Bank Leerau und Clientis Sparkasse Oftringen: Verbesserte Kostenquote und hoher Discount zum Buchwert

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Quelle: Bank Leerau Genossenschaft
Quelle: Bank Leerau Genossenschaft

Die Berichtsaison der Finanzhäuser läuft auf vollen Touren. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Bank ihre Zahlen für 2014 vorlegt. Jetzt haben mit Bank Leerau (BL) und Clientis Sparkasse Oftringen (CSO) zwei als Genossenschaften organisierte Institute aus dem aargauischen Mittelland ihre Daten präsentiert. Für die Bank Leerau war das Berichtsjahr das erste Jahr im Alleingang nach dem Austritt aus dem Clientis Verband, und bereits jetzt zieht das Unternehmen eine positive Bilanz aus dem Alleingang. So verweist Bank Leerau auf die hohe Kosteneinsparung, die zum Teil durch den Austritt aus dem Verband ermöglicht wurde. Über die im Regionalbankenvergleich hohe Cost-Income-Ratio der Clientisbanken haben wir ja vor einigen Tagen in einem Beitrag, den Sie hier nachlesen können, bereits berichtet. Eine Ausnahme stellt die CSO dar, die eine nicht nur im Vergleich mit den Clientisbanken gute Cost-Income-Ratio erzielt.

Auf jeden Fall konnte Bank Leerau im Alleingang ihre Ausleihungen trotz eines starken Konkurrenzkampfes um 4.4% auf 542.7 Mio. CHF erhöhen. Dabei konnte die BL bei den Ausleihungen die hohe Qualität der Schuldner aufrechterhalten und musste deshalb keine neuen Wertberichtigungen für Ausfallrisiken durchführen. Nicht mit dem Plus der Ausleihungen mithalten konnten die Kundengelder, die lediglich um 1.3% auf 443.8 Mio. CHF anstiegen. Als Grund dafür benennt BL ausserordentliche Abgänge zweier grösserer Positionen bei den Kundengeldern. Im Ergebnis führte dies zu einem Rückgang des Ausleihungsdeckungsgrads von 84.3% auf nach wie vor komfortable 81.8%. Bei den Einnahmen musste BL wegen des Drucks auf die Zinsmargen ein Minus des Erfolgs aus dem Zinsgeschäft um 3.4% auf knapp 7.6 Mio. CHF verbuchen.

Kostenrückgang und erhöhter Bruttogewinn

Dank des Anstiegs der Erträge aus dem zinsindifferenten Geschäft um 0.3 Mio. CHF auf 2.4 Mio. CHF gelang es der BL, die Gesamteinnahmen auf dem Vorjahresniveau von annähernd 10 Mio. CHF zu halten. Deutliche Rückgänge verzeichnete BL bei den Kosten, die um 470’000 CHF auf 5.2 Mio. CHF fielen. Hiervon gehen gut 300’000 CHF auf tiefere Sachaufwendungen zurück. Im Ergebnis resultierte ein Plus des Bruttogewinns um 10.9% auf 4.8 Mio. CHF. Gleichzeitig verbesserte sich die Cost-Income-Ratio markant von 56.6% im Vorjahr auf 51.85%.

Nach einer markanten Äufnung der übrigen Rückstellungen resultierte ein Zwischenergebnis in Vorjahreshöhe von 3.9 Mio. CHF. Die um 100’000 CHF auf 1.9 Mio. CHF erhöhte Dotierung der Reserven für allgemeine Bankrisiken brachte dann beim Reingewinn ein Plus um 1.3% auf knapp 1.5 Mio. CHF. Aus dem Ergebnis sollen die Genossenschafter eine unveränderte Ausschüttung von 8,50 CHF pro Anteilsschein erhalten.

Clientis Sparkasse Oftringen – verbesserter Ausleihungsdeckungsgrad und bessere Kostenquote

Anders als Bank Leerau konnte die CSO im letzten Jahr wegen des stark umkämpften Marktes bei den Ausleihungen nur ein bescheidenes Plus um 1.6% auf 374.1 Mio. CHF verzeichnen. Wegen der anhaltend tiefen Zinssätze haben die Kunden vermehrt Festhypotheken abgeschlossen. Deren Anteil an den Hypothekarausleihungen lag per Jahresende 2014 bei 85%. Im Bereich der Kundengelder betrug das Wachstum 2.4% auf annähernd 314.4 Mio. CHF. Im Ergebnis resultierte ein moderater Anstieg des Ausleihungsdeckungsgrades von 83,35% auf 84%. Auf der Einnahmenseite verzeichnete die CSO wegen des Zinsmargendrucks einen Rückgang des Zinserfolgs um 1.8% auf 5.6 Mio. CHF. Trotz des deutlichen Anstiegs des Erfolgs aus dem Kommissions-und Dienstleistungsgeschäft um 13.3% respektive 87’000 CHF fielen die Gesamteinnahmen um 0.9% auf knapp 7.2 Mio. CHF.

