Luxusgüter-Aktien: Richemont profitiert vom Wealth-Effekt

Signalisieren die Blow-out-Quartalszahlen von Richemont die Trendwende für die Branche?

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Luxusgüter erleben nach einer längeren Schwächephase erste Erholungssignale. Bild: stock.adobe.com

Im zweiten Quartal des Jahres verzeichnete Richemont ein Umsatzwachstum von 17%, währungsbereinigt sogar von 20%. Obwohl die Analystenerwartungen schon hoch waren, wurden sie deutlich übertroffen. Der Kurs sprang auf ein neues historisches Hoch von 197 CHF, und die Marktkapitalisierung auf 100 Mrd. CHF. Steht jetzt der ganze Sektor vor einem Revival?

Neben Software-Aktien war der Luxusgüter-Sektor in den letzten Monaten am stärksten an den Märkten unter Druck. 2025 dämpften noch Zölle, Wachstumsschwächen und geopolitische Unsicherheiten die Entwicklungen an den Aktienmärkten. Dazu kamen seit März 2026 der Krieg im Nahen Osten, die Verteuerung an den Öl-Märkten und wachsende Inflationssorgen.

Iran-Krieg und Inflationssorgen

Spätestens ab März sackten die Aktien der prominenten Branchenvertreter LVMH, Hermès, Kering, L´Oréal und Essilor-Luxottica nochmals ab. Seitdem findet eine Bodenbildung auf tiefem Niveau statt. Ausbruchsversuche nach oben waren bisher nicht nachhaltig, allerdings wurden auch die Tiefstkurse nicht unterboten. L´Oréal konnte sich von den Tiefständen lösen, Essilor-Luxottica dagegen dümpelt nahe dem Tief – fast 50% unter dem Hoch. Ähnlich ist das Chartbild bei den italienischen Luxus-Valoren wie Prada.

Bei den Aktien von Richemont geht es nach der Zahlenpräsentation weiter aufwärts. Chart: six-group.com

Glanz der Juwelen

Die genauere Betrachtung der Zahlen von Richemont ist jedoch mit Blick auf den ganzen Sektor aufschlussreich. Die stärksten Zuwächse verzeichneten die Juweliermarken, oder Maisons, mit einem Umsatzwachstum von aggregiert 21%, währungsbereinigt 24%. Vom Quartalsumsatz in Höhe von 6.3 Mrd. Euro entfielen 4.7 Mrd. Euro auf das Schmucksegment. Diese Verlagerung der Nachfrage muss spezifische Gründe haben, die auch Schlussfolgerungen für den Luxusgüter-Sektor als Ganzes und die einzelnen Player zulassen.

Vom Halbleiter-Reichtum zur Preziose

Sofort ins Auge sticht, dass der Grossteil der Nachfrage aus den Regionen Amerika, Asien-Pazifik und Japan kommt. In der Medienmitteilung werden auch Südkorea und Taiwan explizit hervorgehoben. Ist es ein Zufall, dass dies die Märkte sind, in denen die Börse besonders gut läuft, angeführt von KI- , Halbleiter- und Tech-Aktien allgemein? Oder ist die gesteigerte Nachfrage nach prestigeträchtigen und offensichtlich teuren Schmuckpreziosen schlicht auf den Wealth-Effekt der High-Tech-Hausse zurückzuführen?

Besonders stark ist Richemont im 1. Quartal in Amerika, Asien und Japan gewachsen. Abb: richemont.com

Wie breit ist der Wealth-Effect?

Das Argument gilt auch für Nordamerika, wo die meisten der hochkapitalisierten Tech-Unternehmen mit ihren gewaltigen Zuwächsen an Marktkapitalisierung zuhause sind. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist die Bevölkerung vor allem in den USA, aber auch in Japan, Südkorea und Taiwan breiter am Produktivvermögen – direkt und indirekt – beteiligt. In den letzten 12 Monaten legte der japanische Nikkei-Index um 67% zu. Der japanische Staatsfonds, der grösste der Welt, hat die Allokation geändert. Jetzt geht es darum, Kapital zu repatriieren, also Auslandsaktien gegen japanische zu wechseln. Der koreanische Kospi-Index erhöhte sich auf 12-Monatssicht um 113%, trotz Korrektur.

