Franken attraktiv. Aufgrund der aktuell tiefen Zinsen falle dieser Vorteil weg.
Diese Situation zeigt sich auch auf der Passivseite: Die Kundengelder legten gesamthaft um 2,2% auf 4’394.7 Mio. CHF zu. Das Wachstum kam auch hier von den CHF-Geldern, während in CHW 8,7% weniger Gelder angelegt wurden. Pfeifer verweist im Zusammenhang mit den 138.8 Mio. CHF an Kundengeldern, welche der Bank im Jahr 2025 zuflossen, auf die 2024 gestartete Offensive im Privatkundengeschäft, mit der die Bank WIR zur Hauptbank der Kunden werden soll. Rund 83% der Ausleihungen sind mit Kundengeldern finanziert, der Rest zum grössten Teil durch Anleihen und Pfandbriefdarlehen.
VIAC verwaltet nun über 6 Milliarden Franken
Dank des Volumenwachstums bei den Hypotheken und Kundengeldern gelang es trotz des Zinsmargendrucks, den Bruttoerfolg im Zinsengeschäft um 2,1% auf 75.6 Mio. CHF zu steigern. Nach erfolgten Wertberichtigungen verblieb ein Nettoerfolg von 73.8 Mio. CHF (-4,0%). Punkten konnte die Bank WIR dank ihrer Beteiligung an VIAC und dem neuen Produkt VIAC Invest für freies Wertschriftensparen bei den Kommissionserträgen. Diese legten um 40,2% auf 12.4 Mio. CHF zu. Die über VIAC verwalteten Vermögen («Assets under Management») stiegen dank Neugeldzuflüssen und der guten Performance an den Börsen per Ende 2025 auf 6.3 Mia. CHF. Nach Angaben der Bank WIR nutzen mittlerweile 147’000 Kundinnen und Kunden das VIAC-Angebot.
Obwohl das Geschäftsvolumen mit CHW auch 2025 rückläufig war, nahm der Kommissionsertrag aus dem Verrechnungsgeschäft um 280’000 CHF oder 4,8% zu. Insgesamt erhöhte sich der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 22,8% auf 23.5 Mio. CHF. Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft fiel mit 4.9 Mio. CHF um 16,3% niedriger aus als im Vorjahr. Gemäss Mathias Thurneysen, CFO der Bank WIR, sei dies so gewollt. Bereits vor einigen Jahren hatte die in Basel ansässige Genossenschaftsbank angekündigt, die Handelspositionen zu reduzieren und den Fokus auf operativ erwirtschaftete Erträge zu legen. Die Handelspositionen schrumpften daher 2025 auch um 24,9% auf 37.2 Mio. CHF. Fünf Jahre zuvor lag diese Position noch bei rund 150 Mio. CHF.
Sachaufwand steigt um 7,8%
Die Investitionen in neue Produkte, Kundengewinnung und IT hinterlassen allerdings auch in der Erfolgsrechnung ihre Spuren. Zwar blieb der Personalaufwand mit 36.8 Mio. CHF stabil. Hingegen stieg der Sachaufwand kräftig um 7,8% auf 33.0 Mio. CHF an. Die Cost/Income-Ratio lag bei 68,0%. Wegen höherer Wertberichtigungen und Abschreibungen fiel der Geschäftserfolg im vergangenen Geschäftsjahr mit 29.5 Mio. CHF um 3,8% unter den Vorjahreswert. Dennoch wird ein leicht höherer Gewinn von 17.7 Mio. CHF ausgewiesen.
Für das laufende Geschäftsjahr gibt sich CEO Matthias Pfeifer trotz der Nullzinspolitik leicht optimistisch. Man gehe davon aus, dass VIAC im Vorsorgebereich weiterhin schneller als der Markt wachsen werde, so die Bank in ihrer Medienmitteilung zum Jahresabschluss. Mit VIAC seien auch für dieses Jahr höhere Kommissionserträge zu erwarten.
Fazit
Die Bank WIR hat es in den vergangenen Jahren nicht nur geschafft, den Anteil der Erträge aus dem indifferenten Geschäft auf mehr als ein Viertel zu erhöhen. Es ist ihr auch gelungen, vor allem durch die Beteiligung an VIAC und den Einstieg ins digitale Wertschriftensparen, die rückläufigen Erträge aus dem Verrechnungsgeschäft mit WIR zu kompensieren.
Allerdings haben die Investitionen auch zu einem Anstieg der Aufwendungen geführt. Kostendisziplin und weiteres Wachstum sind nun nötig, um die vergleichsweise hohe Cost/Income-Ratio von weit über 60% zu senken.

Die Beteiligungsscheine (BS) der WIR Bank Genossenschaft, die auf OTC-X gehandelt werden, haben sich binnen Jahresfrist seitwärts entwickelt. Dies im Gegensatz zu den Aktien einiger Regionalbanken, die teilweise zweistellige Kurszuwachsraten verzeichneten. Zuletzt wurden 493 CHF für einen BS bezahlt. Auf dieser Basis werden die Papiere mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 22 gehandelt, dies bei einem Gewinn pro BS von 22.83 CHF (inkl. Zuweisung der Reserven für allgemeine Bankrisiken). Der Buchwert, ebenfalls inklusive der Reserven, liegt per Ende 2025 bei 532 CHF. Bei einer Dividende von 11 CHF je BS, die wahlweise in bar bezogen (für Privatpersonen in der Schweiz steuerfrei) oder reinvestiert werden kann, beträgt die Dividendenrendite 2,2%. Angesichts der aktuell tiefen Zinsen erscheint diese attraktiv. Auch die Bewertung ist mit einem Abschlag von rund 8% auf den Buchwert nicht zu hoch. Wird sich das Wachstum vor allem durch höhere Erträge aus dem Anlagegeschäft (VIAC) fortsetzen und die Bank wieder effizienter werden, so dürfte sich der Preis für den BS langsam, aber stetig dem Buchwert annähern.





