5 Fragen an Norbert Patt, CEO Titlis Bergbahnen: «Mit dem TITLIS Tower sprechen wir in erster Linie Individualgäste an»

Erste Bilanz für den TITLIS Tower fällt sehr positiv aus

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Norbert Patt ist seit November 2010 CEO der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (BET). Zuvor war der Betriebswirt und Betriebs­ingenieur u.a. für die Lenzerheide Bergbahnen tätig. Bild: zvg

Am 1. Juni wurde der TITLIS Tower auf dem gleichnamigen Berggipfel auf 3020 m ü. M. in Engelberg eröffnet. Der nach Plänen der Stararchitekten Herzog & de Meuron neu gestaltete Stahlturm lockte in den ersten 100 Tagen bereits zahlreiche Besucher an. Noch bis 2029 wird die neue Bergstation, die sogenannte Peak Station, fertiggestellt. Mit den neuen Bauwerken am Berg wollen die Titlis Bergbahnen künftig bis zu 1.5 Mio. Besucher auf den Gipfel locken.

CEO Norbert Patt erklärt im Interview, wie der TITLIS Tower bisher angenommen wurde und welche Zielgruppen das Unternehmen für die neue Attraktion im Visier hat. Ausserdem äussert er sich zu den Perspektiven im Wintersport sowie zum Potenzial von Engelberg und dem Titlis als Ganzjahresdestination.

Norbert Patt wird am Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net am 29. Oktober das Projekt vorstellen und Anlegerinnen und Anlegern am 30. Oktober im Rahmen des Investoren-Meetings Fragen beantworten.

Herr Patt, der neue TITLIS Tower wurde im Juni 2026 eröffnet. Wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten 100 Betriebstagen aus?

Unsere Bilanz nach den ersten 100 Betriebstagen fällt sehr positiv aus. Der neue TITLIS Tower stösst bei unseren Gästen auf grosses Interesse. Besonders erfreulich sind die zahlreichen positiven Rückmeldungen zum Joseph’s Restaurant und zur Aussichtsplattform Horizon Deck. Die sehr guten Reservationszahlen im Joseph’s bestätigen die hohe Nachfrage nach diesem besonderen gastronomischen Erlebnis. Das Horizon Deck besuchen derzeit durchschnittlich 150 bis 200 Gäste pro Tag. Damit zeigt sich, dass die Verbindung von Architektur, Kulinarik und Aussicht bei unseren Gästen gut ankommt.

Die ersten Betriebsmonate haben uns zudem wertvolle Erkenntnisse geliefert, die wir bereits in konkrete Verbesserungen umgesetzt haben. So haben wir die Signaletik optimiert und den Ticketverkauf für das Horizon Deck erweitert. Gäste können ihre Tickets nun nicht nur online, sondern auch direkt am Infodesk im Tower kaufen. Damit tragen wir den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Gäste Rechnung. Insgesamt sind wir mit dem Start sehr zufrieden.

«Insgesamt sind wir mit dem Start sehr zufrieden»

Die internationale Strahlkraft des von Herzog & de Meuron neu gestalteten TITLIS Tower ist enorm. Im September wurde der TITLIS Tower als jüngstes Mitglied in die exklusive Allianz «World Federation of Great Towers» aufgenommen. Mit der Aufnahme reiht sich der TITLIS Tower nun in eine Reihe mit ikonischen Bauwerken wie dem Eiffelturm in Paris, dem Empire State Building in New York, dem Burj Khalifa in Dubai, den Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur, dem Berliner Fernsehturm und weiteren bekannten Türmen auf vier Kontinenten ein.

Mit dem Horizon Deck, dem Gourmetrestaurant Joseph’s und der Rolex Boutique setzen Sie am Berg auf sehr exklusive Erlebnisse. Wer ist die Zielgruppe dieser Angebote und welches Potenzial sehen Sie in diesem Segment?

Mit dem TITLIS Tower sprechen wir in erster Linie Individualgäste an, die auf 3020 Metern über Meer ein aussergewöhnliches Erlebnis suchen. Die Aussichtsplattform Horizon Deck, das Joseph’s Restaurant und die Rolex Boutique eröffnen ihnen neue Möglichkeiten, ihren Aufenthalt auf dem Gipfel individuell zu gestalten. Im Joseph’s sehen wir darüber hinaus Potenzial für MICE-Kunden, insbesondere für Firmenanlässe und exklusive Veranstaltungen. Mit diesen Angeboten stärken wir die Attraktivität des Titlis und erschliessen gleichzeitig zusätzliche Ertragsmöglichkeiten.

Die Titlis Bergbahnen profitieren von einem Ganzjahresbetrieb. In welchen Monaten sehen Sie das grösste Wachstumspotenzial, und welchen Beitrag wird das Projekt TITLIS dazu leisten?

