Kongress + Kursaal Bern AG: Schreibt wieder schwarz und schüttet Dividende aus

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Quelle: Kongress + Kursaal Bern AG
Der neue Kursaal in Bern lädt zum Besuch ein.

Die Kongress + Kursaal Bern AG erntete im Geschäftsjahr 2013 die Früchte der umfassenden Investitionen. Dazu gehörte die Neugestaltung des Kursaals und die Erneuerung der Küche sowie des Zugangsbereichs zum Grand Casino. Im ersten vollen Betriebsjahr nach dem Umbau übertrafen die Umsatzerträge auf Gruppenebene im 2013 mit 85.9 Mio. CHF die Vorjahreswerte von 70 Mio. CHF deutlich. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in diesen Zahlen erstmals die Erträge des Casinobetriebs in Neuenburg für ein volles Betriebsjahr enthalten sind. Das Casino in Neuenburg, an welchem die Kongress + Kursaal Bern mit 98% beteiligt ist, eröffnete im November 2012. 2013 erwirtschaftete der Betrieb in Neuenburg insgesamt, d.h. aus dem Spielbetrieb und den Restaurationserträgen, 13.5 Mio. CHF.

Die Geschäftsentwicklung bei der Haupteinnahmequelle, dem Spielgeschäft, ist ebenso vom neuen Betrieb in Neuenburg geprägt. Aus dem Spielgeschäft konnten auf Gruppenebene dank des neuen Betriebs Erträge in Höhe von 43.1 Mio. CHF nach 35 Mio. CHF im Vorjahr ausgewiesen werden. Die positive Umsatzentwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch das Grand Casino in Bern unter den branchenweit rückläufigen Spielerträgen leidet. So fielen die Bruttospielerträge (BSE) in Bern um 5.25 Mio. CHF respektive um 9.2% auf 51.87 Mio. CHF. Deutlich geringer fiel das Minus bei den Besucherzahlen mit knapp 1.8% auf 279’811 aus. Der Betrieb in Neuenburg konnte 171’974 Spieler empfangen und verbuchte Bruttospielerträge in Höhe von 19.3 Mio. CHF. Zumindest ein Teil dieser Erlöse dürfte von den früheren Besuchern des Berner Betriebs stammen (siehe Blog-Beitrag vom 10. April 2014). Auch bei den Restaurationserträgen ist der starke Anstieg um gut 4.5 Mio. CHF auf 26.2 Mio. CHF grossteils dem Betrieb in Neuenburg zu verdanken.

Eine erfreuliche Zunahme verzeichnete die Gesellschaft bei den Beherbergungserträgen, die ausschliesslich vom Hotel Allegro in Bern stammen. Mit einem Plus von 8.5% auf 9.1 Mio. CHF konnte der Hotelbetrieb ein Rekordjahr verzeichnen. Noch stärker legten die Einkünfte aus den Dienstleistungs- und Mietgeschäften mit plus 47.7% auf 7.35 Mio. CHF zu. Dieses spiegelt die gute Akzeptanz des neuen Kursaals und der zusätzlichen Seminar- und Konferenzräume, die rege genutzt werden, wider.

Auf der Kostenseite schlug sich die Erweiterung der Geschäftsaktivitäten bei den Personalausgaben mit plus 22.2% auf 38.9 Mio. CHF und den Warenaufwendungen mit plus 30.7% auf 6.7 Mio. CHF deutlich nieder. Indessen konnte der übrige Betriebsaufwand vor allem wegen der markant gesunkenen Ausgaben für die Verwaltung um 4.7% auf 18.15 Mio. CHF gesenkt werden. Insgesamt führte dies zu einem starken Anstieg des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 63.6% auf 18.9 Mio. CHF. Wegen der im 2012 angefallenen Kosten für den Umbau des Kursaals, die zumindest teilweise der Erfolgsrechnung belastet wurden, ist ein Vergleich der ausgewiesenen Zahlen nur bedingt aussagekräftig. Noch deutlicher wird dies beim Gruppenergebnis. Nach einem Vorjahresverlust von 2.8 Mio. CHF konnte im 2013 ein Reingewinn von 2.3 Mio. CHF ausgewiesen werden. Die Aktionäre erhalten nach einem Ausfall der Ausschüttung im Vorjahr für 2013 wiederum eine Dividende in Höhe von 10 CHF pro Aktie, die in der für Schweizer Privatanleger steuerfreien Form der Ausschüttung aus Kapitaleinlagereserven erfolgt.

Die Zahlen des Jahresabschlusses fallen erfreulich aus. Befürchtungen, dass die Gesellschaft weiterhin keine Dividende ausschütten wird, haben sich nicht bewahrheitet. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gesellschaft wieder in die Liste derjenigen Unternehmen, die regelmässig Dividenden ausrichten, zurückkehrt und der Ausfall – wie vor Jahresfrist kommuniziert – als eine Art solidarische Beteiligung der Investoren an den Kosten des Umbauprojekts zu betrachten ist. Auch die Bilanzkennzahlen können als gut qualifiziert werden. Diese fallen mit einer Eigenmittelquote von 43.3% nicht nur angesichts der hohen Investitionen im Vorjahr ansprechend aus.

Sehr positiv zu bewerten ist die erfreuliche Entwicklung der Geschäftsfelder ausserhalb des Spielgeschäfts. Diese machen rund 50% der Gesamterträge aus und sollten es auch bei den sich weiterhin abzeichnenden rückläufigen Spielerträgen erlauben, ansehnliche Ertragsmargen zu erwirtschaften. Bis zum heutigen Tag erscheint es zumindest sehr wahrscheinlich, dass die Entscheidung, den Neubau des Kursaals zu realisieren, sich mittel- bis langfristig auszahlen wird. So sollte es zumindest möglich sein, das aus dem Spielgeschäft zu erwartende Ertragsminus durch Mehrerträge aus den übrigen Geschäftsbereichen zu kompensieren.

Die Aktien werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis der letztgehandelten Kurse von 430 CHF werden die Papiere mit einem deutlichen Abschlag von fast 50% zum ausgewiesenen Buchwert per 31. Dezember 2013 in Höhe von 852 CHF gehandelt. Darin sind allerdings Minderheitsanteile –  die Kongress+Kursaal Bern AG besitzt nur 55% am Grand Casinos Bern – von rund 150 CHF pro Aktie enthalten. Selbst nach Abzug dieser verbleibt ein hoher Discount der Aktien von knapp 40% auf den inneren Wert. Angesichts der Rückkehr in die Gewinnzone und der Wiederaufnahme von Ausschüttungen erscheint dieser Abschlag nicht gerechtfertigt. Zumindest mittelfristig sollte dieser deutlich zurückgehen. Als nur wenig attraktiv muss hingegen die Dividendenrendite von 2.3% betrachtet werden. Dennoch ist das Risiko von deutlichen Kursrückgängen als sehr niedrig einzustufen. Dies gilt auch für den Fall, dass sich die Aussichten der Casinobranche nochmals deutlich verschlechtern.

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