Regiobank Solothurn: 3.6 Mio. CHF Gewinn im 1. Semester, geringes Kreditwachstum – Aktie legt seit Jahresbeginn fast 16% zu

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Liegt diese Jahr weit vor den börsenkotierten Finanzwerten: die Aktie der Regiobank Solothurn. Chart: schweizeraktien.net/ moneynet.ch
Liegt dieses Jahr weit vor den börsenkotierten Finanzwerten: die Aktie der Regiobank Solothurn. Chart: schweizeraktien.net/ moneynet.ch

Während die Aktien der Grossbanken UBS und CS in den letzten Wochen neue Tiefststände markierten, gibt es unter den ausserbörslich auf OTC-X gehandelten Bankentiteln einen grossen Kursgewinner: die Aktie der Regiobank Solothurn verzeichnete allein in diesem Jahr einen Kurssprung um rund 16% auf derzeit 4’400 CHF. In den vergangenen fünf Jahren konnten sich die Anteilseigner der Regionalbank – dazu gehören vor allen Dingen Kunden der Bank und die Stadt Solothurn mit einem Anteil von 20% – über eine sattes Plus von mehr als 50% freuen. Dabei sind die regelmässigen Dividendenzahlungen nicht mit eingerechnet. Für Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn, gibt es keine konkrete Ursache für den jüngsten Kursanstieg. „Wir haben seit Bekanntgabe des Jahresabschlusses für 2015 eine grössere Nachfrage nach unseren Aktien verzeichnet“, erklärt er im Gespräch mit schweizeraktien.net. Da es allerdings zu wenig Verkäufer am Markt gegeben habe, sei der Kurs entsprechend gestiegen. Boss weist allerdings auch darauf hin, dass es sich bei den Käufern nicht um Einzelpersonen oder grössere Aktionäre handelt, sondern um viele Kunden und bisherige Aktionäre, die ihren Anteil angesichts der stabilen Geschäftsentwicklung und der konstanten Ausschüttungen aufgestockt hätten.

Stagnierendes Zinsengeschäft, mehr übrige Erträge

Markus Boss, CEO Regiobank Solothurn
Markus Boss, CEO Regiobank Solothurn, setzt auf moderates Wachstum. Bild: zvg

Die aktuelle Geschäftsentwicklung rechtfertigt jedenfalls den jüngsten Kurssprung nicht. Wie die Bank in einer Kundeninformation mitteilte, entwickelte sich das Geschäft im ersten Semester 2016 stabil. Zwar erhöhte sich die Bilanzsumme um 3.3% auf 2’585 Mio. CHF, und die Kundengelder stiegen um 2.5% auf 1’942 Mio. CHF. Allerdings wuchsen die Ausleihungen nur marginal und lagen Ende Juni bei 2’138 Mio. CHF (+ 0.6%). Die Regiobank Solothurn begründet dieses geringe Wachstum mit den tiefen Zinsen, welche die Kunden dazu veranlasst hätten, die freien Gelder nicht in Finanzanlagen zu investieren, sondern stattdessen ihre Hypotheken und Darlehen zu amortisieren. CEO Markus Boss erklärt, dass diese Entwicklung besonders in den ersten Monaten dieses Geschäftsjahres sehr ausgeprägt gewesen sei. „Im zweiten Semester werden wir wieder etwas stärker wachsen“, kündigt Boss an und fügt hinzu, dass die Regiobank auch künftig lieber moderat wachsen wolle, als grössere Risiken einzugehen. Bereits in der Vergangenheit hatte die Bank immer wieder bewusst auf Volumenwachstum verzichtet (siehe auch Blog-Beitrag vom 30. Januar 2015). Diese Politik zeigt sich auch in der Erfolgsrechnung. Der Nettoerfolg aus dem Zinsengeschäft stieg nur um 0.9% auf 14.4 Mio. CHF an. Das Wertschriftengeschäft entwickelte sich weniger gut. Der Ertrag aus Kommissionen und Dienstleistungen erreichte nur noch 2.6 Mio. CHF (- 6.3%). Mit einem Plus von 12.6% auf über 2.6 Mio. CHF legte hingegen der übrige Erfolg zu. In diese Position fallen auch Erträge, welche die Regiobank im Rahmen des Esprit-Netzwerkes für andere Regionalbanken erbringt. Seit Dezember beziehen zehn Banken aus der früheren Spirit-Gruppe Leistungen vom Esprit-Netzwerk. Allerdings verzeichnete das Bankinstitut aufgrund dieser positiven Entwicklung auch höhere Personalaufwendungen (+ 5.2% auf 8.0 Mio. CHF), was unter dem Strich zu einem um 2.1% niedrigeren Geschäftserfolg in Höhe von 7.9 Mio. CHF führte. Der Halbjahresgewinn wurde jedoch mit knapp 3.6 Mio. CHF (+ 1.0%) ausgewiesen. Für das Gesamtjahr erwartet die Regiobank ein „unverändert gesundes und gleichmässiges Wachstum sowie eine stabile Ertragslage“.

