Hypothekarbank Lenzburg: Solides Geschäftsergebnis 2015, Dividende bleibt bei 110 CHF – Aktien rentieren mit 2.7%

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Der Eingang zum Stammhaus in Lenzburg wurde modernisiert. Quelle: Hypothekarbank Lenzburg AG
Der Eingang zum Stammhaus in Lenzburg wurde modernisiert. Quelle: Hypothekarbank Lenzburg AG

Die Hypothekarbank Lenzburg AG (Hypi) musste im Geschäftsjahr 2015 einen gegenüber dem Vorjahr um 1.6% auf 67.7 Mio. CHF gesunkenen Geschäftsertrag hinnehmen. Allerdings konnte die Hypi im Hauptgeschäftsfeld, dem Zinsdifferenzgeschäft, ein leichtes Ertragsplus von 0.5% auf 53.1 Mio. CHF verbuchen. Wie die Gesellschaft in einem Mediencommuniqué zum Jahresabschluss schreibt, wurden infolge der veränderten Rechnungslegungsvorschriften neu Veränderungen aus ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen direkt in den Zinserfolg verbucht. Dank des günstigen Risikoverlaufs konnte ein Teilbetrag früher gebildeter Wertberichtigungen erfolgswirksam aufgelöst werden. Auf deren Konto ging knapp ein Drittel des Gesamtanstiegs des Zinserfolgs von 0.3 Mio. CHF.

Hypothekarvolumen wachsen um 2.6% – weniger Firmenkredite

Als unverändert herausfordernd bezeichnet die Hypi das Ausleihungsgeschäft. Die Erzielung einer ausreichenden Zinsmarge bleibt anspruchsvoll. Verdeutlicht wird diese Aussage durch die Zahlen des Geschäftsjahres 2015: Die Summe der Ausleihungen legte im 2015 um 1.7% auf 3.8 Mrd. CHF zu, während der Zinserfolg nur um 0.5% anstieg. Zuzulegen vermochte die Hypi vor allem im Bereich der Hypotheken, die um 2.6% anwuchsen, während die sonstigen Forderungen gegenüber Kunden um knapp 9% fielen. Das Minus resultiert aus der geringen Nachfrage nach Krediten von Firmenkunden. Ungebrochen ist hingegen die Bautätigkeit, die zu einer starken Nachfrage von Privatpersonen nach Finanzierungen für selbstgenutzten Wohnraum führt. Profitieren konnte die Hypi von den massiv tieferen Zinsaufwendungen zur Refinanzierung der Kredite durch Kundengelder, denen allerdings auch ein ebenfalls deutlicher Rückgang der Zinseinnahmen gegenübersteht.

Euro-Kursrückgang belastet Handelsgeschäft

Licht und Schatten liegen beim zinsindifferenten Geschäft eng beieinander. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsertrag stieg im Vorjahresvergleich um 4.3% auf 8.8 Mio. CHF an. Demgegenüber steht allerdings ein Einbruch des Erfolgs aus dem Handelsgeschäft um 36.6% auf 1.7 Mio. CHF. Dieses deutliche Minus geht auf den Rückgang des Euro-Kurses zurück, was zu Wertkorrekturen auf den in Euro gehaltenen Finanzanlagen führte. Auch beim übrigen ordentlichen Erfolg verzeichnete das Lenzburger Bankhaus einen Rückgang um gut 15% auf 4.1 Mio. CHF. In dieser Position enthalten sind vor allem Gewinne aus der Veräusserung von Finanzanlagen sowie Lizenzerträge aus der Bankensoftware Finstar und sonstigen Dienstleistungen für Dritte. Auf der Kostenseite verzeichnete die Hypi nur einen kleinen Anstieg der Geschäftsaufwendungen um 0.4% auf 35.9 Mio. CHF. Während der Personalaufwand stabil blieb, stiegen die Sachaufwendungen um 130’000 CHF auf 8.5 Mio. CHF an. So resultierte ein Bruttogewinn von 31.9 Mio. CHF, was gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 3.8% entspricht. Leicht verschlechtert stellt sich auch die Cost-Income-Ratio mit 53% nach 51.9% im Vorjahr dar. Im Berichtsjahr schrieb die Gesellschaft die Erneuerungsinvestitionen in den Umbau des Hauptsitzes in Höhe von 4 Mio. CHF und die Kosten der Erweiterung der Software von 2.1 Mio. CHF vollständig zulasten der Erfolgsrechnung ab. Zudem wurden zulasten der Erfolgsrechnung unter der Position Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Werten 0.6 Mio. CHF verbucht. Insgesamt resultierte so ein ordentliches Ergebnis von 25.1 Mio. CHF nach 24.9 Mio. CHF im Vorjahr. Dem um 1 Mio. CHF tieferen ausserordentlichen Ertrag steht ein um 1 Mio. CHF tieferer Aufwand für die Bildung der Reserve von allgemeinen Bankrisiken gegenüber. Zudem verbuchte die Hypi im 2015 einen ausserordentlichen Aufwand von 0.5 Mio. CHF. Dank der in fast gleicher Höhe rückläufigen Steuern resultierte ein gegenüber dem Vorjahr um 0.3% auf 21.3 Mio. CHF gestiegener Reingewinn. Die Aktionäre sollen eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 110 CHF pro Aktie erhalten.

