Godi Koch, CEO Pilatus-Bahnen: „Wir haben für dieses Jahr vorsichtiger budgetiert“.

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Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen AG. Bild: zvg
Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen AG. Bild: zvg

Im letztjährigen Sommer verzeichneten viele Schweizer Bergbahnen Rekordfrequenzen. Ein grosser Zustrom an asiatischen Gästen, insbesondere aus China, und ein extrem warmer Sommer bescherten insbesondere den grösseren Bahnen hohe Umsätze und Gewinne. Auch die Pilatus-Bahnen konnten 2015 bei einem Betriebsertrag von 30.5 Mio. CHF das Betriebsergebnis (EBITDA) auf 8.5 Mio. CHF steigern (siehe Blog-Beitrag vom 14. April). Im laufenden Jahr sieht es nicht ganz so rosig aus. Im Gespräch mit schweizeraktien.net spricht CEO Godi Koch davon, dass die Anzahl der chinesischen Gäste seit Jahresbeginn um 15 bis 20% zurück gegangen ist. Dennoch liege die Bahn auf Budgetkurs. Sie visiert einen Umsatz von 28.2 Mio. CHF an. Potenzial sieht Koch für die Pilatus-Bahnen im Eventgeschäft (MICE), der Hotellerie und im Merchandising. Ausserdem wird das Luzerner Juwelierunternehmen Bucherer auf dem Pilatus einen Uhrenshop eröffnen, der den Umsatz ebenfalls positiv beeinflussen sollte.

Herr Koch, nachdem für viele Bergbahnen 2015 ein Rekordjahr war, folgt nun die Ernüchterung. Die neuen Visabestimmungen in der EU und vor allen Dinge die Terrorangst haben dazu geführt, dass die Anzahl Logiernächte von chinesischen Gästen im ersten Halbjahr 2016 schweizweit um 14.3% abgenommen hat. Wie verlief die Entwicklung bisher am Pilatus?

Bei uns waren die ersten sieben Monate sehr durchzogen. Dies hängt auch mit dem Rückgang der chinesischen Gäste zusammen. Auch wir hatten 15 bis 20% weniger Chinesen zu verzeichnen. Allerdings kommen nur etwa 25% der Gäste am Pilatus aus China und weitere 5% aus den umliegenden asiatischen Ländern. Mit etwa 50% machen die Schweizer nach wie vor unseren grössten Gästeanteil aus. Daher spielt das Wetter für uns nach wie vor eine wichtige Rolle.

… das gerade im Frühsommer auch nicht besonders gut war …

Trotzdem konnten wir auch dank der UBS-Aktion gute Frequenzen erzielen. Letzten Sonntag, am 7. August, hatten wir mit 7’500 Gästen den zweitbesten Tag in der Geschichte der Pilatus-Bahnen. Insgesamt befinden wir uns trotz der Schwierigkeiten auf Budgetkurs.

Werden Sie also die Rekordzahlen von 2015 egalisieren können?

Wir haben für dieses Jahr etwas vorsichtiger budgetiert und erwarten einen Umsatz von 28.2 Mio. CHF. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist dennoch schwierig, da wir im Vorjahr das gute Ergebnis trotz der Bauarbeiten für die neue Gondelbahn erreicht haben. Wichtig ist auch die künftige Entwicklung vom Wetter. Wenn es wieder einen traumhaften Herbst gibt, könnte uns dies einen zusätzlichen Schub verleihen. Immerhin erzielen wir 75% unseres Umsatzes in den Monaten Mai bis September.

Das bedeutet aber, dass Sie vor allem in der Nebensaison noch über reichliche freie Kapazitäten verfügen. Gibt es Pläne, die Nebensaison besser auszulasten?

Ja, wir arbeiten daran. Vor allem im MICE-Geschäft sehen wir Potenzial. Von März bis Mai und auch im November gibt es hier gute Möglichkeiten für Konferenzen und Seminare. Auch für den Winter planen wir im Rahmen unserer neuen Strategie weitere Angebote. Dazu haben wir einen Masterplan für die nächsten fünf Jahre erarbeitet.

Wie hat sich bisher die Auslastung Ihrer Hotelbetriebe entwickelt?

Diese ist über das Jahr gesehen mit 35% noch sehr niedrig. Auch hier möchten wir durch das MICE-Geschäft wachsen. Aber auch für Privatpersonen planen wir neue Angebote wie die „Gipfelträume“. Unser Ziel ist es, die Auslastung auf mindestens 50% zu erhöhen.

Arbeiten denn alle Betriebe der Pilatus-Bahnen – also Hotels und auch die Gastronomie – profitabel? Oder findet hier eine Quersubventionierung durch den Bahnbetrieb statt?

