5 Fragen an Stefan Weber, Flughafen Zürich AG: «Unser Streckennetz bauen wir kontinuierlich nachfrageorientiert aus»

Rekordpassagierzahlen in Zürich, Expansion im Ausland

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Stefan Weber arbeitet als Head Strategy and Capital Markets bei der Flughafen Zürich AG. Bild: Flughafen Zürich AG

3.3 Millionen Passagiere nutzten im Juli den Flughafen Zürich und sorgten damit für einen neuen Rekordmonat in der Geschichte des Flughafens, welcher die Schweiz mit rund 200 Destinationen in Europa und weltweit verbindet. Für den Geschäftsreise- als auch den Tourismusverkehr ist der Flughafen daher von zentraler Bedeutung. Neben dem Passagierverkehr ist der Flughafen auch ein bedeutender Hub für Fracht, Handel, Dienstleistungen und zahlreiche internationale Unternehmen. Die Flughafen Zürich AG betreibt zudem mehrere Flughäfen im Ausland und zählt zu den erfolgreichsten Flughafenbetreibern Europas.

Stefan Weber arbeitet seit März 2024 als Head Strategy and Capital Markets bei der Flughafen Zürich AG und verantwortet die strategische Weiterentwicklung sowie die Kapitalmarktkommunikation des Unternehmens. Zuvor arbeitete er seit 2014 in verschiedenen Finanz- und Investor-Relations-Funktionen innerhalb des Unternehmens und war zeitweise auch als CFO ad interim tätig. Am Investors Meeting im Rahmen des Branchentalk Tourismus vom 30. Oktober wird er seinen Arbeitgeber präsentieren und sich den Fragen der anwesenden Investoren stellen.

Herr Weber, beobachten Sie Veränderungen im Reiseverhalten internationaler Gäste hin zu stärker saisonunabhängigen Reisen, und wie beeinflusst dies die strategische Entwicklung des Flughafens?

Wir beobachten tatsächlich, dass sich die internationale Nachfrage zunehmend auf das ganze Jahr verteilt. Dazu tragen einerseits die Ambitionen von Airlines und Hotels bei, ihre Kapazitäten möglichst ganzjährig auszulasten. Andererseits reisen viele Menschen heute häufiger und sind weniger stark an die Hauptreisezeiten gebunden.

Für uns als Flughafen ist diese Entwicklung erfreulich, weil unsere Infrastruktur gleichmässiger über das Jahr hinweg genutzt und unser Standort für Airlines noch attraktiver wird. Flugpläne werden stabiler und ein breiteres Streckennetz möglich. Strategisch bedeutet die saisonunabhängigere Nachfrage für uns, dass wir Wachstum nicht nur durch den Ausbau von Spitzenkapazitäten, sondern auch durch eine bessere Auslastung der bestehenden Infrastruktur erzielen können.

Mit neuen Fluggesellschaften wie Norwegian, Kuwait Airways und China Eastern Airlines sowie dem Ausbau des Streckennetzes erschliesst der Flughafen Zürich zusätzliche Märkte. Welche touristischen Zielgruppen bieten das grösste Potenzial, um den Ganzjahrestourismus in der Schweiz zu stärken, und wie können diese gezielt angesprochen werden?

Die Stärkung des Ganzjahrestourismus und Ansprache touristischer Zielgruppen liegen primär im Aufgabenbereich von Zürich Tourismus und Schweiz Tourismus. Als Flughafen verstehen wir uns vielmehr als Tor zur Welt, das die Schweiz für internationale Gäste einfach und komfortabel erreichbar macht.

«Unser Streckennetz bauen wir kontinuierlich nachfrageorientiert aus, um die internationale Erreichbarkeit des Tourismusstandorts Schweiz zu stärken.»

Die Aufnahme neuer Fluggesellschaften knüpfen wir dabei an die bereits vorhandene oder zu erwartende Nachfrage nach Reisen in die Schweiz. Unser Streckennetz bauen wir kontinuierlich nachfrageorientiert aus, um die internationale Erreichbarkeit des Tourismusstandorts Schweiz zu stärken.

