
Der rückläufige Bruttospielertrag in den landbasierten Casinos kann nicht durch das Online-Angebot wettgemacht werden. Das zeigt der Jahresabschluss 2025 der Stadtcasino Baden AG. Der Bruttoumsatz der Unternehmensgruppe ist im Vorjahresvergleich um 3,6% auf 124.8 Mio. CHF gesunken. Der Gewinn konnte aber um 40% auf 5 Mio. CHF gesteigert werden. Dies dank «einer langfristigen Strategie» mit effektiven Massnahmen, wie CEO Christian Aumüller im Geschäftsbericht zitiert wird. Damit setzt sich der Trend des Vorjahres – sinkende Einnahmen, steigender Unternehmensgewinn – fort.
Der einzelne Besucher gibt mehr aus
Während im vergangenen Jahr die Casino-Besucher in der ganzen Schweiz 3,9% weniger Geld in terrestrischen Casinos ausgaben, betrug der Rückgang des Bruttospielertrags (BSE) im Grand Casino Baden lediglich 2,5%. Das Management hebt im Jahresbericht hervor, dass sich der BSE je Besucher erhöht habe und Baden diesbezüglich weiter an der Spitze der Schweizer Casinos stehe. Wenn weniger Gäste kommen, wird aber auch weniger konsumiert. Die Einnahmen aus Gastronomie und Events in Baden sanken um 6,1% auf 6.9 Mio. CHF.
Weniger gut lief das Glücksspiel in der Sonnenstube. Die Tochtergesellschaft Casinò Locarno muss auch im vergangenen Geschäftsjahr einen BSE-Rückgang ausweisen. Dieser reduzierte sich um 12,8% auf 14.1 Mio. CHF. Ein Grund dafür soll das nach dem Vorbild des Casinos in Baden eingeführte Sozialkonzept sein, das zu mehr Spielsperren führte – auch bei langjährigen Kunden.
Mehr als Effizienzsteigerungen
Auf die Frage, ob langfristig die Strategie, die Rationalisierung voranzutreiben und den Ertrag je Spieler zu steigern, nicht an die Decke stosse, antwortet die Stadtcasino-Sprecherin, Jessica Obrist: «Effizienzsteigerung allein ist nicht unser Modell. Wir verfolgen seit Jahren konsequent den zweiseitigen Ansatz, also Erträge dort steigern, wo Wachstumspotenzial besteht, und Kosten dort senken, wo es sinnvoll ist.» Die Aufwandseite sei insbesondere in den vergangenen drei Jahren nachhaltig optimiert worden. Der Prozess sei nicht abgeschlossen, Potenzial bestehe weiterhin, vor allem in den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung, die das Unternehmen als fortlaufenden Ansatz zur Rentabilitätssteigerung verstehe.
Dass die Strategie aufgeht, zeige der Umstand, dass für 2025 das beste Konzernergebnis seit 2018 ausgewiesen wurde. Aber auch die Betriebsgewinnmarge entwickelt sich erfreulich. Sie ist über die vergangenen vier Jahre aus dem Minusbereich auf rund 3% geklettert.
Doch ein Unterschied sticht im Vergleich zum Vorjahr ins Auge. Nicht mehr nur die Einnahmen an den realen Spieltischen der Casino-Gruppe sinkt, auch jene im virtuellen Casino sind 2025 im Vergleich zum Jahr davor geschrumpft – obwohl der gesamte Onlinemarkt noch ein leichtes Wachstum von 1,2% verzeichnen konnte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Mitte Juli 2025 mit dem Online-Casino Mendrisio ein neuer Anbieter startete. Der Finanzchef äussert im Geschäftsbericht die Vermutung, dass der Schwarzmarkt im Online-Geschäft weitergewachsen und der regulierte Online-Markt deshalb entgegen den Erwartungen nur noch marginal gewachsen sei.
jackpots.ch setzt weniger um
Der Bruttospielertrag des Badener Online-Casinos jackpots.ch, der Nummer drei im hiesigen Markt, weist für das vergangene Jahr einen BSE von 41.8 Mio. CHF aus, ein Minus von 2,9%. Trotzdem baute jackpots.ch das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um fast 30% auf 3.9 Mio. CHF aus. Das Management führt zwei Gründe für die sinkenden Einnahmen an. Einerseits habe jackpots.ch als erstes Schweizer Online-Casino die Video-Identifizierung eingeführt. Die Massnahme stellt sicher, dass ausschliesslich verifizierte Spieler am Spielbetrieb teilnehmen. «Kurzfristig schlug sich dies zwar im BSE nieder, stärkt jedoch langfristig die Basis für nachhaltiges Wachstum», heisst es zuversichtlich im Geschäftsbericht.
Zweitens seien Spiele, die im Verlaufe der Zeit an Attraktivität verloren hatten, ersatzlos gestrichen worden. Parallel dazu seien die Lizenzkosten durch gezielte Portfoliooptimierungen spürbar gesenkt worden, was zur Aufwandsreduktion beigetragen hat. Die aus eigener Sicht «positive Entwicklung von jackpots.ch in einem insgesamt seitwärts laufenden Gesamtmarkt» hat zum Entscheid geführt, mit Casineo ab Mitte 2026 ein zweites Online-Casino, das von der Tochtergesellschaft in Locarno betrieben wird, an den Start zu schicken.