GLP fordert Verkauf der Regiobank-Aktien

Angesichts der positiven Kursentwicklung in den letzten Jahren überrascht es wenig, dass die GLP im Solothurner Gemeinderat eine Motion zum Verkauf der 20%igen Beteiligung der Stadt an der Regionalbank eingereicht hat. Dabei wurde auf die Reduktion der Anteile in den Jahren 2007 bis 2012 verwiesen. In diesem Zeitraum hatte die Stadt ihren Anteil schon einmal von 36.6% auf 20% reduziert. Die GLP verweist in ihrer Motion darauf, dass die Bank keine öffentliche Aufgabe mehr erfülle und die Beteiligung für die Stadt ein Klumpenrisiko darstelle. Die Motion dürfte frühestens an der nächsten Gemeinderatssitzung am 16. August behandelt werden. Markus Boss äusserte sich auf Nachfrage nicht zu dieser Motion. Dies zu kommentieren sei Aufgabe des Aktionärs, also der Stadt, so Boss. Auch zum Stand beim Verkauf des Aktienpaketes der Regiobank Solothurn an der Seilbahn Weissenstein wollte sich Boss nicht weiter äussern. Der Verkaufsprozess sei eingeleitet, wie die Bank bereits Anfang Jahr bekannt gegeben hatte. Ob und wann es zu einem Verkauf komme, sei derzeit noch offen.

Die Kursentwicklung bei den Regiobank-Solothurn-Aktien auf OTC-X seit Jahresbeginn ist erfreulich und spiegelt das Vertrauen der Aktionäre – zumeist Kunden – in ihre Bank und damit auch in die Bankleitung wider. Es zeigt auch, dass die Aktionäre mit dem moderaten Wachstumskurs der Bank einverstanden sind. Gerade in dem aktuell schwierigen Umfeld an den Finanzmärkten ist diese vorsichtige Risikopolitik zu begrüssen. Allerdings müssen sich die Aktionäre bewusst sein, dass die aktuelle Bewertung der Regiobank Solothurn mit einer Kapitalisierung von 220 Mio. CHF für eine Bank in dieser Grösse eher hoch ist. Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus erscheint auch die Dividendenrendite – eine gleichbleibende Ausschüttung in Höhe von 66 CHF vorausgesetzt – mit 1.5% noch attraktiv. Investoren, welche bei Kursen von 4’400 CHF einsteigen, sollten sich der hohen Bewertung und der Risiken eines Kursrückgangs allerdings bewusst sein. Aufgrund der starken lokalen Verankerung des Aktionariats dürfte jedoch insgesamt weiterhin mit einer stabilen Kursentwicklung zu rechnen sein, auch wenn die Kursschwankungen zunehmen könnten. Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung vom 2. Februar, in der wir geschrieben haben, dass der Titel vor allem für Investoren interessant ist, die einen Bezug zur Region und zur Bank haben.

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