Nein. Alle Betriebe müssen ein positives Betriebsergebnis erzielen. Allerdings würde es gerade in der Hotellerie schwierig, wenn auch die Abschreibungen immer verdient werden müssten. Diese sehen wir dann eher im Gesamtkontext. Ohne Hotels und Gastronomie würde unsere Mini-Destinations-Strategie nicht funktionieren.

Das Merchandising hat sich in den letzten Jahren ebenfalls von 0 CHF auf über 2 Mio. CHF entwickelt. Gibt es in diesem Geschäft weiteres Wachstumspotenzial?

Merchandising und die Shops sind ein interessantes Geschäft für uns. Die eigene Kollektion läuft sehr gut und wird in 2017 wieder neu aufgelegt. Auch in diesem Bereich wollen wir weiter wachsen. Dazu haben wir einen eigenen Pilatus-Shop in Luzern geplant, mit dem wir die Basis verbreitern möchten. Dort können Sie Tickets kaufen, die Hotels buchen und auch unsere eigenen Produkte erwerben. Ausserdem werden wir gemeinsam mit der Bucherer-Gruppe einen Uhrenshop in der Galerie auf dem Pilatus eröffnen. Auch davon versprechen wir uns einen zusätzlichen Schub.

Die Asiaten bleiben damit also weiterhin ein wichtiges Gästesegment. Welche Entwicklungen erwarten Sie hier in den kommenden Jahren?

Wir stellen fest, dass auch immer mehr Individualreisende aus dieser Region kommen. Auf der anderen Seite merken wir, dass die Chinesen durch die schwache Konjunktur in China wesentlich preissensitiver geworden sind. Sie bevorzugen bei Europareisen daher Osteuropa und lassen die Schweiz aufgrund der hohen Preise auch schon einmal aus. Insgesamt rechnen wir dennoch mit einem Wachstum bei den asiatischen Gästen.

In den letzten Jahren haben Sie kräftig investiert. Welche Projekte stehen in Zukunft noch an?

Die Zahnradbahn ist nun 127-jährig. Daher werden wir sie wohl in den kommenden 5 bis 6 Jahren sanieren. Dazu gehören auch die Triebwagen und Anpassungen am Trasse. Durch die Sanierung wird es aber auch möglich sein, die Kapazitäten um bis zu 30% zu erhöhen. Details können wir zu der Sanierung allerdings noch nicht sagen. Interessant könnte es auch werden, wenn wir durch die Rekuperation die bei den Talfahrten entstehende Energie für die Bergfahrten zu nutzen.

Können Sie die anstehenden Investitionen aus eigener Kraft finanzieren?

Unsere Zielsetzung lautet, jährlich einen Cashflow von 25% des Umsatzes zu generieren. Dies wären in 2016 etwa 7.0 bis 7.5 Mio. CHF. Obwohl wir die Kosten für die Sanierung der Zahnradbahn noch nicht kennen, rechnen wir damit, dass diese aus dem Cashflow finanziert werden können.

Im letzten Jahr wurde die Dividende von 25 auf 32.50 CHF erhöht. Wird sich an der Ausschüttung etwas ändern?

Wir verfolgen eine stetige Ausschüttungspolitik. Das heisst, dass wir die Ausschüttung nicht in guten Jahren erhöhen werden, um sie dann in schwierigen Jahren wieder senken zu müssen. Von daher können unsere Aktionäre auch in den kommenden Jahren zumindest mit einer gleichbleibenden Dividendenzahlung rechnen.

Die Aktien der Pilatus-Bahnen AG gehören zu den wenigen Bergbahn-Aktien, die Investmentqualität haben. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis ist angesichts der offensiven Abschreibungspolitik wenig aussagekräftig. Mit einem EV/EBITDA von knapp 7 sind die Aktien der Pilatus-Bahnen AG immer noch leicht günstiger bewertet als diejenigen der Schilthornbahnen oder der börsenkotierten Jungfrau- und Titlisbahnen. Die Dividendenrendite von 1.5% bei Kursen um die 2’200 CHF ist zwar nicht üppig, dürfte dafür aber konstant bleiben. Eine Erhöhung wäre angesichts der soliden Finanzierung – die Bahngesellschaft verfügt über keinerlei Finanzschulden – und der hohen Cashflows (Marge: 27.6%) durchaus möglich. Obwohl der Aktienkurs der auf OTC-X gehandelten Aktien in den letzten drei Jahren um 65% gestiegen ist, bleibt das Investment für langfristig denkende Investoren interessant. Beliebt sind die Aktien auch wegen der Generalversammlung, an der Aktionäre zwei Freikarten im Wert von je 72 CHF als Naturaldividende erhalten.

Hinweis in eigener Sache: Am 25. Oktober 2016 findet von 8.30 bis 14 Uhr der Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net in Luzern statt. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier.

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