Konzentration auf Tech-Milliardäre

Tatsächlich beschränkt sich der Wealth-Effekt jedoch auf einen eher kleinen Kreis von Vermögenden, die in KI- und Halbleiter-Aktien stark investiert sind oder Aktionäre aus dem Umfeld von Samsung, TSMC oder Nvidia. In Südkorea beispielsweise haben die Konsumausgaben bisher nur einen geringen Anschub durch den Börsenboom erfahren. Dabei beliefen sich die Börsengewinne der koreanischen Haushalte auf das 22-fache des Durchschnitts der Jahre 2011 bis 2024, so die Zentralbank BOK.

Strukturen und Nachfragekräfte

Das Besondere und Charakteristische am Luxusgütermarkt ist eben, dass die Superreichen, vor allem die, die schnell zu viel Geld gekommen sind, ihren Erfolg auch zeigen wollen. Dies gilt umso mehr in Zeiten, die von Umbrüchen, Krisen, Konflikten und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt sind. Die Käuferschichten ändern sich im Lauf der Zeit. In der jüngeren Vergangenheit waren dies bei Schmuck der Maisons von Richemont Vermögende aus der Golfregion, aus Japan, Russland, China, den Tigerstaaten. Mal waren Petrodollar-Milliardäre, mal Oligarchen oder neureiche Tech-Unternehmer die Käufer. Luxusgüter finden seit den Anfängen der Zivilisationen ihre Abnehmer in der ganzen Welt und stehen damit am Beginn des Fernhandels. Die Produzenten und Händler sind schon immer Teil der weltumspannenden Industrie, deren Produkte für Macht, Pracht und Reichtum stehen.

USA und Japan mit höchster Nachfragesteigerung

In Nordamerika, also hauptsächlich den USA, fiel der Nachfrageboom bei Richemont mit 27% plus auf USD-Basis unerwartet kräftig aus. Er umfasste alle Produktkategorien und alle Distributionskanäle. Noch stärker fiel die Wachstumsrate mit 36% in Landeswährung nur in Japan aus. Im Vorjahresquartal war noch ein Rückgang um 15% verzeichnet worden.

Exkurs Swatch

Vom Kursfeuerwerk bei Richemont konnten die anderen Branchenvertreter, darunter auch die Swatch-Aktie, profitieren. Nach einem langen Krebsgang und Kursen von unter 130 CHF noch im Juli 2025 hat die Inhaberaktie inzwischen die 200-CHF-Marke wieder überwunden. In den ersten beiden Monaten des Jahres hatte der Uhrenhersteller positive Wachstumsraten erzielt, vor allem in den USA. Und das in den Vorjahren schwache China-Geschäft hat sich verbessert. 2025 hatte der Unternehmensgewinn bei nur noch 25 Mio. CHF gelegen. Die Uhrenexporte der Schweiz sind allerdings in den ersten fünf Monaten des Jahres leicht rückläufig ausgefallen. Die Halbjahreszahlen von Swatch werden in Kürze erwartet, jedoch bislang noch ohne Veröffentlichungstermin.

DIe Inhaberaktien von Swatch haben sich von ihren Tiefstkursen gelöst und befinden sich seit einigen Wochen im Aufwärtstrend. Chart: six-group.com