Wir begrüssen heute jährlich rund 1.2 Mio. Gäste auf dem Titlis und sehen langfristig Potenzial für rund 1.5 Mio. Gäste. Dabei steht für uns nicht im Vordergrund, an bereits stark frequentierten Tagen noch mehr Gäste zu empfangen. Vielmehr wollen wir die Nachfrage gleichmässiger über das ganze Jahr verteilen und die vorhandenen Kapazitäten besser auslasten. Das grösste Wachstumspotenzial sehen wir in den Herbstmonaten September bis November.

«Wir begrüssen heute jährlich rund 1.2 Mio. Gäste auf dem Titlis und sehen langfristig Potenzial für rund 1.5 Mio. Gäste»

Das Projekt TITLIS leistet dazu einen wichtigen Beitrag: Der neue Tower und die künftige Bergstation steigern die Attraktivität des Titlis als ganzjähriges Ausflugsziel und stärken unsere Position im internationalen Tourismus. Dank der neuen Pendelbahn Titlis Connect ist der Gipfel seit diesem Jahr zudem erstmals an 365 Tagen erreichbar. Sie übernimmt während der Revision der Titlis Rotair den Gästetransport und steht uns auch künftig als zusätzliche Verbindung zur Verfügung. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um die bislang weniger stark frequentierten Monate gezielt zu entwickeln.

Engelberg zählt zu den bedeutendsten Wintersportdestinationen der Schweiz. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Wintertourismus in den nächsten zehn Jahren angesichts des Klimawandels, und welche strategischen Antworten haben die Titlis Bergbahnen darauf?

Der Wintertourismus wird auch in den kommenden zehn Jahren ein zentrales Standbein für Engelberg und den Titlis bleiben. Dank der Höhenlage bis auf 3020 Meter und der überwiegenden Nordexposition verfügt unser Skigebiet über eine hohe Schneesicherheit. Wir glauben deshalb an die Zukunft des Wintersports am Titlis und investieren weiterhin in moderne Bahnanlagen, die Beschneiung und die Qualität unseres Angebots. Gleichzeitig sind die Auswirkungen des Klimawandels auch bei uns spürbar. So ist der frühe Saisonstart im Oktober auf dem Gletscher mit immer grösserem Aufwand verbunden. Wir müssen deshalb damit rechnen, dass sich die Wintersaison künftig zeitlich verschiebt.

«Der Wintertourismus wird auch in den kommenden zehn Jahren ein zentrales Standbein für Engelberg und den Titlis bleiben»

Mit dem Projekt TITLIS reagieren wir auch auf die langfristigen Veränderungen am Gletscher, der gemäss wissenschaftlichen Prognosen eines Tages verschwinden wird. Mit der neuen Gipfelinfrastruktur stellen wir sicher, dass der Titlis auch in Zukunft ein attraktives Ausflugsziel bleibt.

Das Projekt TITLIS ist die grösste Investition in der Geschichte des Unternehmens. Wo sehen Sie nach Abschluss des Projekts die wichtigsten Hebel für weiteres Wachstum und eine nachhaltige Steigerung der Ertragskraft?

Den wichtigsten Hebel sehen wir in einer gleichmässigen Auslastung über das gesamte Jahr und einer höheren Wertschöpfung pro Gast. Dabei geht es nicht allein um zusätzliche Gäste, sondern auch darum, mit attraktiven Angeboten die Ertragskraft nachhaltig zu steigern. Wir sind überzeugt, dass der internationale Tourismus langfristig weiter wachsen wird und die Schweizer Bergwelt ein wichtiger Anziehungspunkt bleibt. Mit dem Projekt TITLIS und der Architektur von Herzog & de Meuron stärken wir unsere internationale Positionierung. Die Aufnahme des TITLIS Towers in die World Federation of Great Towers eröffnet uns zusätzliche Möglichkeiten in der weltweiten Vermarktung. Auch die positiven Rückmeldungen der Reiseveranstalter bestärken uns auf diesem Weg.

Entscheidend ist, diese internationale Aufmerksamkeit in Nachfrage zu übersetzen. Gleichzeitig bieten uns Angebote wie das Joseph’s Restaurant und das Horizon Deck die Möglichkeit, zusätzliche Erträge pro Gast zu erzielen. So schaffen wir die Grundlage, um das Potenzial der neuen Infrastruktur langfristig auszuschöpfen

Vielen Dank für das Interview.

Hinweis in eigener Sache: Melden Sie sich hier zum Branchentalk Tourismus vom 29. Oktober in Engelberg an: www.schweizeraktien.net/anmeldung-branchentalk-tourismus-2026/

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