
Über den Flughafen Bern-Belp war in den letzten Jahren vor allem wegen Turbulenzen zu lesen. Die Einstellung des Flugbetriebs der Linienairline SkyWork im Jahr 2018 und die Corona-Pandemie trafen den kleinen Regionalflughafen der Bundesstadt hart. Dazu kam die Liquidation der Ferienairline flyBAIR. Inzwischen präsentiert sich die Gesellschaft deutlich stabiler. Sie besteht seit fast hundert Jahren, schreibt wieder Gewinne und finanziert ihren Betrieb selbst. Nun investiert sie in mehrere Grossprojekte. Seit unserem Bericht vom Juli 2024 ist einiges geschehen.
Gewinn und Passagierwachstum
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Flughafenbetreiberin einen Reingewinn von gut 103’000 CHF nach rund 57’000 CHF im Vorjahr. Damit schrieb die Gesellschaft das vierte positive Jahresergebnis in Folge. Die Passagierzahl stieg um 6,4% auf 60’402 Fluggäste. Die Entwicklung fällt dennoch gemischt aus. Dem Passagierzuwachs stehen weniger Starts und Landungen gegenüber. Der Gewinn bleibt trotz der Verbesserung auf tiefem Niveau.
Das Ergebnis bestätigt den schrittweisen Erholungskurs der vergangenen Jahre. 2022 kehrte die Gesellschaft in die Gewinnzone zurück. 2023 stützten Einmaleffekte einen Reingewinn von rund 143’000 CHF, ohne sie wäre ein Verlust von etwa 400’000 CHF angefallen. 2025 blieb der Umsatz mit knapp 7 Mio. CHF stabil. Das positive Ergebnis beruht diesmal auf dem operativen Geschäft.
Im Luftverkehr trieb der Linien- und Charterverkehr das Wachstum. Neue Ziele wie Monastir, Ibiza und die Kanalinseln liessen diesen Verkehr um 8,2% auf 46’002 Fluggäste wachsen. Das Sitzangebot wuchs um 11%. Die gesamten Flugbewegungen sanken dagegen um 1,2% auf 45’882, weil die übrigen Segmente schwächer ausfielen. Damit bleiben sie unter der mittelfristigen Erwartung von etwa 50’000 pro Jahr.
Südanflug bringt mehr Robustheit
Operativ richtet sich der Blick nun nach vorn. Am 19. März 2026 nahm der Flughafen den neuen Instrumenten-Südanflug auf die Piste 32 in Betrieb. Vorausgegangen waren über 15 Jahre Planung und Rechtsverfahren, mit einem erneuten Rückschlag Ende 2024. Der Südanflug erlaubt wetterunabhängigere Landungen und entlastet die umliegenden Gemeinden. Verwaltungsratspräsident Urs Ryf erwartet dadurch mehr Robustheit und Zusatzerträge. Auch bei der Sicherheit erhielt der Flughafen positive Rückmeldungen.
Parallel baut die Gesellschaft das Flugangebot aus. Für 2026 kommen die Charterziele Jerez, Malta und Mykonos hinzu. Mit der Luftmobilitätsplattform Vini testet der Flughafen zudem nachfragegesteuerte Regionalflüge nach München, dreimal pro Woche. Das Marktumfeld bleibt mit hohen Fixkosten und einem kleinen Heimmarkt anspruchsvoll. Die Gesellschaft sieht im Ausbau des Angebots dennoch weiteres Wachstumspotenzial.

Über den Flugbetrieb hinaus investiert der Flughafen in seine Anlagen, allen voran in die Freiflächen-Solaranlage BelpmoosSolar. Daran hält er gemeinsam mit der BKW und Energie Wasser Bern (ewb) einen Anteil von 39%. Das Vorhaben wurde redimensioniert, nachdem der Bundesrat die Trockenwiese als national bedeutend eingestuft hatte. Statt 25 sind nun rund 16,5 Hektar vorgesehen, was bis zu 28 Gigawattstunden Strom pro Jahr ergibt. Das Projekt verbindet Energiegewinnung mit Naturschutz, steht aber weiterhin im Bewilligungsverfahren. Langfristig könnten zusätzliche Erträge die schwankungsanfälligen Einnahmen aus dem Flugbetrieb stabilisieren. Daneben sanierte der Flughafen das Vorfeld und beginnt im Herbst 2026 mit dem Bau von zwei neuen Hangars.
Solide Bilanz, tiefe Bewertung
Das Eigenkapital stieg leicht auf 11.83 Mio. CHF, die Eigenkapitalquote erreichte knapp 70% nach gut 66%. Auf Basis von 143’100 ausstehenden Aktien ergibt sich eine Marktkapitalisierung von rund 4.6 Mio. CHF. Die Eigenkapitalrendite lag wegen des geringen Gewinns trotz hoher Kapitalbasis lediglich bei rund 0,9%.
Fazit
Die Namenaktien werden ausserbörslich auf der Plattform OTC-X der BEKB gehandelt. Anders als die Landesflughäfen liegt der Flughafen Bern überwiegend in privater Hand. Kanton und Stadt Bern halten nur Minderheitsanteile. Mit einem letztenbezahlten Kurs von 32 CHF erreichte die Aktie ein neues Jahreshoch. Seit Jahresbeginn legte die Aktie rund 43% zu. Die Handelsliquidität bleibt gering, jährlich wechseln nur einige tausend Aktien die Hand.
Die Aktie der Flughafen Bern AG legte seit Jahresbeginn deutlich zu und erreichte zuletzt ein neues Jahreshoch. Chart: otc-x.chDer Flughafen trägt seinen Betrieb inzwischen ohne öffentliche Subventionen, was ein Stabilitätssignal ist. Unter dem Strich bleibt die Ertragskraft aber gering und schwankungsanfällig. Bei einem rechnerischen Buchwert von gut 82 CHF je Aktie liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 0,39. Tiefe Rendite, fehlende Dividende und geringe Liquidität erklären den Abschlag zum Buchwert. Gemessen am Gewinn 2025 resultiert dagegen ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 44. Geht der Gewinn zurück, steigt dieses weiter an. Eine Dividendenrendite besteht mangels Ausschüttung nicht. Risiken sind die Charterabhängigkeit, der Wegfall einzelner Anbieter und der gestrichene Bundesbeitrag an die Sicherheitskosten. Dem stehen der neue Südanflug, das breitere Flugangebot und BelpmoosSolar gegenüber. Für langfristig orientierte Anleger mit regionalem Bezug bleibt die Aktie vor allem eine Wette darauf, dass sich das Flughafenareal zunehmend als Infrastruktur- und Energieplattform etabliert und weniger vom Flugbetrieb abhängig wird.





