Hypo Lenzburg: Über 1000 Aktionäre an der Generalversammlung – René Brülhart in den VR gewählt, neue digitale Services

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Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart eröffnete die 147. Generalversammlung.
Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart eröffnete die 147. Generalversammlung.

Seit 147 Jahren ist die Generalversammlung der Hypothekarbank Lenzburg (Hypi) Mitte März ein Ereignis, das aus dem Veranstaltungskalender der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Auch in diesem Jahr besuchten am 19. März weit über 1000 Aktionäre die traditionsreiche Versammlung in der Mehrzweckhalle Schützenmatte in Lenzburg. Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart begrüsste nicht nur die zahlreichen Aktionäre, sondern auch die anwesenden Vertreter der Partnerbanken. Dies unterstreicht, dass die Hypi in den letzten Jahren mit ihrer selbst entwickelten Bankensoftware Finstar zu einem wichtigen Anbieter von Softwarelösungen speziell für Regionalbanken geworden ist. Die erste „Amtshandlung“ bestand in der Wahl der Stimmenzähler, die Hanhart nach althergebrachter Manier analog der Abstimmungen bei Landsgemeinden per Hand durchführen lies. Alle übrigen Abstimmungen erfolgten dann elektronisch.

Schwieriges globales Umfeld

Hanhart erläuterte den Aktionären in seiner Rede die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, mit denen die Hypi konfrontiert war. So erfuhren die Anwesenden, dass die Entwicklung der Wirtschaft in den unterschiedlichen Regionen der Welt unterschiedlich verlief. Allerdings sei die Entkoppelung in den letzten Monaten weniger schnell und weniger umfassend erfolgt als dies erwartet wurde. Zwar hat die als weltweite Wachstumslokomotive bezeichnete Wirtschaft der USA besonders in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewonnen. Sinkende Arbeitslosenraten und tiefe Erdölpreise hätten den privaten Konsum beflügelt. Dies habe die amerikanische Notenbank Fed dazu bewogen, im Dezember 2015 erstmalig nach sieben Jahren mit Nullzinsen den Leitzins auf 0.25% anzuheben. Entgegengesetzt zu dieser positiven Entwicklung sei der Einkaufsmanager-Index der verarbeitenden Industrie verlaufen, ein wichtiger Konjunkturindikator für die US-Wirtschaft. Dieser sei gegen Ende 2015 auf den tiefsten Stand seit 2009 gefallen, so Hanhart.

Ebenfalls von den gesunkenen Energiekosten und den günstigen Finanzierungskonditionen hätten die Konsumenten in Europa profitiert. Hier bleibe Deutschland die Erfolgsgeschichte. Aber auch in den Mittelmeerländern habe sich eine Stabilisierung abgezeichnet. In Deutschland war die Arbeitslosenrate im 3. Quartal 2015 sogar tiefer als in der Schweiz. Dies dank der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB. In dem Ausmass, wie die EZB ihre Bilanzsumme ausgeweitet habe, werde der Euro weiterhin unter Abwertungsdruck bleiben. Wohin die Reise gehe, bleibe unklar. Hanhart zitierte ein in der Finanz und Wirtschaft publiziertes Interview des Investmentstrategen Heinz-Werner Rapp, wonach die Zentralbankpolitik zum geldpolitischen Vodoo mutiere.

Frankenschock belastet Schweizer Wirtschaft

Über 1000 Aktionäre verfolgten die Ausführungen von VR und GL.
Über 1000 Aktionäre verfolgten die Ausführungen von VR und GL.

Die Aufgabe der EUR/CHF-Kursuntergrenze von 1.20 am 15. Januar 2015 sei ein sehr überraschender Schritt der Schweizerischen Nationalbank SNB gewesen. Dieser Schritt in einem stabilen Umfeld habe die Schweizer Wirtschaft unter enormen Druck gesetzt, erläuterte Gerhard Hanhart weiter. Auch wenn die Unternehmen sehr rasch auf die neuen Bedingungen reagierten und die Kosten senken konnten, werde die Aufwertung des Schweizer Frankens einen längerfristigen Effekt auf den Schweizer Wirtschaftsstandort haben. Trotz wiederholter Hinweise der SNB auf eine deutliche Überbewertung des Frankens sei die Abschwächung gegenüber dem Euro bisher ausgeblieben. Es bestünden auch nur wenig Anzeichen einer Änderung.

