Klingelnberg: Trotz schwierigem Umfeld ein positiver Jahresgewinn

5.8 Mio. EUR Gewinn trotz rückläufiger Kennzahlen

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Klingelnberg produziert unter anderem hochgenaue Messinstrumente für die Zahnradfertigung. Bild: klingelnberg.com

Das Geschäftsjahr 2025/26 war für die Klingelnberg AG – wie für viele Unternehmen in der Industriebranche – herausfordernd. Wegen der schwächeren globalen Konjunktur, Zollstreitigkeiten und anhaltender Preissteigerungen konnte das Unternehmen keine finanzielle Verbesserung gegenüber dem Vorjahr erzielen. Die Geschäftsführung zeigt sich dennoch insgesamt zufrieden mit einem positiven Jahresresultat.

Dazu trugen mehrere Industrietrends bei, von denen das auf Maschinen und Messinstrumente für die Zahnradfertigung spezialisierte Unternehmen profitieren konnte: Das Wachstum in der indischen Autobranche sowie die steigende Nachfrage aus der Wehrtechnik und der Luftfahrt stützen den Auftragseingang. Zudem positionierte sich Klingelnberg mit seinen Präzisionsmesszentren gut in der Qualitätsprüfung von Elektrofahrzeugen in China, was ab dem dritten Quartal zu deutlich höheren Bestellungen in diesem Segment führte.

Rückgang bei Umsatz und EBIT, Cash steigt

Der Umsatz lag mit 285.4 Mio. EUR tiefer als im Vorjahr (-23.7 Mio. EUR). Massgeblich dafür war unter anderem die Restrukturierung des Bereichs Antriebstechnik, dessen Umsatz um 40,4% einbrach. Das Segment wird weiterhin zurückgefahren und künftig nur noch als Lohnfertigungsgeschäft im Rahmen der Maschinenproduktion weitergeführt.

Auf Stufe EBIT gab es einen deutlichen Rückgang von 36,4% auf 10.3 Mio. EUR. Der operative Rückgang ist auf den tieferen Rohertrag und den leicht höheren Materialaufwand (+1.4 Mio. EUR) zurückzuführen. Unter dem Strich verblieb ein Jahresgewinn von 5.8 Mio. EUR – 42% tiefer als im Vorjahr.

Die Eigenkapitalquote sank um 2,5 Prozentpunkte auf 48,7%. Die Cash-Position stieg dagegen deutlich um 8,8 Mio. EUR (+55%) auf 24.8 Mio. EUR. Der freie Cashflow brach von 10.5 Mio. EUR auf nur noch 2.5 Mio. EUR ein – rund 76% weniger als im Vorjahr. Grund dafür sei der operative Cashflow, der von 19.0 Mio. EUR auf 9.8 Mio. EUR sank. Bemerkenswert dabei: Der höhere Cash-Bestand stammt damit nicht aus einer verbesserten operativen Cash-Generierung, sondern aus einer Erhöhung der kurzfristigen Finanzschulden um 15.1 Mio. EUR.

Trotz der gestiegenen Cash-Position – die primär fremdfinanziert ist – zahlt Klingelnberg den Aktionären keine Dividende aus. Laut Geschäftsführung war dies ein Entscheid des Verwaltungsrates und soll die künftige finanzielle Stabilität sicherstellen.

Grossprojekte stehen auf der Agenda, Ausbau in Indien

«Vorsichtig zuversichtlich» äusserte sich CEO Philipp Kannengiesser mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr. Trotz einiger Herausforderungen, die sich bis in die ersten Monate des Jahres 2026 hinein fortsetzten, habe sich Klingelnberg mehrere Grossprojekte und Aufträge sichern können. Die Klingelnberg AG rechnet auch mit höherer Nachfrage in der generellen Industrie, unter anderem durch die Auflösung des Investitionsstaus in der Autobranche, der schon seit 10 Jahren anhält, und dem Start eines neuen Zyklus in den Aufträgen im chinesischen Windkraftbereich. Spezifisch ist Indien auch ein wichtiger Wachstumsmarkt geworden – es wurde bereits mit dem Bau eines neuen Verwaltungs-, Montage- und Servicegebäudes im Jahr 2025 begonnen. Klingelnberg will sich weiterhin als Unternehmen im indischen Markt stark positionieren und von der hohen Nachfrage profitieren.

Forschung und Entwicklung liegen immer noch im Zentrum der zukünftigen Strategie. Spezifisch möchte sich das Unternehmen in den Bereichen Softwarelösungen und Automatisierung auf einer operativen Ebene verbessern. Humanoide Roboter sind laut Geschäftsführung auch ein Segment, das grosses Wachstum verzeichnet und wo die Kompetenz der Zahnraderstellerin gefragt ist.

Fazit

Die Klingelnberg AG hat trotz der Schwierigkeiten ein gutes Jahr hingelegt. Das Maschinenbauunternehmen hat sich in vereinzelten Märkten solide platziert, um von steigender Nachfrage zu profitieren. Was spannend bleibt, ist die Frage, wie sich das Unternehmen gegenüber den zukünftigen Markttrends positionieren kann. Die Reichweite von Klingelnberg ist enorm: Mit internationaler Präsenz und Breite im Produktportfolio kann das Unternehmen viele verschiedene Segmente ansprechen.

Kursverlauf der Aktie von Klingelnberg AG seit Juni 2023. Chart: six-group.com

Die Klingelnberg AG ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Die Aktie notierte am 25. Juni 2026 zu einem Preis von 10.60 CHF knapp über dem 52-Wochen-Tief von 9.94 CHF. Trotz eines KGV von 18 ist die Aktie nicht zu hoch bewertet – der Kurs ist in den letzten drei Jahren um 42,2% gesunken, und das Price/Buch-Verhältnis liegt bei 0.73. Wann sich der Aktienkurs allerdings von seinen aktuellen Tiefständen wieder löst, bleibt die Hauptfrage – dafür muss das Unternehmen wieder in den Wachtusmodus schalten und zeigen, dass sich die neuen Initiativen auszahlen.

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