Norbert Patt, CEO Titlisbahnen: «Fehlende Investitionen in die Infrastruktur sind die grössten Versäumnisse der Branche.»

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Norbert Patt ist seit November 2010 CEO der Titlis Bergbahnen, Hotels & Gastronomie. Der 53jährige Betriebswirt und Betriebsingenieur war zuvor schon bei mehreren Bergbahnen tätig. Sechs Jahr leitete er die Stätzerhornbahnen in Churwalden. Anschliessend übernahm er die Geschäftsführung der Rothornbahn und Scalottas AG auf der Lenzerheide. Als CEO begleitete er den Fusionsprozess zu den Lenzerheide Bergbahnen. Während den letzten drei Jahren vor seinem Übertritt zu den Titlisbahnen betreute er als Inhaber der PTC Tourismus Consulting GmbH diverse touristische Projekte und Verwaltungsratsmandate. Patt ist verheiratet und hat 3 Kinder. Bild: zvg
Norbert Patt ist seit November 2010 CEO der Titlis Bergbahnen, Hotels & Gastronomie. Der 53-jährige Betriebswirt und Betriebsingenieur war zuvor schon bei mehreren Bergbahnen tätig. Sechs Jahr leitete er die Stätzerhornbahnen in Churwalden. Anschliessend übernahm er die Geschäftsführung der Rothornbahn und Scalottas AG auf der Lenzerheide. Als CEO begleitete er den Fusionsprozess zu den Lenzerheide Bergbahnen. Während den letzten drei Jahren vor seinem Übertritt zu den Titlisbahnen betreute er als Inhaber der PTC Tourismus Consulting GmbH diverse touristische Projekte und Verwaltungsratsmandate. Patt ist verheiratet und hat 3 Kinder. Bild: zvg

Die Titlisbahnen-Gruppe in Engelberg gehört zu den grössten und profitabelsten Bergbahnen der Schweiz (siehe auch Blog-Beitrag vom 25. Oktober). Nach einem Rekordjahr 2014/15 musste das börsenkotierte Unternehmen im Ende Oktober abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 einen leichten Rückschlag hinnehmen. Im ersten Semester fielen die konsolidierten Einnahmen um 21.6% geringer als im Vorjahr aus. Mit dazu beigetragen hat der Wegfall von Erträgen aus Wohnungsverkäufen sowie der Einbruch des wichtigen chinesischen Marktes. Für die nächsten Jahre geht CEO Norbert Patt von einem moderaten Wachstum im Rahmen des 5-Jahresdurchschnitts aus, wie er im Interview mit schweizeraktien.net erklärte. Im Schweizer Tourismus sieht Patt fehlende Investitionen in die Infrastruktur als grösste Versäumnisse der Branche. Die Titlisbahnen-Gruppe setzte auf Diversifikation, indem sie die ganze Palette inklusive Unterkunft, Verpflegung und Transportleistung anbiete.

Im laufenden Jahr sind die Titlisbahnen erstmals seit mehreren Jahren etwas gebremst worden. Was sind die Hauptgründe, und wie rasch kann das Unternehmen wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren?

Im Geschäftsjahr 2015/16 hatten wir 9.5% weniger Gäste am Berg. Mit 1.07 Mio. Gästen war es trotzdem das zweitbeste Jahr und 2.2% über dem 5-Jahresdurchschnitt. Der Rückgang ist aufgrund des Einbruchs im Markt China entstanden. Dieser hat unter den erschwerten Einreisebestimmungen, Stichwort biometrischer Pass, der wirtschaftlichen Situation in China sowie den Terroranschlägen in Europa gelitten.

Wie wird sich die Zahl der Passagiere, Umsatz und Ertrag in den nächsten Jahren entwickeln?

Wir gehen von einem moderaten Wachstum im Rahmen des 5-Jahresdurchschnitts aus. Das Rekordjahr 2014/15 wird ein „Ausreisser“ bleiben und nicht so schnell wieder erreicht werden.

Wo sehen Sie die langfristige Entwicklung der Titlisbahnen? Im welchem Bereich sehen Sie das grösste Potenzial?

Wir sehen eine Zunahme bei den Individualreisenden sowie beim Schneesport. Beim Gruppengeschäft sehen wir eine Konsolidierung.

Wie lauten Ihre Prognosen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr? 

Im laufenden Geschäftsjahr, das am 1. November 2016 begonnen hat und bis zum 31. Oktober 2017 dauert, rechnen wir mit einer leichten Steigerung im einstelligen Prozentbereich.

Wie sehen Sie die Entwicklung beim Aktienkurs?

Die Entwicklung des Aktienkurses lässt sich nicht voraussagen.

Suchen die Titlisbahnen auch nach neuen Geschäftsfeldern?

Nein, zurzeit konzentrieren wir uns auf die Stärkung und Konsolidierung unseres Kerngeschäfts.

Die ganze Branche klagt über die massive Frankenaufwertung. Wie stark trifft Sie dieses Problem?

In den europäischen Zielmärkten ist der schwache Euro ein Nachteil für den Schweizer Tourismus. Langfristig werden sich die europäischen Gäste aber an den Wechselkurs gewöhnen. In den Überseemärkten spielt der Euro eine kleinere Rolle, denn diese Gäste buchen meistens eine Europareise, und der Schweiz-Anteil fällt nicht so stark ins Gewicht.

Im Gegensatz zu Ihnen haben viele Schweizer Touristikunternehmen ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht. Wo sehen Sie die grössten Versäumnisse?

Die grössten Versäumnisse bei vielen Unternehmen sind fehlende Investitionen in die Infrastruktur.

Sind Kooperationen mit ausländischen Stationen, Beispiel Jungfraubahnen, tatsächlich eine gute Idee?

Ich finde ja. Solche Kooperationen stärken den Schneesport in den Alpenregionen, und davon profitiert die ganze Branche.

Wo genau liegen die Eckpunkte Ihrer Strategie?

Wir setzen auf Diversifikation, indem wir die ganze Palette inklusive Unterkunft, Verpflegung und Transportleistung anbieten. Zudem bearbeiten wir weltweit alle relevanten Märkte.

Es gibt andere sehr erfolgreichen Unternehmen in der Branche. An welchen orientieren sich die Titlisbahnen?

Wir fahren unsere eigene Strategie und machen uns Gedanken, was für unsere Gäste und unser Unternehmen gut ist.

Welches sind die wichtigsten langfristigen Grossprojekte?

Mit der Eröffnung der Gondelbahn TITLIS Xpress auf die Wintersaison 2015/16 haben wir einen Meilenstein gesetzt. Die drei wichtigsten Zukunftsprojekte sind der Ausbau der Bergstation Titlis, die Renovation des Hotels Terrace sowie der Ersatz der Sesselbahn Engstlenalp-Jochpass.

Wo hoch ist bei Ihnen der Anteil der Auslandgäste. Was unternehmen Sie, um diesen Anteil zu steigern und insbesondere bei den Asiaten zu punkten?

Der Anteil Auslandgäste beträgt bereits rund 60 Prozent. Um auf allen Weltmärkten zu punkten, werden wir laufend in die Infrastruktur investieren und das gesamte Angebot auf einem hohen Qualitätsstandard weiterentwickeln.

Die Aktien der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG werden an der SIX Swiss Exchange gehandelt. Die letztbezahlte Kurs lag am 8.11.2017 bei 346.75 CHF.

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