Casino-Gesellschaften: Beschleunigter Strukturwandel durch Covid-Effekt

Land-basierte Schweizer Casinos verzeichnen Umsatzrückgang von 39,1% in 2020

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Hart zugeschlagen haben die Folgen der Pandemie bei der Schweizer Glücksspielwirtschaft. 100 Tage und mehr des Corona-Jahres 2020 waren die land-basierten Casinos durch behördliche Anordnung geschlossen. Die aggregierten Umsätze der 21 terrestrischen Casinos sanken um 39,1% auf 452 Mio. CHF – und damit auf den tiefsten Stand in der gesamten Historie. Einen Lichtblick bildet das Online-Geschäft bei denjenigen Casino-Betreibern, die frühzeitig die Konzessionserweiterung angestrebt haben und 2020 voll operativ waren oder wurden. Die Umsätze im Bereich Online-Casino schossen von 23.5 Mio. CHF in 2019 auf 186.8 Mio. CHF in die Höhe. Insgesamt gaben die Erträge aus Spielbankengeschäft somit um 16,7% auf 637.4 Mio. CHF nach.

100 Tage und mehr des Corona-Jahres 2020 waren die land-basierten Casinos durch behördliche Anordnung geschlossen. Bild: Adobe Stocks

Laut dem ESBK-Bericht zum Geschäftsjahr 2020 hat die Pandemie mit ihren Einschränkungen und Auflagen zahlreiche wirtschaftliche Folgen für die Industrie gezeitigt. Die Umsätze fielen bei einzelnen Gesellschaften um mehr als 40%, bei Meyrin sogar um 52,8%. Die aggregierten Jahresgewinne waren um 76,8% auf 17.9 Mio. CHF rückläufig. Ein wichtiger Grund war der einmalig um 14,4% auf 177.3 Mio. CHF gesteigerte Betriebsaufwand. Die Personalkosten sanken demgegenüber kräftig um 16,9% auf 158 Mio. CHF. Dem AHV-Ausgleichsfonds flossen mit 248 Mio. CHF insgesamt 20,5% weniger als im Vorjahr zu.

Rentabilität unter Druck

Weiterhin sank die Eigenkaptalrendite im Durchschnitt von 17,35% im Vorjahr auf nun 0,83% ab. Die ausgeschütteten Dividenden ermässigten sich auf 49.5 Mio. CHF, im Vorjahr waren es noch 80.3 Mio. CHF gewesen. Da das Fremdkapital in signifikantem Ausmass zurückgeführt wurde, stellt sich die Eigenkapitalquote trotz eines um 11% rückläufigen Eigenkapitals mit 66% unverändert solide dar.

Monatliche Entwicklung des BSE (Bruttospielertrag) aller 21 Casinos in Abhängigkeit der Schliessungen. Abbildung: Schweizer Casino Verband, Jahresbericht 2020.
Prekär finanziert

Dennoch haben nicht wenige der Casinos rote Zahlen ausgewiesen, wenngleich meist in überschaubarem Rahmen. Manche sind laut ESBK aber dadurch nun „prekär“ finanziert. Die Kursaal Bern hat mit einem Jahresverlust von 3.3 Mio. CHF den höchsten Verlust verzeichnet. Gegenwärtig wird jedoch eine Kapitalerhöhung mit anschliessendem IPO an der BX Swiss durchgeführt, die der Gesellschaft rund 14 Mio. CHF an Netto-Emissionserlös einbringt.

Verschiebung der Marktanteile

Gravierende Veränderungen gab es aber nicht nur bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung, sondern auch bei den Marktanteilen. Der Grund liegt in dem Erfolg respektive Misserfolg der Online-Strategien im Pandemiejahr 2020. Am deutlichsten wird dies bei der Betrachtung von Kursaal-Casino Luzern. Zwar wurde ein vergleichsweise bescheidener Verlust von 0.3 Mio. CHF ausgewiesen, doch der Konzernertrag nahm um 75% zu. Das Online-Angebot war nach dem von Stadtcasino Baden das zweite, das im Sommer 2019 den Online-Betrieb aufnahm. Mit einem Jahres-BSE von 69 Mio. CHF führt das Online-Casino der Luzerner das Ranking an. Die Online-Umsätze konnten die Umsatzrückgänge im physischen Casino mehr als kompensieren.

