CKW: Schwaches erstes Semester 2015, Expansion in neue Geschäftsfelder – 20 Mio. CHF teures Rechenzentrum eröffnet

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Dieses unscheinbare Gebäude in Litau beinhatlet das grösste Rechnungszentrum der Zentralschweiz. Quelle: CKW AG
Dieses unscheinbare Gebäude in Littau beinhaltet das grösste Rechenzentrum der Zentralschweiz. Quelle: CKW AG

Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) setzt auf neue Geschäftsfelder und will über das Stammgebiet hinaus wachsen. Ein wichtiger Schritt dazu ist das grösste kommerzielle Rechenzentrum der Zentralschweiz, das jetzt eingeweiht wurde und in das die 100%ige CKW-Tochter, die CKW Fiber Services AG, rund 20 Mio. CHF investiert hat. In dem Rechenzentrum können die Kunden ihre Daten sicher verarbeiten und speichern. Als erste Kundin wird die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA angegeben. Die SUVA ersetzt mit dem Einzug ins neue Rechenzentrum ihr zweites bestehendes Zentrum, und auch die CKW verlegt ihre Notnetzleitstelle dorthin. So kann die CKW dank Arbeitsplätzen vor Ort an sicherer Stelle das gesamte Stromnetz betreiben.

Ein weiteres Produkt der CKW, das landesweit angeboten wird, ist der CKW VoltControl. Hierbei handelt es sich um einen Spannungsregler, der die in den Stromnetzen eines Gebäudes auftretenden Spannungsschwankungen stabilisiert und die Spannung auf konstant 210 Volt regelt. So sind ohne jegliche Komforteinbussen Stromeinsparungen von bis zu 15 Prozent möglich. Zusätzlich wird vor allem bei Leuchtmitteln die Lebensdauer durch den Wegfall von Spannungsspitzen verringert. Neben dem Ausbau der Aktivitäten treibt die CKW auch die Kosteneinsparungen voran. Ein Teil der Einsparungen stellt die Einstellung der Kotierung der Aktie an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange per Ende Januar 2015 dar. Seitdem werden die Papiere nur noch ausserbörslich gehandelt, was sich sowohl auf die Kosten des Listings als auch auf diejenigen der Rechnungsführung deutlich positiv auswirkt.

Umsatz im Energiebereich fällt, höhere Gebühren im Stromnetz

Das operative Geschäft bei CKW ist derzeit von leichten Rückgängen gekennzeichnet. So verzeichnete das Unternehmen im Berichtssemester auf Gruppenebene ein Umsatzminus von 2.3% auf 455.2 Mio. CHF. Am stärksten fielen die Einnahmen im Bereich Energie mit minus 12.3% respektive minus 29.1 Mio. CHF auf 208.3 Mio. CHF. In dieser Sparte spürte die Gesellschaft die Einflüsse der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, die zu einem zusätzlichen Druck auf die schweizerischen Energiepreise führten. So haben die Kunden, die einen Zugang zu Marktpreisen aufgrund der Menge ihres Strombezugs haben, von den tieferen Preisen profitiert. Gleichzeitig haben weitere Kunden von einem Vertrag zu Gestehungskosten zu einem solchen mit Marktpreisen gewechselt. Ein Teil der geringeren Einkünfte konnte bei der Energiebeschaffung kompensiert werden. So fiel der Betriebsgewinn (EBIT) der Energie-Sparte unterproportional um 3.8 Mio. CHF entsprechend einem Minus von 9.3% auf 37.1 Mio. CHF.