Da die SNB kein Interesse an einer weiteren Aufwertung des Frankens habe, werden weitere Interventionen keinesfalls ausgeschlossen. Dies wurde erst vor zwei Tagen bestätigt. In diesem Umfeld blieben zwar die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft günstig. Aber gleichzeitig änderten sich die Risikocharakteristiken der Kredite. Als Beispiel führte Hanhart den beständigen Anstieg der Bankkredite in der Schweiz im Verhältnis zur Wirtschaftskraft an. Im Umfeld grösserer wirtschaftlicher Risiken gewinnen die Beurteilung von Kreditrisiken und deren sorgfältige Beurteilung an Bedeutung. Dies zeige auch die Entwicklung der Bauwirtschaft. Diese sei von einer jahrelangen Expansionsphase in eine Phase der Stagnation eingetreten.

Wegen der anhaltenden Ungleichheit der Hypothekarvolumen und der Immobilienpreise in verschiedenen Regionen prüfe die SNB, inwieweit der antizyklische Kapitalpuffer im laufenden Jahr angepasst werden müsse, berichtet Hanhart in seinen Ausführungen zur allgemeinen Wirtschaftslage.

US-Steuerprogramm erfolgreich abgeschlossen

Die stetig steigende Regulierungsdichte für die Finanzindustrie verursachte für die Hypi im 2015 einen erheblichen Mehraufwand. So wurden Arbeitskapazitäten absorbiert, die für produktivere Aktivitäten hätten eingesetzt werden können. Analog entwickelte sich das US-Steuerprogramm, welches der Hypi bis Mitte 2015 einen deutlichen Arbeitsaufwand bescherte. Mit der abschliessenden Strafzahlung von 560’000 USD konnte ein Schlussstrich unter eine langwierige intensive Auseinandersetzung gezogen werden. Hanhart bezeichnete diesen Streit sehr deutlich als äusserst unerfreulich. Er verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass damit die Turbulenzen für die Hypi beendet seien.

Keine Schliessung von Geschäftsstellen

Die Hypi halte auch weiterhin an ihrer Geschäftspolitik fest und werde keine Geschäftsstellen schliessen, erläuterte der Verwaltungsratspräsident. Die Nähe der Hypi zu den Kunden sei ein wichtiges Asset, das auch weiterhin gepflegt werden müsse. Trotz der Digitalisierung werde sich der Entscheid, an den persönlichen Kundenkontakten festzuhalten, als richtig erweisen, zeigt sich Hanhart überzeugt.

Attraktive Aktie

Die Aktie der Hypi stelle mit einer Rendite von 2.6% eine attraktive Anlagemöglichkeit dar, erklärte der Präsident den Anteilseignern. Zudem steige die Rendite durch die an der GV ausbezahlte Naturaldividende nochmals an, so dass die effektive Rendite bei rund 3.5% liegt.

Spezielles Geschäftsjahr 2015

CEO Marianne Wildi präsentierte die Zahlen des Geschäftsjahres 2015.
CEO Marianne Wildi präsentierte die Zahlen des Geschäftsjahres 2015.

CEO Marianne Wildi wies in ihrer Ansprache auf die historische Bedeutung des 15. Januar 2015 hin. Dies sei für sie persönlich ein einschneidendes Ereignis gewesen, dass ihr ähnlich wie die Maueröffnung oder der 11. September in Erinnerung bleiben würde. Die Hypi werde seit mehr als einem Jahr von einer zweigleisigen Geldpolitik der SNB verfolgt. Diese besteht in den Negativzinsen auf den Sichtguthaben bei Banken und der weiterhin anhaltenden Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren. Von den schon fast zur Normalität gewordenen tiefen Zinsen sei die Hypi als Hypothekar- und Sparbank besonders betroffen.

Neue Kunden der Finstar-Software

Die Hypi habe 2015 ihren Expansionskurs mit der Finstar-Bankensoftware fortgesetzt, berichtete Marianne Wildi weiter. So konnte mit der Privatbank Sallfort erstmals ein Finanzinstitut, das nicht aus dem Umfeld der Regionalbanken stammt, als Kunde gewonnen werden. Ein weiterer Neukunde konnte zudem mit der Personalkasse einer grösseren Schweizer Firma gewonnen werden. Diese wird ab 1. November 2016 die Finstar-Software nutzen.
Weitere Kunden würden hinzukommen, gab sich Wildi überzeugt. Die beiden neuen Partner zeigten auf, dass Finstar universell einsetzbar sei und nicht nur von Regionalbanken genutzt werden könne.