Ein Online-Casino für jedes terrestrische Casino
In der Schweiz ist jede Online-Casino-Konzession an eine terrestrische Konzession gebunden. Pro terrestrisches Casino kann nur ein Online-Casino betrieben werden. jackpots.ch hängt an der Badener Konzession, Casineo an der Tessiner Konzession (Casinò Locarno). Gemäss Sprecherin sind die zwei Online-Casinos unabhängig vom regulatorischen Rahmen zwei eigenständige Produkte mit unterschiedlichem Konzept und verschiedenen Zielgruppen.
Ende Juni beziehungsweise Ende Oktober 2025 zogen sich die Online-Casinos Basel und Montreux aus dem Markt zurück. Das Ausscheiden dieser Konkurrenten ist für die Aargauer nicht nur positiv. Die beiden Online-Casinos waren Kunden der Technologietochter Gamanza. Die hauseigene Software-Schmiede ist eine wichtige Komponente des Unternehmens. Gamanza Engage, die Plattform mit zahlreichen Features zur Kundenbindung, entwickle sich gemäss Jahresbericht erfreulich. Das hohe Wachstum von über 50% erfolgt aber von niedrigem Niveau und resultiert in Einnahmen von 1.5 Mio. CHF.
Entwicklung der Software-Tochter
«Gamanza wird konsequent weiterentwickelt, mit klarem Wachstumsfokus. Im Zentrum steht 2026 das dritte Jahr der Internationalisierung von Gamanza Engage, der Plattform für intelligente Kundenbindung mit CRM- und Gamification-Funktionen», sagt Jessica Obrist. Die international gestiegene Nachfrage habe 2025 zum Ausbau des Engage-Teams geführt. Engage erschliesse inzwischen Kundensegmente ausserhalb des Online-Gaming: 2025 konnte ein erster Kunde aus dem Fintech-Bereich gewonnen werden, dazu kam mit dem international tätigen Sportwetten-Anbieter tipico ein weiterer Neukunde. Parallel dazu stehe die Spiele-Plattform PAMS für Partnerschaften mit ausländischen Anbietern bereit, sobald die Regulierung in weiteren Märkten umgesetzt wird.
Im Interview mit schweizeraktien.net im August des vergangenen Jahres thematisierte CEO Aumüller die Sättigung des Marktes. «Der schweizweite Rückgang des terrestrischen Bruttospielertrags (BSE) dürfte sich kurzfristig fortsetzen. Jedoch beobachten wir eine Verlangsamung der Abwanderung von Kunden vom terrestrischen zum Online-Markt – ein Trend, der sich bereits in diesem Jahr bestätigt», gab er zu Protokoll.
Übergangsjahre stehen an
Allzu grosse Sprünge darf man sich von der Unternehmensgruppe nicht erhoffen, weil zwei Übergangsjahre mit hohen Investitionen anstehen. So wird das Grand Casino Baden umgebaut. «Der Baustart der eigentlichen Umbauarbeiten im Kursaal ist auf Anfang Juli 2026 angesetzt, die Bauzeit ist auf 18 Monate geplant. 2028 wird sich das Grand Casino Baden rundum erneuert präsentieren», gibt die Sprecherin einen Überblick. Das Investitionsvolumen betrage 25 Mio. CHF. Rund zwei Drittel davon fliessen in die Erneuerung der Gebäude-Infrastruktur des 150-jährigen Kursaals, das verbleibende Drittel in die Modernisierung der Architektur und in die Renovation der bespiel- und nutzbaren Flächen.
«Was den Spielbetrieb betrifft, ist die zentrale Botschaft: Das Grand Casino Baden bleibt während der gesamten Umbauphase geöffnet», betont Jessica Obrist. Zwar würden einzelne Räumlichkeiten temporär nicht bespielbar sein, doch der Betrieb laufe ohne Unterbruch weiter. Der Spielbetrieb wird teilweise in den Coco-Club verlegt, kombiniert mit dem ersten und einzigen Pop-Up-Casino der Schweiz auf der Terrasse des Coco. Wie stark sich der Umbau auf BSE und Gewinn der Casino-Gruppe konkret auswirken wird, lässt sich gemäss Obrist heute nicht belastbar prognostizieren. «Auch deshalb, weil die Entwicklung im Schweizer Markt nach der Eröffnung des Casinos Winterthur im Dezember 2025 mitspielt», fügt die Sprecherin an.
Investitionen erfordert auch die internationale Strategie des Spieleentwicklers Gamanza, nachdem im Heimmarkt ein Teil der Kundschaft ausfällt. Es werden neue Wachstumsfelder gesucht. Zudem werden auch Mittel benötigt, um das neue Online-Casino aus dem Tessin zu starten.
Fazit
Auch die Investoren haben keine grossen Erwartungen. Das zeigt sich an der Entwicklung der Aktien, die ausserbörslich an der OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt werden und zuletzt auf 336 CHF notierten. Langfristig tendieren die Valoren nach unten. Im Jahr 2004 erreichten sie noch Niveaus über 800 CHF, 2020 noch über 600 CHF. Der Generalversammlung wird für 2025 eine Dividende von 10 CHF vorgeschlagen – daraus errechnet sich eine attraktive Dividendenrendite von 3%. Zudem ist die Stadtcasino Baden AG im Gegensatz zu anderen Casino-Betreibern breit diversifiziert mit zwei landbasierten Casinos, zwei Online-Casinos, einer Technologie-Tochter und Beteiligungen in Sachsen-Anhalt. Die 25%-Beteiligung an der Merkur Spielbanken in Ostdeutschland brachte im Jahr 2025 einen Gewinnanteil von 934’000 CHF ein.






