DSM-Firmenich: Duftstoff- und Aroma-Aktie bereichert Kursliste der SIX

Starke Profitabilität, aber Wachstumsdynamik lässt auf sich warten

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Tomas Kindler, Global Head Exchanges bei SIX und Dimitri de Vreeze, CEO dsm-firmenich, läuteten am 21. Mai zum IPO in Zürich die Glocke. Bild: six-group.com

2022 wurde die Fusion der niederländischen DSM mit der privat gehaltenen Schweizer Firmenich bekannt gegeben. Bereits im April 2023 erfolgte die Erstnotiz von dsm-firmenich an der EuroNext in Amsterdam. Die ersten Kurse lagen bei über 100 Euro. Nach zwei Talfahrten mit einer Erholung dazwischen ist die Aktie seit 21. Mai jetzt auch an der SIX kotiert. Wie sind die Kursperspektiven der neuen Aktie?

Es handelt sich um eine Doppelkotierung. Alle 253.6 Mio. ausstehenden Aktien wurden zum Handel an der SIX zugelassen. Beim ersten Kurs von 62.80 CHF errechnet sich eine Marktkapitalisierung von 15.9 Mrd. CHF. Neue Aktien wurden nicht ausgegeben. Tatsächlich verringert sich die Anzahl der Aktien sogar durch die abgeschlossenen und laufenden Aktienrückkaufprogramme. 2025 wurden Aktien für 1 Mrd. Euro aus dem Markt genommen. Für 2026 sind 0.5 Mrd. Euro vorgesehen. Über die Transaktionen wird wöchentlich rapportiert.

Renditen und Aktionäre

Die neuformierte Gesellschaft ist Cashflow-positiv und will die Aktionäre an den Gewinnen teilhaben lassen. Die reguläre Dividende blieb jedoch seit 2023 unverändert bei 2.50 Euro. Die Ausschüttung für 2025 erfolgte im Mai. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt somit 3,5%. Die sogenannte Rückkaufrendite 2025 beläuft sich allerdings mit 6,6% wesentlich höher. Da 34,5% der Aktien bei der Familie Firmenich liegen und grosse Aktienpakete, zusammen über 30%, von institutionellen Anlegern wie Blackrock, Norges Bank oder GIC, dem Staatsfonds von Singapur, gehalten werden, vermindern die substanziellen Aktienrückkäufe den Free-Float entsprechend und lassen auch den Gewinn je Aktie stärker ansteigen.

Vom Staatsunternehmen zur Privatisierung

Die Fusion hatte zu einer diversen Eigentümerstruktur geführt. DSM steht für Dutch State Mines und wurde 1902 als Kohlebergbau-Unternehmen gegründet. Später erfolgte die Expansion in die Chemieindustrie. Bereits in den 1960er Jahre beschloss die Regierung der Niederlande das Ende des Kohlebergbaus. 1973 wurde die letzte Zeche in Staatseigentum geschlossen. DSM wurde 1989 privatisiert und 70% der Anteile kamen an die Börse, der Rest folgte 1996.

DSM im Wandel der Zeit

Nach der Privatisierung wurde DSM umstrukturiert. Die Erdölaktivitäten beispielsweise wurden an die saudi-arabische SABIC veräussert. Umgekehrt wurde das Vitamin- und Feinchemiegeschäft von Roche erworben. Es folgten viele Divestments und Akquisitionen, letztere vor allem in den Segmenten Arzneimittel, Nahrungsmittelzusätze und -ergänzung sowie Enzyme. In den zwei Jahren vor der Fusion mit Firmenich trennte sich DSM u.a. von Funktionsmaterialien durch den Verkauf an Covestro, von Schutzmaterialien durch Verkauf an Avient und von Engineering Materialien an Lanxess und Advent International. Das DSM-Aktionariat bestand überwiegend aus institutionellen Investoren, welche die langfristige Neuausrichtung auf wachstums- und margenstärkere Marktsegmente unterstützten. Bei der Fusion erhielten die DSM-Aktionäre 65,5% der Anteile, die anderen 34,5% von dsm-firmenich liegen bei der Familie Firmenich, die stark im Verwaltungsrat vertreten ist und die Firmenpolitik entscheidend mitprägt.

