Rapid Holding: Ist die Talsohle erreicht?

Umsatz in 2025 gehalten, Ergebnis bleibt auch wegen Lagerwertberichtigung negativ

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Rapid May26
2026 feiert Rapid ihr 100-jähriges Bestehen. Bild: rapid.ch

Es ist kein einfaches Umfeld für Industrieunternehmen wie die Rapid Holding. Preisdruck, Zurückhaltung der Käufer und sogar Stornierungen prägten das Geschäftsjahr 2025, wie im Brief an die Aktionäre hervorgehoben wird. Dennoch konnte der Umsatz leicht auf 50.5 Mio. CHF gesteigert werden.

Das EBIT konnte zwar von minus 4.2 Mio. CHF im Vorjahr auf minus 2.7 Mio. CHF verbessert werden, verblieb aber im negativen Bereich. Eine erforderliche Lagerwertberichtigung von 1.8 Mio. CHF hatte auf das Ergebnis gedrückt. Nach einem Jahresverlust von 4.7 Mio. CHF in 2024 wurde nun für 2025 ein Verlust von 3.4 Mio. CHF ausgewiesen. Dies entspricht einem Verlust je Aktie von 30.19 CHF. Wie bereits im Vorjahr soll keine Dividende ausgeschüttet werden.

Nachfrageschwäche und Wettbewerbsintensivierung

Im Hauptgeschäftsfeld Land- und Kommunaltechnik blieb die Nachfrage anhaltend schwach. Im stärker zyklischen Geschäftsbereich Contract Manufacturing herrschten scharfer Preiswettbewerb und mangelnde Nachfrageimpulse. Der Auftragsbestand ist zurückgegangen. Dem begegnet die Rapid Holding mit Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsprogrammen, die ihre volle Wirkung im laufenden Geschäftsjahr entfalten sollen. Abgesehen von der ausserordentlichen Wertberichtigung auf den Lagenbestand haben sich bereits 2025 die operativen Margen markant verbessert, so die Aussage im Brief an die Aktionäre.

Massnahmenkatalog

Der Standort in Rumänien wurde im Herbst 2025 geschlossen und die Liegenschaft zum Verkauf gestellt. Die Mähraupen-Produktion wurde planmässig bei der deutschen Tochtergesellschaft Rapid Technic konzentriert. So werden Synergien gehoben und unrentable Aktivitäten eingestellt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der Fokus auf der Optimierung interner Strukturen und Prozesse. Die Vertriebswege im wichtigen Markt Deutschland wurden «qualitativ ausgebaut» und die «Vertriebskanäle bereinigt». In Österreich wurden durch eine Konsolidierung Synergien gehoben und ein engmaschigeres Netz für die Kunden geschaffen.

Zahlenwerk

Im Zahlenwerk sind die Bemühungen ablesbar. Der Materialaufwand sank um 0.6 Mio. CHF auf 22.1 Mio. CHF. Der Personalaufwand ging geringfügig auf 18.5 Mio. CHF zurück. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen fielen um 1.1 Mio. CHF auf 6.1 Mio. CHF. Gegenüber dem Vorjahr waren die betrieblichen Gesamtaufwendungen um 1.6 Mio. CHF auf 49.8 Mio. CHF rückläufig. Das Finanzergebnis verbesserte sich auf minus 0.1 Mio. CHF, die Steuerlast allerdings ehöhte sich um 0.4 Mio. CHF auf 0.6 Mio. CHF. Der Verlust belief sich am Ende auf 3.4 Mio. CHF. Es ist das zweite Geschäftsjahr in Folge, in dem auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet wird. Ein Grund ist die Erhaltung einer starken Bilanz.

Bilanz

Die Eigenkapitalquote konnte sich zum Vorjahr auf 70,8% verbessern. Die flüssigen Mittel stiegen deutlich von 1.9 Mio. CHF auf 6.9 Mio. CHF, und die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gingen von 6.6 Mio. CHF auf 3.1 Mio. CHF zurück. Deutlich sanken auch die Warenvorräte, die von 19 Mio. CHF auf 15.3 Mio. CHF abgebaut wurden. Insgesamt reduzierte sich das Umlaufvermögen um 4 Mio. CHF auf 26.3 Mio. CHF. Das Fremdkapital wurde um 2.2 Mio. CHF auf 15 Mio. CHF reduziert. Die Gewinnreserven verminderten sich um 3.6 Mio. CHF auf 31.2 Mio. CHF und das Eigenkapital ebenfalls um 3.6 Mio. CHF auf 36.3 Mio. CHF.

Ausblick

Die Rapid Holding hat sich dem schwierigen konjunkturellen Umfeld durch zahlreiche Massnahmen angepasst, die Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert. Die Fokussierung auf die Erhöhung der Schlagkraft im Vertrieb nähren die Erwartung einer höheren Marktpenetration in den Märkten in Deutschland und Österreich. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Verwaltungsrat und Geschäftsleitung eine moderate Erholung der Land- und Kommunaltechnik. Im Contract Manufacturing bleibt die Lage herausfordernd, wenngleich die Wandlung eines Neukundenprojekts in einen Rahmenvertrag als positives Signal gewertet werden kann.

Fazit

Ende März hatte die Aktie auf OTC-X mit 250 CHF den tiefsten Stand seit der Aufnahme des ausserbörslichen Handels 2014 verzeichnet. Inzwischen hat sich der Kurs auf 340 CHF gefestigt. Daraus lässt sich ablesen, dass die Anleger vom Zahlenwerk für 2025 nicht übermässig ernüchtert wurden und auch die Perspektiven, wie im Brief an die Aktionäre geschildert, als realistisch eingeschätzt werden. Die Massnahmen zur Steigerung der Profitabilität sind umfassend und wirken auch, wie sich bereits im Jahresabschluss 2025 ablesen lässt.

Die bewertungsrelevanten Finanzkennzahlen sind negativ und sagen wenig über das weitere Kurspotenzial aus. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung mit 35 Mio. CHF auf der Höhe des Eigenkapitals und bei 70% des Umsatzes. Da das Schlimmste hinter der Rapid Holding zu liegen scheint, bewerten langfristig orientierte Investoren die Chancen offenbar höher als die Risiken. Seit Jahresanfang haben sich die Aktienumsätze erhöht und liegen nach viereinhalb Monaten bei deutlich mehr als der Hälfte des Vorjahresniveaus. Allerdings werden Investoren einen langen Atem benötigen. Im laufenden Jahr feiert die Rapid Holding ihr 100-jähriges Bestehen, was einen guten Rahmen für einen historischen Turnaround bieten kann.

Chart Rapid May26
Kursverlauf der Aktie von Rapid seit Handelsaufnahme. Chart: otc-x.ch

Die Aktie der Rapid Holding wird auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs beträgt 340 CHF.

1 Kommentar

  1. Es ist zu beachten, dass der Aktienkurs -und Handel, aufgrund des geringen Free Floats (ca. 60% hält die Mehrheitseigentümer-Familie), nur ein eingeschränkter Indikator über die Gemütslage der Investoren ist.

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