Auf der Kostenseite verzeichnete die CSO ein Minus des Geschäftsaufwands von 1.3% auf 3.8 Mio. CHF. Während die Personalkosten wegen der Erweiterung der Geschäftsleitung moderat um 23’000 CHF stiegen, fielen die Sachausgaben um 72’000 CHF. Im Ergebnis resultierte ein um 0.5% auf 3.3 Mio. CHF gesunkener Bruttogewinn. Die Cost-Income-Ratio wurde leicht von 53,5% auf 53.3% verbessert. Sowohl bei den Abschreibungen als auch bei den Wertberichtigungen verzeichnete die CSO Anstiege in der Grössenordnung von je 50’000 CHF, was zu einem Minus des Zwischenergebnisses um 110’000 CHF auf knapp 2.4 Mio. CHF führte. Dank eines ausserordentlichen Ertrags von 185’000 CHF, resultierend aus der Liquidierung des RBA-Futura-Fonds, und einer um 50’000 CHF auf 1.05 Mio. CHF gesunkenen Dotierung der Reserven für allgemeine Bankrisiken resultierte ein Plus des Reingewinns um 1.6% auf 823’000 CHF. Die Ausschüttung soll unverändert bei 32 CHF pro Genossenschaftsanteil liegen.

BL – Ausblick eingetrübt

Wegen der Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank rechnet die BL mit einer weiteren Reduktion des Erfolgs aus dem Zinsengeschäft im 2015. Zeitgleich werden neue regulatorische Anforderungen zu einer administrativen Mehrbelastung und einem höheren Revisionsaufwand führen. Deutlich weniger konkret wird die CSO bezüglich des laufenden Jahres. Sie rechnet mit einer Fortführung des Erfolgskurses der Vorjahre trotz der vielen Fragezeichen auch im 2015.

Die Vergleiche der Kennzahlen der CSO und der BL zeigen, wie ähnlich sich die beiden Institute entwickelten. So sind die Cost-Income-Ratio von BL mit 51.8% und CSO mit 53.3% ähnlich hoch. Die Zahlen der CSO belegen damit, dass nicht alle Clientisbanken sehr hohe Cost-Income-Ratios aufweisen. Allerdings betreibt die CSO nur eine einzige Geschäftsstelle, was sich positiv auf den Aufwand niederschlägt und zu einer deutlich tieferen Kostenbasis führt. Ein weiteres Indiz sehr hoher Kosten innerhalb der Clientisgruppe liefert die Verbesserung der Zahlen der BL nach dem Austritt aus dem Verband. Die noch zu publizierenden weiteren Abschlüsse werden weitere Indikationen liefern. Sicherlich nicht zu einer Kostenreduktion beigetragen haben die zahlreichen Austritte von Banken aus der Clientisgruppe, die von anfänglich 29 Instituten auf mittlerweile 15 gesunken ist. Als nicht ganz von der Hand zu weisen erscheint daher zumindest auf mittelfristige Sicht die Auflösung der Clientisgruppe. Die wegen des vereinfachten Zugangs zum Kapitalmarkt gegründete Gruppierung ist im aktuellen Bankenumfeld – mit grosser Liquidität, die nach Anlagemöglichkeiten sucht – eher als Kostenfaktor denn als Nutzbringer anzusehen.

Die Titel beider Banken werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Für die wenig liquiden Papiere der Bank Leerau werden aktuell weder Brief- noch Geldkurse gestellt. Der letzte Kurs von 340 CHF stammt aus dem Sommer 2014. Auf dieser Basis weisen die Papiere eine im Regionalbankenvergleich hohe Ausschüttungsrendite von 2.5% auf und werden mit einem hohen Abschlag von 45% gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert bewertet. Sofern es Anlegern gelingt, auf diesem Niveau Titel zu erhalten, erscheinen die Papiere attraktiv. Allerdings dürfte sich ein Verkauf ebenso schwierig gestalten wie der Erwerb der Titel, weswegen nur Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont, die auch einige Zeit auf einen gewünschten Verkauf warten können, die Papiere ins Auge fassen sollten. Deutlich einfacher gestaltet sich der Handel dagegen bei den Papieren der CSO. Diese wurden letztmalig im Januar zu Kursen von 1’840 CHF gehandelt. Die Ausschüttungs-Rendite dieser Papiere ist mit 1.7% deutlich tiefer. Ebenfalls etwas geringer fällt der Discount gegenüber dem Buchwert aus, der bei rund 37% liegt.  

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