Gegenwind für LVMH

Die Frage für Anleger ist nun, ob Richemont im Sweet-Spot des Juweliermarktes die Ausnahme ist und auch bleibt, oder der Signalgeber für eine kräftige Erholung des ganzen Luxusgüter-Sektors ist. LVMH galt lange als der Trendsetter der Branche. Das Hoch lag 2023 bei 902 Euro, das Tief Mitte 2025 bei 437 Euro. Bei einem aktuellen Kurs um die 500 Euro bleibt viel Raum bis zum Erreichen des historischen Hochs. In den letzten beiden Geschäftsjahren sind allerdings die Umsätze und auch die Gewinne zurückgegangen und haben die langjährige Serie der Steigerungen beendet. Im ersten Quartal 2026 ging der Umsatz um 6% auf 19.1 Mrd. Euro zurück, um Währungs- und Akquisitionseffekte bereinigt lag der Rückgang allerdings bei nur 1%. Wie wird das zweite Quartal ausfallen? Am 27. Juli werden die Zahlen bekannt gegeben. Das für 2026 geschätzte KGV liegt bei 22, die aktuelle Market Cap bei 248 Mrd. Euro.

Stagnation bei Hermès

Bei Hermès steht die Market Cap bei 178 Mrd. Euro, das für 2026 geschätzte KGV beträgt 37. Noch im April 2025 hatte Hermès bei der Market Cap LVMH zeitweise überflügelt. Das Hoch lag Anfang 2025 bei 2839 Euro, das zwischenzeitliche Tief wurde im Juni bei 1564 Euro verzeichnet. Die Umsätze sind auch in den letzten beiden Jahren auf zuletzt 16 Mrd. Euro angestiegen. Der Gewinn war 2025 bei 4.5 Mrd. Euro geringfügig tiefer als im Vorjahr. Im Vergleich zu LVMH liegt der Jahresumsatz von Hermès bei 20%, der Gewinn jedoch bei 41%. Im ersten Quartal 2026 ging der Umsatz um 1,4% auf 4.1 Mrd. Euro zurück. Währungsbereinigt wurde allerdings ein Wachstum von 5,6% verzeichnet. Während in Asien immerhin tiefe einstellige Wachstumsraten verzeichnet wurden, fiel das Geschäft im Nahen Osten und in Europa schwächer aus. Die Halbjahreszahlen werden am 29. Juli veröffentlicht.

Kering schrumpft

Bei Kering weist noch nichts auf ein Ende der Misere hin, Die Umsätze waren in den letzten drei Geschäftsjahren rückläufig, statt Milliardengewinnen, wie in den Vorjahren, steht 2025 ein Verlust von 29 Mio. Euro zu Buche. In den USA läuft das Geschäft zwar gut, doch in allen anderen Regionen sind die Umsätze rückläufig geblieben. Das Problem ist die Marke Gucci, deren Wiederentdeckung durch die Konsumenten noch aussteht.

Fazit

In der Vergangenheit war Richemont unter den Aktien des Luxusgüter-Universums bei der Performance nicht in der Spitzengruppe gewesen. Der Unternehmensgewinn ist seit 2023 von 3.9 Mrd. CHF auf 3.2 Mrd. CHF gefallen. Das Bild hat sich mit der Outperformance der Aktie in der letzten Zeit geändert, besonders, weil der Kontrast zu den schwachen sonstigen Branchenvertretern so gross ist. Bleibt der Trend zum Kauf von Juwelen und hochwertigem Schmuck erhalten, hat die Aktie weiteres Potenzial. Das für 2026 geschätzte KGV liegt bei 28. Die Marktkapitalisierung beträgt 100 Mrd. CHF.

Ein grösseres Erholungspotenzial dürften wohl die gefallenen französischen Marktführer aufweisen, allerdings muss sich erst noch zeigen, dass es durch den Wealth-Effekt auch zu einer steigenden Nachfrage nach Lederwaren, Haute Couture, Champagner, Handtaschen und Parfümeriewaren kommt. Das ist nicht unwahrscheinlich, da LVMH & Co. in Fernost starken Symbolcharakter haben und, wie in den USA, sehr präsent sind. Es ist auch gut möglich, dass die jüngeren Investoren in Korea und Japan nicht, wie traditionell üblich, Börsengewinne in Immobilien investieren, sondern an der Börse bleiben und einen Teil der Gewinne für Luxusausgaben verwenden.

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