Felix Graf, CEO CKW-Gruppe: „Die Energiepreise werden auch wieder einmal steigen“

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Felix Graf, Dr. sc. nat. ETH, ist seit Februar 2014 Chief Executive Officer der Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW) und Mitglied der Konzernleitung der Axpo Holding AG. Von 2011 bis 2014 war er bereits Mitglied der Geschäftsleitung von CKW. Felix Graf ist promovierter Physiker, war zuvor als Chief Operating Officer bei Teleclub und während mehreren Jahren bei Swisscom tätig, zuerst als Strategiechef, später als Leiter Unterhaltungsdienste, wo er die Entwicklung und Einführung von neuen Breitbanddiensten wie z.B. Swisscom TV verantwortete. Bis 2002 arbeitete er als Engagement Manager während fünf Jahren bei McKinsey. Bild: www.ckw.ch
Felix Graf, Dr. sc. nat. ETH, ist seit Februar 2014 Chief Executive Officer der Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW) und Mitglied der Konzernleitung der Axpo Holding AG. Von 2011 bis 2014 war er bereits Mitglied der Geschäftsleitung von CKW.
Felix Graf ist promovierter Physiker, war zuvor als Chief Operating Officer bei Teleclub und während mehreren Jahren bei Swisscom tätig, zuerst als Strategiechef, später als Leiter Unterhaltungsdienste, wo er die Entwicklung und Einführung von neuen Breitbanddiensten wie z.B. Swisscom TV verantwortete. Bis 2002 arbeitete er als Engagement Manager während fünf Jahren bei McKinsey. Bild: www.ckw.ch

Seit knapp einem Jahr werden die Aktien des Zentralschweizer Versorgers CKW ausserbörslich gehandelt. Im Geschäftsjahr 2014/15 ist es der CKW-Gruppe zwar gelungen, ein um 22.8% höheres Unternehmensergebnis auszuweisen. Dennoch litt das Unternehmen, wie die gesamte Branche, unter dem Margendruck im Energiegeschäft und den tiefen Preisen. Im Vergleich zu anderen Energieunternehmen stehen die Zentralschweizer noch recht gut da. CEO Felix Graf begründet dies mit der Diversifikation des Unternehmens, wie er im Interview mit schweizeraktien.net sagt. Zudem spricht er über künftige Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien. Grossprojekten erteilt er jedoch eine Absage.

Das Energiegeschäft war auch schon einfacher als gegenwärtig. Wo drückt Sie der Schuh am meisten: beim Preiszerfall, bei der Frankenaufwertung, bei den politischen Eingriffen, beim Atomausstieg oder bei etwas anderem?

Felix Graf: Der Preiszerfall tut uns weh, wir mussten 2015 zum zweiten Mal Wertberichtigungen vornehmen. Die Gründe für den Preiszerfall sind vielfältig, vier Haupttreiber stechen aber heraus: Die tiefen Primärenergiepreise, der tiefe CO2-Preis, der Währungseffekt sowie der Zubau an erneuerbaren Energien in Deutschland.

Zeichnet sich bei einem dieser Problemfelder im laufenden Jahr eine Entspannung ab?

Der Preiszerfall betrug alleine im letzten Jahr rund 18 Prozent. Und leider sieht es vorerst nicht nach einer Entspannung aus. Die Energiepreise verhalten sich aber zyklisch, und die Entwicklung von Konflikten, wie aktuell zum Beispiel im Nahen Osten, kann sich schnell auf die Preise auswirken.

Im Vergleich zu andern Energiekonzernen, die in den letzten Jahren Milliardenverluste erlitten haben, steht die CKW relativ gut da. Weshalb?

Es ist uns gelungen, die CKW-Gruppe breit abzustützen. Mit der CKW Conex AG beispielsweise sind wir in der Zentralschweiz im Elektroinstallationsgeschäft gut verankert und mit CKW Fiber Services im Bereich Telekom- und IT-Infrastruktur. Diese Diversifikation ist Teil unserer Strategie und wird in Zukunft noch verstärkt vorangetrieben.

Ist diese Diversifikation in neue Geschäftsbereiche ausserhalb des Energiebereichs tatsächlich eine gangbare Alternative, um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen?

Ja, die Diversifikation hilft uns, das Risiko zu reduzieren. Sie bietet uns aber auch die Chance, in Geschäftsfelder vorzudringen, wo wir unsere Erfahrungen und unser Wissen mit einbringen können. Wir sehen für uns einige Möglichkeiten. Beispielsweise den vorhin erwähnten Ausbau im Telekombereich. Im vergangenen Jahr haben wir das grösste Rechenzentrum der Zentralschweiz in Betrieb genommen.

