Detlef Brose, CEO Grand Casino Baden: „Unsere Vorlaufkosten für Wien betragen rund 4 Mio. CHF“

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Detlef Brose, CEO Grand Casino Baden, Bild: zvg
Detlef Brose, CEO Grand Casino Baden, Bild: zvg

Weil die Spielerträge im Schweizer Casinomarkt seit Jahren rückläufig sind und die Casinodichte im Land sehr hoch ist, will die Stadtcasino Baden AG im Ausland expandieren. Nachdem die Konzession für das geplante Casino in Vaduz nun nochmals ausgeschrieben wird, droht der Stadtcasino Baden AG bei ihrem Prestigeobjekt in Wien ein ähnliches Schicksal. Das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Österreich hat aufgrund der Einsprache von Casinos Austria AG (CASAG), einem Wettbewerber um die begehrten Lizenzen in der österreichischen Landeshauptstadt, nun entschieden, dass das Finanzministerium das Vergabeverfahren neu aufrollen muss. Damit werden die vergebenen Lizenzen wieder einkassiert. Kritisiert werden vom Gericht vor allen das Vergabeverfahren und die Kriterien, nach denen entschieden wurde. Für die Stadtcasino Baden AG (2/3), die zusammen mit der deutschen Gauselmann-Gruppe (1/3) das Projekt im Stadtgebiet Wien Südwest betreiben wollten, kommt der Entscheid überraschend, und CEO Detlef Brose zeigt sich enttäuscht. Die Vorlaufkosten für das Projekt haben insgesamt 4 Mio. CHF betragen. Doch Brose glaubt nicht, dass diese umsonst waren. Im Gespräch mit schweizeraktien.net sagt er, dass eine erneute Bewerbung um die Konzession für ein Casino im Palais Schwarzenberg durchaus denkbar sei, da 75% der Arbeit schon gemacht wäre. Bei einer neuerlichen Bewerbung würden sich keine gravierenden Änderungen ergeben, da das Gericht nur das Verfahren, aber nicht das Konzessionsgesuch kritisiert hätte.

Herr Brose, werden Sie sich nach dem Entscheid des BVG wieder um eine Konzession in Wien bemühen, und wann dürfte damit zu rechnen sein?

Wir können diese Frage heute noch nicht beantworten, da wir gemeinsam mit unseren Juristen den 93-seitigen Bericht erst einmal ganz genau prüfen müssen. Zudem müssen wir auch abwarten, wie sich das Finanzministerium dazu äussert. Denn es könnte sein, dass nur ein Teil des Ausschreibungsverfahrens nochmals durchgeführt wird. Selbst wenn es zu einer kompletten Neuausschreibung kommen würde, wäre der Aufwand für uns nicht so gross, da etwa 75% der Arbeiten schon gemacht ist. Wir können schliesslich einen grossen Teil des bisherigen Konzessionsgesuches wieder verwenden. Natürlich müssten wir den Businessplan aktualisieren und könnten bei den Investitionen gewisse Optimierungen vornehmen. Dies hätte für unser Projekt aber auch Vorteile, denn nach der Vorarbeit der letzten Jahre sehen wir viele Punkte deutlich schärfer. Auch bei der Bauplanung sind wir weiter; uns liegen das Baugesuch und die Zustimmung mittlerweile vor. Schlussendlich entscheiden wir das weitere Vorgehen gemeinsam mit unserem Verwaltungsrat.

Wie hoch waren die bisherigen Investitionen in das Wiener Projekt, und werden diese zu ausserordentlichen Abschreibungen im laufenden Geschäftsjahr führen?

Unsere Vorlaufkosten für das Wiener Projekt betragen rund 4 Mio. CHF, wie wir auch in unserem Geschäftsbericht 2014 geschrieben haben. Rund 1 Mio. CHF wurden davon der Erfolgsrechnung des letzten Jahres belastet und 3 Mio. CHF aktiviert. Nur wenn sich unser Verwaltungsrat entscheidet, kein neues Konzessionsgesuch zu stellen, müssten wir diese 3 Mio. CHF wohl der diesjährigen Jahresrechnung belasten.

Welche vertraglichen Verpflichtungen ergeben sich für die Stadtcasino Baden AG, wenn Sie das Casino in Wien nicht wie geplant eröffnen können?

Keine. Wir haben ausschliesslich Optionsvereinbarungen mit unseren Partnern abgeschlossen, die wir bei erst bei einer juristisch wirksamen Erteilung der Konzessionen erfüllen müssen. Nachfristen in diesen Vereinbarungen geben uns den notwendigen Spielraum. Sofern das Projekt nicht weiter verfolgt wird, entstehen uns keine Kosten aus diesen Vereinbarungen.

Sehen Sie eine Möglichkeit, die bisher entstandenen Kosten zumindest teilweise von einer der österreichischen Behörden zurückzuerhalten? Immerhin wurden dort ja offenbar im Verfahren Fehler gemacht.