Der Flughafen Zürich investiert sowohl in den Ausbau des Standorts Zürich als auch in internationale Projekte. Welche Renditeerwartungen verbinden Sie mit diesen Investitionen, und welchen Einfluss haben sie auf die zukünftige Wertschöpfung des Konzerns?

Wir verfolgen das Ziel, unser Kapital möglichst effizient einzusetzen. Aktuell streben wir eine gruppenweite Rendite auf das investierte Kapital von über 7.5% an, in Zukunft sogar mehr. An unsere Auslandsinvestitionen stellen wir erhöhte Renditeanforderungen, die die Länder-, Markt- und Fremdwährungsrisiken widerspiegeln.

Am Standort Zürich dienen die Investitionen in den Ausbau und die Erneuerung der Infrastruktur der nachfragerechten Kapazitätsentwicklung entlang des erwarteten Verkehrswachstums. Nachdem das Wachstumspotenzial in Zürich langfristig begrenzt ist, eröffnen uns Investitionen in Flughäfen im Ausland zusätzliche Wachstumschancen und tragen zur Diversifizierung unseres Geschäftsmodells bei. Mit der geplanten Weiterentwicklung unseres internationalen Geschäfts wird dieses bis 2040 massgeblich zum Ertrag, EBITDA und zu attraktiven Dividendenzahlungen der Flughafen Zürich AG beitragen.

Seit wenigen Wochen verkehren neu automatisierte Shuttlebusse ohne Sicherheitsperson an Bord am Flughafen Zürich. Welche Rolle spielen autonome Systeme und künstliche Intelligenz für den Flughafen Zürich und welche konkreten Projekte sind geplant?

Automatisierung und künstliche Intelligenz spielen für uns eine wichtige Rolle, um die Effizienz, Kapazität und Stabilität des Flughafenbetriebs weiter zu steigern und gleichzeitig das Kundenerlebnis am Flughafen Zürich zu verbessern. Der kürzlich erreichte Meilenstein mit unseren automatisierten Shuttlebussen, aber auch Projekte wie unsere Putzroboter, zeigen, welches Potenzial diese Technologien künftig für uns bieten.

«Automatisierung und künstliche Intelligenz spielen für uns eine wichtige Rolle.»

Unser Automatisierungsschwerpunkt liegt dabei primär auf aviatischen Prozessen. Aktuell fokussieren wir uns auf Projekte in den Bereichen autonomer Vorfeldtransport, automatisiertes Gepäckhandling und automatisierte, datenbasierte Entscheidungen im Flughafenbetrieb. Als Teil eines komplexen Flughafenökosystems arbeiten wir hier sehr eng mit unseren Partnerunternehmen zusammen.

Wenn wir zehn Jahre vorausblicken: Wie hat sich der Flughafen Zürich entwickelt?

In zehn Jahren sehen wir den Flughafen Zürich unverändert als zuverlässiges internationales Drehkreuz, das die Schweiz mit der Welt verbindet. Gleichzeitig werden zentrale Flughafeninfrastrukturprojekte wie die Entwicklung unserer landseitigen Passagierflächen, die Pistenumrollung und -verlängerungen sowie das neue Dock A und der neue Tower das Erscheinungsbild unseres Flughafens verändern. Diese Projekte erhöhen die Sicherheit und den Komfort für unsere Passagiere und tragen zu einem hochwertigen Reiseerlebnis bei.

Ergänzend dazu wird unser internationales Geschäft einen grösseren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten als heute. Die Flughafen Zürich Gruppe wird auch künftig eine wirtschaftlich starke, qualitativ führende, innovative und nachhaltige Flughafenbetreiberin mit internationalem Erfolg sein.

Herr Weber, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Hinweis in eigener Sache: Melden Sie sich hier zum Investoren Meeting vom 30. Oktober in Engelberg an: www.schweizeraktien.net/anmeldung-branchentalk-tourismus-2026/

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