Alle Casinos ohne Online-Betrieb verzeichneten einen starken Rückgang des BSE. Abbildung: Schweizer Casino Verband, Jahresbericht 2020
Online Champions

Insgesamt fünf Casinos – neben Luzern die von Baden, Pfäffikon, Interlaken und Davos – ist es gelungen die terrestrischen Umsatzausfälle durch Online-Erlöse aufzufangen, alle anderen verzeichneten Rückgänge. Die Besucherzahlen in den land-basierten Casinos fielen um 45,8% auf 2.5 Mio. Eintritte, so der Schweizer Casino Verband in seinem Jahresbericht.

Ranking in Bewegung

Im terrestrischen Bereich hat sich am Ranking der einzelnen Casinos wenig verändert. Die Spitzengruppe mit etwas über 50 Mio. CHF Bruttospielertrag (BSE) bilden Baden und Zürich, gefolgt von Montreux, Basel und Mendrisio im Bereich 37 Mio. CHF. St. Moritz und Davos bilden mit 1.7 Mio. CHF respektive 1.2 Mio. CHF die Schlusslichter.

Abbildung: Schweizer Casino Verband, Jahresbericht 2020

Doch das Gesamtbild hat sich durch die unterschiedlich entwickelten Online-Aktivitäten deutlich verändert. Vom BSE in Höhe von 637.4 Mio. CHF entfallen nun plötzlich 29,3% auf den Online-Bereich. Da bis Ende 2020 nur sieben Online-Lizenzen erteilt waren, konnten die erfolgreicheren unter ihnen ihre Marktstellung deutlich ausbauen. Neben Luzern gelang dies auch Pfäffikon und Baden recht gut, aber auch Davos und Interlaken konnten punkten. In Davos liegt der Online-Umsatz mit 16.7 Mio. CHF bei einem Vielfachen der terrestrischen 1.2 Mio. CHF.

Fazit

Die grossen Gewinner sind die Pioniere im Online-Casinogeschäft. Ihre Investitionen in einen starken, frühen und attraktiven digitalen Marktauftritt haben sich klar sichtbar ausgezahlt. Ohne Zweifel wird das terrestrische Geschäft im laufenden Jahr zurückkommen, doch die Online-Alternative ist inzwischen fest etabliert. Die Vorteile sind vielfältig, beispielsweise der 24/7-Betrieb, der Verzicht auf Etikette, Anfahrt und Parkplatzsuche. Zudem werden in Teilen andere Zielgruppen angesprochen. Ob die Attraktivität der Spiele und der Komfort der Spieler im Cyber-Space allerdings ausreichen werden, um der langfristigen Erosion der Bruttospielerträge entgegenzuwirken, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Noch 2007 hatten die kollektiven BSE der Schweizer Casino-Gesellschaften bei über 1 Mrd. CHF gelegen.

Die Branche argumentierte in der Vergangenheit, dass mindestens 250 Mio. CHF an illegale ausländische Anbieter abgeflossen seien, was nun durch Sperrungen und das neue Spielbankengesetz weitgehend gestoppt ist. Beide Formen – online und offline – werden wohl co-existieren, wobei es nicht überraschen sollte, wenn die Online-Erträge in einigen Jahren 50% ausmachen werden. Es ist zu erwarten, dass sich fünf bis sechs Anbieter den Online-Markt teilen und andere erst gar nicht starten oder aufgeben werden. Im terrestrischen Bereich dürften die bestehenden Marktführer weiterhin Marktanteile auf sich ziehen. Für manche, vor allem kleinere, Player ohne florierendes Onlinegeschäft könnte es eng werden. Umgekehrt könnten Player aus der zweiten und dritten Reihe mit erfolgreichen Online-Aktivitäten zu ganz neuer Prominenz heranwachsen.

Die Entwicklung der Aktien auf OTC-X ist allerdings nicht sehr aufschlussreich. Der OTC-X-Index Freizeit, Tourismus, Sonstiges verliert seit Jahresbeginn um 2%. Die einzelnen Casino-Aktien liegen zwischen -5% bei Interlaken und +9% bei Luzern. Die meisten liegen bei +/- 1%. Auf jeden Fall sollte die weitere Entwicklung der Online-Casinos von interessierten Investoren im Auge behalten werden.

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