Immerhin liessen höhere Gebühren die Einkünfte aus dem Stromnetz um 8.8% auf 186 Mio. CHF ansteigen. Auch in diesem Segment gelang es der CKW, die Kostenbasis zu verbessern, so dass das EBIT überproportional um 14.3% auf 44.7 Mio. CHF zulegte. Auch im Bereich Installationen konnte die CKW die Einnahmen um 4.6% respektive um 3 Mio. CHF auf 68.3 Mio. CHF ausbauen. Allerdings reduzierte der hohe Margendruck in der Sparte das Ergebnis. Das EBIT stieg daher nur um 1.7% auf 6.1 Mio. CHF an. Insgesamt gelang es, das EBIT auf Gruppenebene um 2.2% auf 87.9 Mio. CHF zu steigern. Dennoch fiel der Reingewinn mit 81.2 Mio. CHF um 1.7% tiefer aus als im Vorjahr. Als Gründe benennt die Gesellschaft im Semesterbericht tiefere Ergebnisse der assoziierten Gesellschaften und Wertminderungen auf Fremdwährungsbeständen.

Optimismus bei neuen Produkten

Für den Rest des Geschäftsjahres 2014/15 per Ende September rechnet die CKW mit einer weiterhin angespannten Situation am Energiemarkt. Die Preisentwicklung des Strommarktes und die Subventionierung von erneuerbaren Energien gepaart mit Unsicherheiten über die Konjunkturentwicklung können sich negativ auf die Profitabilität auswirken. Dank der neuen Produkte zeigt sich die CKW optimistisch, einen echten Mehrwert bei den Kunden zu schaffen und so weitere Kunden an sich zu binden.

Die Geschäftszahlen der CKW fallen nicht nur angesichts des schwierigen Umfeldes, mit dem sich die Energieversorger konfrontiert sehen, gut aus. Mit einer Kostensenkung begegnet das Unternehmen den Preisrückgängen und kann so trotz tieferer Umsätze einen höheren Betriebsgewinn ausweisen. Profitieren konnte die CKW aber auch von der guten Performance des Fonds für die Stilllegung der Kernkraftwerke und der längeren Abschreibungsdauer der in Betrieb befindlichen Kraftwerke. Die CKW ist an den beiden Kernkraftwerken Gösgen und Leibstadt beteiligt und dementsprechend auch für die Äufnung des Fonds zur Stillegung und zur Abschreibung der Betriebsstätten verantwortlich. Als grundsolide kann die Bilanz mit einer Eigenmittelquote von 71.2% angesehen werden.

Die Aktien der CKW werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 230 CHF werden die Titel mit einem Abschlag von knapp 10% zum ausgewiesenen Buchwert per 31. März 2015 gehandelt. Als sehr tief angesehen werden muss die Dividendenrendite, die unter der Annahme einer Ausschüttung in Vorjahreshöhe 1.3% beträgt. Hier besteht insbesondere im Branchenvergleich Verbesserungsbedarf.

Eine Bewertung der Papiere über das KGV ist auf der Basis der Zahlen des ersten Semesters wenig aussagekräftig. Auf der Basis der Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2013/14, die allerdings sehr hohe Sonderabschreibungen auf Lieferverträge wegen den tieferen Marktpreisen beinhalten, werden die Papiere mit einem hohen KGV von 24 bewertet. Inwieweit die Freigabe des Euro-Wechselkurses weitere Abschreibungen notwendig macht, ist noch offen. Ebenfalls kaum eingeschätzt werden kann die weitere Strommarktentwicklung.

Zumindest bis auf Weiteres dürften die Margen unter Druck bleiben. Zusätzliche Wertberichtigungen können nicht ausgeschlossen werden. Da die Gesellschaft ein nicht unerhebliches Immobilienvermögen besitzt, sollte der Substanzwert selbst bei deutlichem Abschreibungsbedarf keinesfalls tiefer ausfallen als der Buchwert. Noch nicht abschliessend beurteilt werden können die Erfolgsaussichten des neuen Rechenzentrums, das möglicherweise einen ansehnlichen Deckungsbeitrag liefern könnte. Wegen der tiefen Rendite eignen sich die Papiere aktuell nur wegen des Substanzwerts zur Anlage. Sollten sich die neuen Geschäftsfelder als margen- und ertragsreich erweisen, wäre eine Neueinschätzung angebracht.

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