Theoretisch bestünde diese Möglichkeit vielleicht, aber praktisch sehen wir dafür keine Chance. Insgesamt finden wir die Entscheidung schon sehr enttäuschend, da unser Projekt herausragend ist und das Gericht bei unserem Gesuch keine Fehler festgestellt hat. Nach dem Entscheid muss man allerdings sagen, dass Casinos Austria als Wettbewerber bisher der Profiteur der jüngsten Entwicklungen am Österreichischen Spielbankenmarkt ist. Nachdem die Geldspielautomaten in den Beizen seit 1. Januar 2014 verboten wurden, musste auch das Automatencasino im Wiener Prater schliessen. Durch die Verzögerungen bei der Vergabe der neuen Konzessionen und dem Entscheid des Verwaltungsgerichts konnte Casinos Austria sein Monopol erhalten, ohne dafür investieren zu müssen.

Welche Auswirkungen hat der Entscheid in Wien auf die Dividendenpolitik der Stadtcasino Baden AG? Der VR hat ja angedeutet, dass es bei einem negativen Entscheid wieder zu einer Erhöhung der Ausschüttung kommen könnte.

Dies hängt natürlich davon ab, ob wir uns bei der Neuausschreibung für die Konzession in Wien beteiligen werden. Daher ist es für eine Aussage dazu noch zu früh.

Welche Lehren ziehen Sie generell aus dem Verfahren in Wien sowie in Vaduz?

Es ist wohl eine Entwicklung in unserer heutigen Zeit, dass es bei öffentlichen Verfahren keine Rechtssicherheit mehr gibt. Dies führt schliesslich dazu, dass sich nur noch sehr grosse Unternehmen mit einem guten Kapitalpolster solche Projekte werden leisten können. Mittelgrosse Unternehmen, wie wir eines sind, bleiben auf der Strecke. Daher sind solche Entwicklungen höchst undemokratisch.

Ist die Auslandsstrategie der Stadtcasino Baden AG damit gescheitert?

Alle neuen Projekte sind mit einem Risiko verbunden. Davon lassen wir uns nicht so schnell beeindrucken. Ausserdem ist Wien ja noch gar nicht gescheitert. Aus unserer Optik war unser Gesuch für Wien das beste Projekt, und wir haben nun die Möglichkeit, es nochmals einzureichen. Dies ändert auch an unserer Vorwärtsstrategie nichts, solange diese vom Verwaltungsrat getragen wird. In Deutschland gibt es derzeit zwei Projekte, die wir genauer prüfen. Dabei handelt es sich um eine Ausschreibung für ein Casino in Berlin, und zudem werden wir uns mit der Konzessionsausschreibung in Rheinland-Pfalz beschäftigen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Spielerträge in Baden? Spüren Sie negative Auswirkungen durch die Hitzeperiode?

Der Monat Juni lief deutlich besser als im Vorjahr und auch besser als budgetiert. Im Juli hatten wir bisher einen schwachen Verlauf, der allerdings weniger auf die Hitze als vielmehr auf einen hohen Gewinn zurückzuführen ist. Insgesamt entwickelt sich der Sommer allerdings etwas besser als das Vorjahr. Wir sind daher zuversichtlich, im Gesamtjahr 2015 nur leicht unter Vorjahr abschliessen zu können.

Der Entscheid des Wiener Bundesverwaltungsgerichts wirft die Stadtcasino Baden AG bei einem zweiten Auslandprojekt um einige Jahre zurück. Dies vorausgesetzt, dass sie sich ein zweites Mal um die Konzession bemühen wird. Angesichts des zum jetzigen Zeitpunkt als gering einzuschätzenden Zusatzaufwands wäre dieser Schritt aus Aktionärssicht sicherlich zu begrüssen. Allerdings sollte man bei dem Wiener Projekt auch berücksichtigen, dass es eine hoch politische Angelegenheit ist. Denn das Wiener Finanzministerium bzw. der österreichische Staat ist mit 33% an Casinos Austria (CASAG) beteiligt.

Solange allerdings die Auslandsstrategie wie bisher vorsichtig und mit überschaubarem Risiko verfolgt wird, erscheint dies als sinnvoller Weg, um aus dem stagnierenden Schweizer Markt auszubrechen. Nur wenn sich der Verwaltungsrat der Stadtcasino Baden AG entscheidet, das Wiener Projekt nicht weiter zu verfolgen, müssten die Aktionäre im laufenden Geschäftsjahr mit einem Gewinneinbruch rechnen. Ohne diese Sonderfaktoren dürfte der Gewinn im Bereich von 4 Mio. CHF liegen. Damit wären die auf OTC-X zuletzt für 524 CHF gehandelten Aktien mit einem KGV von 13 bewertet. Auch die Rendite liegt, eine gleichbleibende Zahlung von 15 CHF vorausgesetzt, bei knapp 3%. Damit ist de Aktie nicht zu teuer. Kursfantasie kommt in den Titel allerdings erst wieder, wenn eines der Auslandsprojekte zu neuem Wachstum beiträgt.

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