Würden Sie eine stärkere Liberalisierung des Energiegeschäfts begrüssen? Muss der Staat wirklich Besitzer von Energiekonzernen sein?

Ja, ich würde es begrüssen, wenn alle Kunden ihren Stromlieferanten frei wählen könnten. Ich halte dies für eine wichtige Voraussetzung für eine innovative Entwicklung. Zur Aktionärsstruktur: Es steht mir nicht an, diese zu beurteilen. Als Investor würde ich jedoch sehr genau hinschauen und analysieren, ob mein Portfolio genügend diversifiziert ist.

Ein happiger Vorwurf kommt vom ehemaligen BKW-Manager Samuel Leupold. Die Schweizer Energieunternehmen seien vorwiegend politisch gesteuert und arbeiteten nicht nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Ist da was dran?

Ich will nur für uns sprechen. Wir treffen unsere Entscheide durchaus auf Basis von betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Dass es starke politische Abhängigkeiten gibt, ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Diese ziehen wir in unsere Betrachtungen mit ein. Was andere tun, kann und will ich nicht kommentieren.

Wie sieht die Langfriststrategie der CKW aus? Wie weit ist das Unternehmen beim Ausbau der erneuerbaren Energien?

Wir arbeiten intensiv an einigen Projekten. So sind wir beispielsweise beim Elektrizitätswerk Altdorf, das zur CKW-Gruppe gehört, mitten in der Realisierung von zwei neuen Wasserkraftwerken.

Welche sind die wichtigsten Grossprojekte, und in welchem Zeitraum können diese realisiert werden?

Grossprojekte wie das Pumpspeicherwerk Linth-Limmern werden wir im aktuellen Marktumfeld in den nächsten zehn Jahren in der Schweiz kaum mehr sehen. Unser Fokus liegt viel mehr auf den neuen erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind.

Wie sind Ihre Geschäftsprognosen für das nächste und übernächste Jahr. Wie sehen die Langfristperspektiven aus?

Wir sind solide aufgestellt und in der Lage, auch mit den aktuell sehr tiefen Energiepreisen erfolgreich zu sein. Doch der Druck ist hoch. Wenn ich aber alle unsere Ideen und die bereits in Realisierung stehenden Projekte betrachte, stimmt mich die Zukunft zuversichtlich.

Welche ist die realistischste Entwicklung der weltweiten Energielandschaft? Ist ein Wiederanstieg der Energiepreise überhaupt denkbar?

Die Energiepreise unterliegen Zyklen; wüsste ich, wann sie wieder anziehen, wäre ich ein reicher Mann. Es wird aber wieder aufwärts gehen. Die gesamte Wirtschaftsentwicklung wird ein wichtiger Treiber sein.

Vor rund einem Jahr hat sich die CKW von der Börse verabschiedet. Die Aktien werden nun ausserbörslich gehandelt. Hat sich dieser Schritt bewährt? Oder ist eine Rückkehr an die Börse ein Thema?

Ja, die Dekotierung hat sich bewährt, wir sparen damit deutlich an Kosten. Für uns gibt es keinen Grund, wieder an die Börse zurückzukehren – insbesondere auch, weil nur sehr wenige Aktien von CKW frei handelbar sind.

Die Dekotierung ist in Finanzkreisen kritisiert worden, weil der Entscheid nicht durch die Generalversammlung gefällt wurde. Ist diese Kritik berechtigt?

Nein, der Entscheid liegt im Kompetenzbereich des Verwaltungsrates und nicht der Generalversammlung. So steht es im Gesetz und in den Statuten. Insofern ist die Kritik nicht gerechtfertigt.

In drei Jahren wird die CKW 125-jährig. Wie wollen Sie diesen Anlass feiern?

Lassen Sie sich überraschen …

Der Kurs der CKW-Aktie bewegte sich seit der Aufnahme des ausserbörslichen Handels in einer Brandbreite von 180 bis knapp 300 CHF. In den letzten Monaten hat er sich allerdings im Bereich von 230 CHF eingependelt. Zuletzt wurden auf OTC-X Preise von 235 CHF für eine CKW-Aktie bezahlt. Auf Basis dieses Kurses ist die Aktie bei einem Gewinn pro Aktie in 2014/15 von 12.20 CHF mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 19 bewertet. Die Dividendenrendite liegt bei 1.3%. Im Vergleich zu anderen Versorgeraktien, die ausserbörslich gehandelt werden (Wasserwerke Zug, EW Jona) ist der Titel etwas höher bewertet. Interessant ist die Aktie daher vor allen Dingen für Investoren mit einem längerfristigen Zeithorizont, welche auf die Substanz des Unternehmens und steigende Erträge aus den neuen Geschäftsfeldern setzen.

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