Historie Firmenich

Firmenich wurde bereits 1895 als Parfümerie in Genf in einer Garage gegründet. In den 1930er Jahren expandierte das Unternehmen nach Frankreich und in die USA. 1938 entwickelte Firmenich das erste synthetische Erdbeer-Substitut, weitere Duft- und Geschmacks-Innovationen sollten folgen. Der R&D Direktor Lavoslav Ruzicka erhielt 1939 den Nobel-Preis für Chemie. Bis heute zeichnet sich das Unternehmen durch starke Forschung und innovative Entwicklungen aus. Firmenich tätigte zahlreiche Zukäufe. Mit dem Kauf der Duft-Sparte von Danisco 2007 wurde Firmenich global zur Nr. 2 nach der amerikanischen International Flavors & Fragrances. 2020 wurde eine Kooperation mit Microsoft gestartet, um mit KI neue Düfte zu kreieren. Seit der Fusion konkurriert dsm-firmenich mit IFF, Symrise und Givaudan.

Portfolio-Optimierung

Auch nach dem Zusammenschluss wird das Portfolio optimiert. Erst letztes Jahr wurde der Bereich Nahrungsmittelenzyme für 1.5 Mrd. Euro an Novonesis verkauft. Der Geschäftsbereich Tiernahrung & -gesundheit wurde nun im ersten Quartal 2026 für einen Enterprise Value von 2.2 Mrd. Euro an den Private Equity Investor CVC veräussert. Mit 20% bleibt dsm-firmenich beteiligt, wobei die Position zum späteren Verkauf vorgesehen ist. Damit wird das Unternehmen noch fokussierter auf die jetzt drei Kerngeschäftsbereiche Nahrungsmittel, Gesundheit und Schönheit. Dadurch wurde dsm-firmenich zu einem Pure-Play mit einer konsumentenzentrierten Strategie. Zwei relevante Aktivitäten sind jedoch nicht Bestandteile der Transaktion, darunter “Bovaer”. Der Nahrungsmittelzusatz für Rinderfutter reduziert den Methanausstoss der Wiederkäuer und wird im Auftrag von Valsynthèse, der Feinchemie-Tochter der SSE Holding, in der Schweiz produziert.

Geschäftsjahr 2025

Die veräusserten Bereiche repräsentierten einen Jahresumsatz von 3.7 Mrd. Euro. 2025 lag der Umsatz der fortgeführten Geschäftsbereiche von dsm-firmenich fast unverändert zum Vorjahr bei 9 Mrd. Euro, das adjustierte EBITDA erhöhte sich leicht auf 1.8 Mrd. Euro. Währungseffekte wirkten sich negativ aus. Dennoch erhöhte sich die adjustierte EBITDA-Marge auf 19,6%. Der Nettogewinn fiel allerdings durch Sondereffekte um 9% auf 887 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie ging von 3.54 Euro auf 3.31 Euro zurück. Bei der Betrachtung inklusive der nicht-fortgeführten Aktivitäten verbessert sich das Bild. Hier stieg das EBITDA um 6% auf 2.3 Mrd. Euro, der adjustierte Gewinn erhöhte sich um 6% auf 1.1 Mrd. Euro und der Gewinn je Aktie lag um 26 Eurocents höher bei 3.87 Euro.

Währungseffekte im ersten Quartal

Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz zwar um 4% auf 2.3 Mrd. Euro, doch hauptsächlich Deviseneffekte verwandelten dies in ein negatives Wachstum von 3%. Das EBITDA ging sogar um 6% auf 434 Mio. Euro zurück, da sich die Deviseneffekte stärker niederschlugen. Für das Gesamtjahr wird ein Umsatzwachstum von 2-4% in Lokalwährungen erwartet sowie eine EBITDA-Marge von rund 20%.

