Schilthornbahn: Weiteres Wachstum seit Jahresbeginn, Kapitalband an der GV genehmigt

Liquiditätssituation bleibt angespannt

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Seit April 2026 ist der Gipfel mit der neuen Bahn wieder erreichbar. Bild: schilthornbahn.ch

Mit der Wiedereröffnung des Schilthorn-Gipfels im April hat die Schilthornbahn ihr anspruchsvolles Bauprojekt 20XX nun erfolgreich abgeschlossen. Bis es allerdings auch finanziell ein Erfolg wird, dürfte es noch etwas dauern. An der Generalversammlung (GV) wies Verwaltungsratspräsident Johannes Stöckli vor 261 Aktionärinnen und Aktionären nochmals auf die angespannte Liquiditätssituation hin, die durch das Bauprojekt entstanden ist. Vorsichtshalber beschloss die GV ein Kapitalband, das die Erhöhung des Kapitals um bis zu 50% ermöglicht. CEO Christoph Egger hatte jedoch in Bezug auf die laufende Geschäftsentwicklung auch erfreuliche Nachrichten für die Aktionärinnen und Aktionäre parat: Sowohl die Ersteintritte im Wintersportgeschäft als auch die Umsätze legten seit Jahresbeginn gegenüber einem starken Vorjahr weiter zu.

Licht und Schatten im Geschäftsjahr 2025

Sehr offen informierte Stöckli nicht nur über das vergangene Geschäftsjahr, sondern auch über die aktuelle Situation. Mit einem Umsatz von 38 Mio. CHF sei 2025 trotz der Bauarbeiten ein Rekordjahr erreicht worden. Doch wo es Licht gebe, gebe es auch Schatten, so der VR-Präsident. Damit verwies er auf die angespannte Liquiditätssituation im Unternehmen. Zahlreiche Faktoren wie der schnelle Baufortschritt, Kostenüberschreitungen sowie Verzögerungen bei zugesicherten Einnahmen hätten zu der angespannten Liquiditätssituation geführt, so Stöckli. Er deutete allerdings auch an, dass sich die Lage zwar langsam entspanne, man aber «noch nicht aus dem Schneider» sei.

Die 261 Aktionärinnen und Aktionäre stimmten der Einführung eines Kapitalbandes grossmehrheitlich zu. Bild: schweizeraktien.net

Um die finanzielle Situation zu verbessern – die Eigenkapitalquote lag per Ende 2025 bei gerade einmal 16,9% –, beantragte der Verwaltungsrat der Generalversammlung die Einführung eines Kapitalbandes. Die Aktionärinnen und Aktionäre stimmten dem grossmehrheitlich zu, auch wenn es im Gegensatz zu den anderen Traktanden mehr Gegenstimmen und Enthaltungen gab. Durch die Einführung des Kapitalbandes ist der Verwaltungsrat nun berechtigt, das Kapital um maximal 50% oder 19’250 Aktien zu nominal 300 CHF auf bis zu 17.325 Mio. CHF zu erhöhen beziehungsweise auch wieder zu reduzieren. Stöckli betonte, dass die Kapitalerhöhung nicht unter Ausschluss des Bezugsrechts erfolgen werde. Konkret bedeutet dies, dass die bestehenden Aktionäre keine Verwässerung befürchten müssen – sofern sie ihr Bezugsrecht ausüben.

10% mehr Ersteintritte in der Wintersaison

Ob und wann es zu einer Kapitalerhöhung kommen wird, ist derzeit noch offen. Der Start ins neue Geschäftsjahr ist gemäss CEO Christoph Egger offenbar gelungen. Trotz der schwierigen geopolitischen Lage, die auch einen starken Einfluss auf den Tourismus habe, sei man erfolgreich ins aktuelle Geschäftsjahr gestartet, so Egger. Ausbleibende Gäste aus dem asiatischen Raum und dem Nahen Osten seien durch Gäste aus dem US-Markt kompensiert worden.

Dies zeigt sich auch in konkreten Zahlen. So konnte die Wintersaison nach Angaben von Egger im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 5% beim Umsatz und 10% bei den Ersteintritten verzeichnen. Ganze 24,7% mehr Frequenzen gab es bei der Luftseilbahn. Im Hotel- und Gastronomiebereich stieg der Umsatz im Drehrestaurant Piz Gloria sogar um 51,9%. Christoph Egger deutete allerdings auch an, dass ein Teil der höheren Frequenzen auf den Neuigkeitseffekt zurückzuführen sei. In den kommenden Monaten sollen die restlichen Arbeiten erledigt sowie der Intersport Shop in Mürren und eine neue Bar fertiggestellt werden.

Im Zusammenhang mit den Baukosten rechnet Egger mit der Baukostenabrechnung spätestens Ende Jahr. Die Kostenüberschreitungen würden voraussichtlich im Bereich von 11,5% zu liegen kommen. Dies wären dann rund 114 Mio. CHF. Die ersten Kostenschätzungen für das Projekt lagen einmal bei 90 Mio. CHF.

Fazit

Mit der Eröffnung der neuen Funifor-Bahn auf das Schilthorn sowie der bereits im Vorjahr eröffneten «steilsten Seilbahn der Welt» beginnt für das Berner Oberländer Unternehmen eine neue Ära. Wie wir bereits in einem Kommentar zum Jahresabschluss geschrieben haben, ist das Unternehmen angesichts der getätigten Investitionen nun in der Pflicht, die mit der Erhöhung der Förderkapazitäten auf 800 Personen pro Stunde verbundenen Möglichkeiten auch auszuschöpfen. Denn nur so wird die Bahn in der Lage sein, die hohen Schulden in den kommenden Jahren abzutragen.

Dass dies möglich ist, zeigt der Erfolg der benachbarten Jungfraubahn mit ihrem V-Bahn-Projekt. Für eine zwischenzeitliche Entlastung dürfte hier auch eine Kapitalerhöhung sorgen. Bei einem Preis je Aktie von 1’400 CHF und einer maximalen Anzahl von 19’250 Aktien könnte diese knapp 27 Mio. CHF in die Kassen der Schilthornbahn spülen. Offen ist allerdings, ob die Aktien zu diesem Preis im Publikum platziert werden.

Die ersten Zahlen für das laufende Geschäftsjahr sind ermutigend und zeigen, dass sich die Investitionen auszuzahlen beginnen. Allerdings dürften konkrete Einschätzungen erst möglich sein, wenn die Sommersaison abgeschlossen ist und die Baukostenabrechnung vorliegt. Auch werden erst dann Informationen zur Höhe und Art der Finanzierung vorliegen. Für eine seriöse Einschätzung der Aktie ist es daher noch zu früh.

Der Aktienkurs der Schilthornbahn hat sich in den letzten Monaten von seinen Tiefkursen gelöst. Chart: otc-x.ch

Die letztbezahlten Kurse der auf OTC-X gehandelten Aktie lagen bei 1’475 CHF. Der Kurs legte seit Jahresbeginn um über 10% zu. Mit einer Marktkapitalisierung von 56 Mio. CHF ist die Schilthornbahn im Vergleich zur benachbarten Jungfraubahn mit knapp 1,5 Mrd. CHF allerdings ein «Leichtgewicht».

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