
Das bisher weltweit grösste IPO in 2026 war mit 3.8 Mrd. Euro Emissionsvolumen die Czechoslovak Group an der Euronext Amsterdam, ein Hersteller von Munition. An der deutschen Börse debütierten die Zulieferer der Rüstungsindustrie Vincorion und Gabler Group. Am Schweizer Primärmarkt ist es dagegen noch ruhig, was sich im zweiten Quartal ändern könnte.
Das erste Quartal 2026 war reich an Überraschungen, die den Marktteilnehmern nicht gefielen. Nacheinander kamen Unsicherheiten auf, zuerst über die Rentabilität der Billioneninvestitionen in KI, dann steigende Ausfallquoten im Private-Credit-Markt, danach Ängste, dass KI den Software-Sektor obsolet machen könnte und schliesslich der Ölpreis-Schock nach Kriegsbeginn am 28. Februar. Die Börsenkurse fielen. Die meisten Emittenten entschieden sich dafür abzuwarten, denn das Umfeld war nicht konstruktiv. Interesse und Risikobereitschaft der Erstzeichner nahmen ab.
Grössere IPOs eher gefragt
Laut dem IPO-Report von EY fiel die Anzahl der IPOs im ersten Quartal 2026 um 23% auf 230. Vor allem kleine und mittelgrosse Unternehmen verschoben den Gang an die Börse. Nur im zweiten Quartal 2020, zu Beginn der Covid-Pandemie, wurde ein tieferer Wert verzeichnet. Das Emissionsvolumen im ersten Quartal 2026 stieg aber um 36% auf 40.6 Mrd. USD. Der Grund ist, dass mehr grössere Unternehmen mit stabilen Cash-Flows an die Börse kamen, die dem Anforderungsprofil der Investoren besser entsprechen konnten. Die Anzahl der Emissionen mit Volumina ab 500 Mio. USD stieg von 14 in der Vorjahresperiode auf 22. Die IPOs mit Volumina bis 100 Mio. USD dagegen fielen von 237 auf 146.
Verteidigung im Visier
Allerdings zeigt sich auch im Defence-Sektor, dass erst im Aftermarket erkennbar wird, ob der Börsendebütant auch hält, was er zu versprechen scheint. Die Aktie der Czechoslovak Group (CSG) eröffnete den Handel mit einem Plus von über 25% am 23. Januar, fiel inzwischen aber auf den Ausgabepreis von 25 Euro zurück. Die Market Cap beträgt 25 Mrd. Euro. Auch die beiden deutschen Börsenneulinge aus dem Verteidigungsumfeld fielen unter die ersten Kurse zurück. Die Aktie der Gabler Group fiel in fünf Wochen von 52 Euro auf 44 Euro, die von Vincorion in einer Woche von fast 20 Euro auf unter 17 Euro.
Industrie und KI favorisiert
Das grösste Interesse verzeichneten neben Defence die Sektoren Luftfahrt, Infrastruktur und KI. Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 5% des BIP in den NATO-Ländern sorgt in diesen Industrien für Aufwind. Laut den Erhebungen von EY entfielen 11.3 Mrd. USD des globalen Emissionsvolumens auf den Sektor Advanced Manufacturing sowie an zweiter Stelle 8.8 Mrd. USD auf Technology.
Regionale Trends
In den USA nahm das Emissionsvolumen um 13% auf 10.6 Mrd. USD zu, die Anzahl der IPOs fiel um mehr als die Hälfte auf 27. In China und Hongkong dagegen brummte das IPO-Geschäft. Das Emissionsvolumen stieg um 181% auf 16.7 Mrd. USD. Auch die Anzahl der Börsengänge nahm von 50 auf 68 zu. In Europa fanden 28 IPOs statt, ein Rückgang um 18%. Vor allem wegen dem CSG Mega-IPO stieg das Volumen dennoch um 48% auf 6.4 Mrd. USD. Das zweitgrösste IPO im ersten Quartal war Forgent Power Solutions in den USA mit 1.7 Mrd. USD Erlös, gefolgt von dem chinesischen Fleischproduzenten Muyuan Foods mit 1.4 Mrd. USD.
Ausblick
Im zweiten Quartal könnte sich das Blatt an den Primärmärkten wenden, sofern die Unsicherheiten um den Nahost-Krieg abnehmen und sich die Marktverhältnisse an den Öl- und Energiemärkten schrittweise normalisieren. Zahlreiche Mega-IPOs aus dem KI- und Hightech-Umfeld werden erwartet, darunter SpaceX mit einer Bewertung, die sich auf 1.75 Billionen USD zu stellen scheint. Der Emissionserlös könnte bei 50 Mrd. USD bis 80 Mrd. USD liegen und damit fast viermal so hoch wie bei der rekordsetzenden Alibaba-Emission 2014. Die KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic sind weitere Börsenkandidaten, ebenso der Spezialist für Datenanalyse Databricks und das KI-Chipunternehmen Cerebras Systems.
Kandidaten für die SIX
In der Schweiz wird wohl auf bessere Bewertungen gewartet, vor allem bei Private-Equity-finanzierten Börsenkandidaten. Mehrere Biotechs könnten den Auftrieb in der Branche für ihren Börsengang nutzen. Der Airline-Caterer Gategroup wird schon länger als Börsenkandidat gehandelt, doch das Umfeld scheint im Moment noch widrig zu sein. Ecorobotix wird ebenfalls als Börsenkandidat gehandelt. Das Unternehmen verbindet KI und Agro-Tech, um die Ernteerträge zu verbessern. Weiterhin könnte Infracore aus dem Beteiligungsgeflecht von Aevis Victoria herausgelöst und an die Börse gebracht werden. In Infracore sind die Spital-Immobilien der Unternehmensgruppe gebündelt.