Wachstum durch Informatikdienstleistungen

Mit der von der Hypi selbst entwickelten Bankensoftware Finstar befindet sich das Bankhaus auf Wachstumskurs. Per Jahresende 2015 konnte mit der Sallfort Privatbank erstmalig eine auf das Vermögensverwaltungsgeschäft spezialisierte Bank als Kunde gewonnen werden. Gemeinsam mit den flankierenden Dienstleistungs- und Serviceangeboten sieht die Gesellschaft hier weiteres Ertragspotenzial.

Die Geschäftszahlen der Hypi fallen auch im 2015 wenig spektakulär aus. Wie sich bereits im Sommer abzeichnete, hat die Aufgabe der Euro-Unterstützung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) nur einen geringen Einfluss auf das Lenzburger Bankhaus. Auch die neuen Rechnungslegungsvorschriften wirkten sich lediglich marginal auf die Erfolgsrechnung aus. So konnte die Hypi auch im anhaltend schwierigen Umfeld mit einem sehr hohen Zinsmargendruck ein solides Ergebnis erzielen. Der Verzicht auf hochspekulative Geschäfte und die Fokussierung auf das Hypothekargeschäft in der Region erwiesen sich auch im 2015 als stabile Stütze. Zwar sind noch nicht alle Details der Zahlen bekannt, doch lässt auch die Publikation des detaillierten Geschäftsberichts, bei dem insbesondere auf die Erklärungen zu den ausserordentlichen Positionen und Wertberichtigungen geachtet werden sollte, keine negativen Überraschungen erwarten. Als sehr positiv zu bewerten ist zudem, dass die Hypi eine Vereinbarung mit den US-Behörden abschliessen konnte, wodurch das aufwendige Steuerprogramm mit den USA abgeschlossen werden konnte. Die bereits vorab gebildeten Rückstellungen reichten hierzu vollständig aus.

Als grundsolide angesehen werden können die Bilanzkennzahlen. Nicht nur der sehr hohe Deckungsgrad der Ausleihungen durch eigene Kundengelder in Höhe von 97% ist erfreulich. Auch die nur geringen unbesicherten Ausleihungen an Geschäftskunden und der hohe Anteil der durch Hypotheken abgesicherten Kredite sind positiv. Dank der aktiven Bewirtschaftung der liquiden Mittel ist es gelungen, im Berichtsjahr Negativzinsen auf die bei der SNB gehaltenen Einlagen zu vermeiden.

Die Aktien der Hypi sind an der schweizerischen Hauptbörse SIX Swiss Exchange kotiert. Der letztbezahlte Kurs der Papiere betrug 4’070 CHF. Auf dieser Basis weisen die Aktien eine nicht nur im aktuellen Tiefzinsumfeld attraktive Dividendenrendite von 2.7% auf. Zudem notieren die Aktien mit einem rund 30%igen Abschlag gegenüber dem ausgewiesenen Eigenkapital. Auch das KGV auf der Basis des vorläufigen ordentlichen Geschäftsfelds von 11.5 für 2015 signalisiert keine Überbewertung der Papiere. Angesichts des nach wie vor schwierigen Umfelds für Regionalbanken, das von einer stetigen Zunahme der regulatorischen Anforderungen und einem anhaltenden Zinsmargendruck geprägt ist, sind keine markanten Kursanstiege der Hypi-Aktie zu erwarten. Das Papier dürfte sich ähnlich wie in den letzten Jahren auch weiterhin als wertstabiler Titel erweisen, der sich für Anleger mit einem Faible für Substanzwerte zur Anlage eignet. Zudem bietet die Hypi ihren Anteilseignern eine attraktive Barrendite an.

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