
Rekorde ist die Jungfraubahn-Gruppe eigentlich gewohnt. Bereits vor der Pandemie erzielte das Unternehmen im Berner Oberland Jahr für Jahr neue Höchstwerte bei den Gästezahlen auf dem Jungfraujoch sowie bei Umsatz und Gewinn. In diesem Jahr wurde die Rekordjagd jedoch durch die geopolitische Lage gebremst. Im Sommer setzte bereits eine leichte Erholung ein, wie CEO Oliver Hammel im Interview erläutert.
Eine Ganzjahresstrategie ist für die Jungfraubahn-Gruppe nichts Neues. Das Tourismusunternehmen rief bereits unter Hammels Vorgänger Urs Kessler die Devise «12 Monate Hochsaison» aus. Künftig will Hammel jedoch stärker auf Qualität statt Quantität setzen. Das Wintersportgeschäft soll dabei weiterhin ein wichtiger Eckpfeiler bleiben. Neben Investitionen in eigene Projekte beobachtet die Jungfraubahn-Gruppe auch die Konsolidierung der Branche genau. Am Investors Meeting im Rahmen des Branchentalk Tourismus vom 30. Oktober wird Oliver Hammel sich den Fragen der anwesenden Investoren stellen.
Der vergangene Sommer hat in den Schweizer Alpen und auch im Berner Oberland für zusätzliche Gäste gesorgt, die der Hitze in den Städten entfliehen wollten. Beobachten Sie bei den Jungfraubahnen bereits eine strukturelle Verschiebung hin zu mehr Sommertourismus, und welche Auswirkungen hat dies auf Ihre langfristige Strategie und Ihre Angebotsentwicklung?
Die Jungfraubahnen haben den Vorteil, dass sie seit jeher stark im Sommergeschäft positioniert sind. Mit dem Jungfraujoch – Top of Europe sowie den klar positionierten Erlebnisbergen bieten wir für alle Gäste während des ganzen Jahres etwas. Die langfristige Strategie der Jungfraubahnen setzt seit Jahren auf 12 Monate Hochsaison und ein Ganzjahresgeschäft – mit der entsprechenden Angebotsvielfalt, Ganzjahresarbeitsplätzen und unterstützt durch eine breite internationale Gästestruktur und Marktabdeckung.
Der Wintersport verliert auch wegen des Klimawandels an Bedeutung. Bei den Jungfraubahnen trägt er heute schon nur noch knapp 15% zum Gesamtumsatz der Gruppe von 306 Mio. CHF bei. Welche Rolle wird das Segment Wintersport in zehn Jahren noch spielen, und wie weit ist die Transformation zu einer weitgehend schnee- und saisonunabhängigen Tourismusunternehmung fortgeschritten?
Die Jungfraubahnen sind schon heute weit mehr als ein Bergbahnunternehmen. Wir entwickeln uns zunehmend zu einem integrierten Tourismusunternehmen. Wir bieten neben spektakulären Bergbahnen, Gastronomie, Hotellerie, Shopping und einzigartige Bergerlebnisse inmitten des UNESCO-Welterbes Jungfrau-Aletsch.
«Der Wintersport bleibt ein wichtiger Teil unseres Angebots»
Der Wintersport bleibt dabei ein wichtiger Teil unseres Angebots. In der Jungfrau Ski Region wissen unsere Gäste, dass sie ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben, dazu kommen unsere modernen Bahnen und eine energieeffiziente Beschneiung. Mit attraktiven Preisen für Kinder und Jugendliche setzen wir bewusst auch auf die nächste Generation – so fahren bei uns seit über zwanzig Jahren bis zu drei Kinder am Samstag in Begleitung eines Erwachsenen gratis.
Mit der V-Bahn haben die Jungfraubahnen einen wichtigen Meilenstein erreicht. Wo stehen heute die nächsten strategischen Projekte Firstbahn etc., wie beurteilen Sie den weiteren Investitionsbedarf in der Region, und welche Rolle könnte dabei eine verstärkte Konsolidierung oder Zusammenarbeit innerhalb der Jungfrau-Region spielen?
Antwort: Die Jungfraubahnen sind finanziell solide aufgestellt und verfügen über die nötige Investitionskraft. Wir erzielen weiterhin Gewinne auf einem Niveau über den Jahren vor Covid und verfügen über genügend Investitionskraft, um Zukunftsprojekte voranzutreiben.
Zu den wichtigsten laufenden Projekten gehören die Erneuerung der Firstbahn, die Weiterentwicklung des Eigergletschers, ein neues Berghaus auf dem Jungfraujoch sowie der Ersatz des Sessellifts Fallboden. Gleichzeitig investieren wir jährlich rund 45 Mio. CHF in die bestehende Infrastruktur.
Die Konsolidierung in der Schweizer Tourismusbranche und damit auch bei den Bergbahnen ist im Gang. Die Jungfraubahn-Gruppe beobachtet die Entwicklung genau – schweizweit, nicht nur regional.
Eines Ihrer Ziele ist es auch, nicht mehr möglichst viele Gäste anzuziehen, sondern eine hohe Wertschöpfung pro Besucher zu erzielen. Welche Hebel sehen Sie, um die Profitabilität der Jungfraubahnen im Rahmen des Ganzjahrestourismus weiter zu steigern, ohne noch mehr Besucher in die Region zu locken?
12 Monate Hochsaison streben wir an, womit wir unsere Gäste möglichst gut über das ganze Jahr verteilen und viele Ganzjahresstellen in einer Bergregion sicherstellen können. Qualität kommt für die Jungfraubahnen vor Quantität. Das beginnt bei der einfachen Buchung der Angebote auf einer Onlineplattform. Damit können wir die Wertschöpfung steigern und unsere Gäste verbringen mehr Zeit im Gebiet und können dabei verschiedenste Angebote sowie unsere Gastronomie nutzen.
«Qualität kommt für die Jungfraubahnen vor Quantität»
Nach den Rekordjahren zeigen sich im laufenden Jahr in einzelnen Märkten wie Asien und dem Nahen Osten auch wegen der geopolitischen Lage Bremsspuren. Wie beurteilen Sie die Nachfrageentwicklung im zweiten Halbjahr, und beobachten Sie bei internationalen Gästen längerfristig wirkende Auswirkungen der geopolitischen Unsicherheiten oder einer nachlassende Konsumdynamik in wichtigen Fernmärkten? Sie gelten ja auch als Kenner der Märkte in Asien.
Reisen ist und bleibt ein Grundbedürfnis, das lassen sich die Menschen nicht nehmen, auch nicht in herausfordernden Zeiten. Die Jungfraubahnen verfügen über eine aussergewöhnlich breite internationale Gästestruktur und Marktabdeckung, womit der Rückgang einzelner Märkte teilweise durch Gäste aus anderen Ländern kompensiert werden kann. So bleiben wir resilient aufgestellt.
Wir haben bei der Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses festgehalten, dass sich die Frequenzen in den beiden Hochsaisonmonaten Juli und August (bis 23.8.2026) gegenüber dem 2. Quartal leicht verbessert haben. Eine teilweise Kompensation gelang durch Individualgäste, die nicht zuletzt wegen der grossen Hitze im Flachland die angenehmeren Temperaturen in höheren Lagen genossen.
Herr Hammel, vielen Dank für das Interview.





