Schweizer Zucker AG: Fallender Zuckerpreis belastet

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Quelle: Schweizer Zucker AG
In seinen Fabriken in Aarberg verarbeitet Schweizer Zucker AG Zuckerrüben. Quelle: Schweizer Zucker AG

Die Schweizer Zucker AG erlebte in den letzten Monaten ein Wechselbad der Gefühle. Nach einer sehr geringen Zuckermenge von knapp 1.4 Mio. Tonnen im Jahr 2013 – ein Rückgang um 18% zum Vorjahr – gab es im vergangenen Jahr mit 1.9 Mio. Tonnen eine Rekordernte. Der starke Anstieg ist nicht nur die Folge grösserer Anbauflächen, sondern auch der günstigeren Witterungsverhältnisse für den Rübenanbau. Wie das Unternehmen im Aktionärsbrief vom Januar schreibt, konnten in der Ernteperiode 2014 über 300’000 Tonnen Zucker gewonnen werden. Die Lager seien derzeit gut gefüllt mit Schweizer Zucker. Dem hohen Bestand steht der Rückgang des Zuckerpreises in der EU und damit auch in der Schweiz seit März 2014 gegenüber. Der Zerfall des Euros bringe den Schweizer Zucker nochmals unter Druck, bestätigt CEO Guido Stäger auf Nachfrage. Der Preisdruck steige in dem Masse, in welchem günstiger Importzucker auf den Markt komme.

So gab es im Geschäftsjahr 2013/14, über welches die Schweizer Zucker AG den Aktionären jetzt erste Voarbinformationen lieferte, auch einen Umsatzrückgang um knapp 30 Mio. CHF respektive 11% auf 241.2 Mio. CHF. Gleichzeitig konnte allerdings auch der Aufwand für die Zuckerbeschaffung, das sogenannte Rübengeld, um 18.6 Mio. CHF auf 111.3 Mio. CHF gesenkt werden. Per Saldo fiel der Betriebsgewinn des Unternehmens vor Abschreibungen (EBITDA) gegenüber dem Vorjahr um 15.7% auf 9.2 Mio. CHF. Der Reingewinn hielt sich jedoch mit 2.7 Mio. CHF fast auf dem Vorjahreswert von 2.8 Mio. CHF. Die Investitionen in Sachanlagen betrugen 14.5 Mio. CHF nach 22.3 Mio. CHF im Vorjahr. Wegen des Abbaus der Lagerbestände bis zum Bilanzstichtag am 30. September 2014 erhöhten sich die liquiden Mittel um 27.7 Mio. CHF auf 100.3 Mio. CHF. Zur Dividende für das Berichtsjahr machte der Firmenchef noch keine Angaben. Im Vorjahr lag die Zahlung noch bei 0,80 CHF je Aktie – entsprechend einer Dividendenrendite von 2,9%.

Zuckerpreis fällt weiter

Für das laufende Geschäftsjahr zeichnet sich eine weitere Preiserosion bei Zucker in der Schweiz ab. Nach Einschätzung des CEO werden die Pflanzer dabei durch weitere Preisrückgänge belastet, und auch die Anbaufläche soll um 5% bis 10% schrumpfen. Wie die Gesellschaft im Aktionärsbrief berichtet, sind zwar keine eindeutigen Gründe für den starken Preiszerfall bei Zucker auszumachen. Als mögliche Erklärung nennt Schweizer Zucker das angekündigte Ende des Quotenregimes in der EU für Zucker im Jahr 2017 mit entsprechendem Wettbewerb um Marktanteile und entsprechendem Preisdruck. Nach Ansicht von Stäger ist die weitere Entwicklung schwer abzuschätzen. Doch der Experte sieht Anzeichen dafür, dass der Weltmarkt eher früher als später mit Zucker unterversorgt sein wird und hält deshalb eine plötzliche Trendumkehr bei den Preisen für möglich.

Die ersten Informationen über das Geschäftsergebnis des Jahres 2013/14 sind angesichts des schwierigen Umfelds als positiv zu werten. Inwieweit Rückstellungen zur Beibehaltung des Reingewinns aufgelöst wurden, wie dies die Gesellschaft in einem Aktionärsbrief als mittelfristiges Szenario bereits ankündigt hat, wird erst bei der Vorlage des ausführlichen Geschäftsberichts im März bekannt. Der ausgewiesene Reingewinn lässt zumindest die Vermutung zu, dass eine Dividende in Vorjahreshöhe von 0.80 CHF pro Aktie ausbezahlt werden könnte.

Angesichts der aktuellen Situation sehen wir keinen Bedarf, unsere Einschätzung zur Aktie der Schweizer Zucker vom Sommer 2014 zu revidieren. Hieran ändert auch der Kursrückgang der auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelten Papiere von über 20% wenig. Der letztbezahlte Kurs von 28 CHF reflektiert die Unsicherheiten über den weiteren Geschäftsverlauf nur zum Teil. Solange sich keine Trendwende bei den Zuckerpreisen abzeichnet, ist mit der Auflösung von Rückstellungen zu rechnen. Dies wiederum führt zu einer Reduktion des Substanzwerts. Ob ähnlich wie bei den zwischenzeitlich verschwundenen Obstgenossenschaften früher oder später eine Betriebsaufgabe in Frage kommt, bei der den Aktionären das Nettovermögen oder Veräusserungserträge zufliessen, ist offen. Dieses Szenario ist jedoch nur für Anleger mit einem Anlagezeitraum von mehr als einem Jahrzehnt interessant. Unterstützung bieten könnte aber eine starke Trendumkehr der Zuckerpreise auf dem Weltmarkt. Diese zeichnet sich allerdings kurzfristig nicht ab. Vor diesem Hintergrund ist die Aktie im Moment wenig aussichtsreich.

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