Gründe für die SIX

Ein Grund für die Doppelkotierung ist zweifellos die Tatsache, dass Firmenich ein Schweizer Unternehmen ist und die Bekanntheit und Wertschätzung der Investoren am Finanzplatz Zürich besser für sich zur Erschliessung des Kapitalmarktes nutzen möchte. Ein anderer Grund ist, dass mit Givaudan der grösste Wettbewerber in der Welt der Duft- und Aromastoffe bereits an der SIX kotiert ist. Das erleichtert Peer-Group Vergleiche und erhöht die Aufmerksamkeit der Investoren. Bemerkenswert ist, dass Givaudan ebenfalls 1895 gegründet wurde.

Das Oligopol der Düfte

Der internationale Markt wird von einem nur aus vier Unternehmen bestehenden Oligopol zu schätzungsweise 70% dominiert. Neben Givaudan und dsm-firmenich sind dies die amerikanische International Flavors & Fragrances sowie die im DAX-Index enthaltene Symrise. Givaudan hält als Nr. 1 einen geschätzten globalen Marktanteil von einem Viertel, danach folgt dsm-firmenich. Alle vier Player sind strategisch positioniert, um sich einen möglichst grossen Teil des ca. 33 Mrd. USD umfassenden Marktes zu sichern und vom erwarteten hohen Wachstum des Sektors zu profitieren. Die Schätzungen zum Marktvolumen werden in einer Studie auf 45 Mrd. USD bis 2035 beziffert. Eine andere prognostiziert ein Wachstum auf 57 Mrd. USD bereits bis 2033.

Der Markt für Duftstoffe und Aromen soll auch in den kommenden Jahren wachsen. Abb. Grandviewresearch

Kurse, Bewertungen, Dividenden

Die Kursverläufe sind ähnlich. Zum Zeitpunkt der Fusion von DSM und Firmenich 2022 war die Börsenstimmung für den Sektor gut. Die Marktkapitalisierung von dsm-firmenich belief sich Anfang 2023 auf über 30 Mrd. Euro. Es folgte eine scharfe Korrektur von 120 Euro auf unter 80 Euro. Neun Monate später erreichte die Aktie nochmals 120 Euro, doch kann sackte sie bis März 2026 um mehr als die Hälfte auf 56 Euro ab. Die Bewertungen liegen in ähnlicher Höhe, wobei Givaudan trotz der ebenfalls negativen Performance höhere Multiples zugestanden bekommt. Die Dividendenrenditen bewegen sich zwischen 1,7% bei Symrise und 3,5% bei dsm-firmenich.

In den vergangenen drei Jahren war der Aktienkurs von dsm-firmenich an der Euronext rückläufig (Kurs in EUR). Chart: euronext.com

Fazit

Die Doppelkotierung von dsm-firmenich bereichert den Schweizer Kapitalmarkt. Im Verhältnis zur Kurshistorie scheint die Aktie auf einem attraktiven Niveau zu sein. Allerdings liegen die Aktien aller Branchenvertreter auf einem ermässigten Kursniveau. An den Wachstumsperspektiven mangelt es nicht. Kennzeichnend sind die Veränderungen des Konsumentenverhaltens. In den entwickelten Ländern wollen die Konsumenten neue Aromen, gesunde und nachhaltige Ingredienzen in Nahrungsmitteln, Beauty-Produkten und Arzneimitteln. Und das wollen auch die Konsumenten in den Schwellenländern, wenn auch ausgehend von einer tieferen Basis. Genau darin liegt die Fantasie für die Aromen- und Duftstoffhersteller. Bislang jedoch zeigt sich die Nachfragebeschleunigung noch nicht in den Zahlen von dsm-firmenich & Co.

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