Digitalisierung des Angebots

Marianne Wildi dankte auch den Mitarbeitern für ihre tollen Leistungen.
Marianne Wildi dankte auch den Mitarbeitern für ihre tollen Leistungen.

Weiter vorangetrieben werden von der sehr agilen Regionalbank die digitalen Angebote. Nachdem die Hypi bereits im letzten Jahr als erste Schweizer Bank die Debitkarte mit einem NFC Chip für bargeldloses Zahlen einführte, wurde im laufenden Jahr das digitale Portemonnaie Twint lanciert. Mit diesem können die Kunden ein neues bargeldloses Einkaufserlebnis erfahren. Weiter ausgebaut wurde auch das Hypi-Finanz-Tool, das nun auch mobil genutzt werden kann. So können die Kunden auf Knopfdruck einen vollständigen Überblick über ihre privaten Finanzen und ein persönliches Budget auf Wunsch erhalten. Am Tag vor der GV wurde das neue System hypicash.ch vorgestellt. Dieses erlaubt es Kunden aus dem KMU-Bereich, sich ihre Rechnungen von privaten Anlegern online vorfinanzieren zu lassen. Diese Schritte illustrieren die Strategie der Hypi, die neuen Herausforderungen mit gezielten Partnerschaften begegnet. Dem sprichwörtlichen Wind des Wandels begegnet die Hypi mit dem Bau von Windmühlen, anstatt Schutzwände zu erstellen.

René Brülhart neu in den VR gewählt

Am Schluss eines langen Abstimmungsmarathons wählten de Aktionäre René Brülhart neu in den Verwaltungsrat der Regionalbank. Wegen beruflicher Verpflichtungen, die Brülhart bereits vor der Anfrage der Hypi eingegangen sei, könne er an der GV nicht persönlich anwesend sein, berichtete Gerhard Hanhart. Brülhart sei als Präsident der Vatikanischen Finanzinformationsbehörde tätig, einer Behörde, die das Aufsichtsorgan aller Finanztransaktionen im Vatikan sei. Ein Aktionär wollte wissen, inwieweit Brülhart in die negativen Schlagzeilen, welche die Finanzgeschäfte des Vatikans betreffen, involviert ist. Der Verwaltungsratspräsident machte klar, dass Brülhart selbst nicht operativ tätig ist und daher die Transaktionen lediglich prüfe. Sollten sich mögliche Fehlverhalten abzeichnen, werde er sicher die entsprechenden Schritte einleiten. Nach diesem kurzen Votum wurde auch Brülhart gemäss dem Antrag des Verwaltungsrats der Hypi ohne nennenswerte Gegenstimmen gewählt.

Gemütlicher Teil als Ausklang

Im Anschluss an die GV wechselten die Aktionäre in drei Lenzburger Restaurants, u.a. das Hotel Krone.
Im Anschluss an die GV verteilten sich die Aktionäre auf drei Lenzburger Restaurants, u.a. das Hotel Krone.

Nach den Abstimmungen konnte Gerhard Hanhart die GV ohne weitere Voten beenden. Die Aktionäre verliessen den Saal sehr schnell, um das Nachtessen, welches ihnen nach der GV offeriert wird, zu geniessen. Nach nur wenigen Minuten hatte sich die Mehrzweckhalle komplett geleert, und die Aktionäre befanden sich auf dem Weg in die drei Restaurants Hotel Krone, Hotel Ochsen, Hotel Lenzburg. Dort wurde ihnen in geselliger Atmosphäre das Nachtessen serviert. Trotz der grossen Teilnehmerzahl wird das Nachtessen am Platz serviert. Auf dem Weg zu den Restaurants und in den Restaurants boten sich den Teilnehmern der GV zahlreiche Möglichkeiten zu Gesprächen untereinander und mit der Geschäftsleitung. Als „Bhaltis“ konnten die Aktionäre zudem zwischen zwei Zigarren oder einer Packung Pralinés wählen. Diese erhielten sie gegen Abgabe eines Bons, der ihnen an der Eingangskontrolle ausgehändigt wurde.

Fotogalerie von der 147. Generalversammlung

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