Spar- und Leihkasse Gürbetal: Zinserfolg sinkt 2016 um 4.4.%, Druck auf Zinsmarge hält an – 105 CHF Dividende

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Die Geschäftsstelle der SLG in Seftigen soll einer umfassenden Modernisierung unterzogen werden. Quelle: SLG
Die Geschäftsstelle der SLG in Seftigen soll einer umfassenden Modernisierung unterzogen werden. Quelle: SLG

Die Spar- und Leihkasse Gürbetal AG (SLG) sah sich im 2016 mit einem anhaltenden Druck auf die Zinsmargen konfrontiert. Wie die SLG in ihrem neuesten Geschäftsbericht schreibt, widerspiegelt der um 4.4% gesunkene Nettozinserfolg trotz einer leichten Zunahme der Ausleihungen den „hart umkämpften Markt deutlich“. So musste die SLB die Zinsen auf Ausleihungen den Marktbedingungen anpassen, ohne jedoch über einen adäquate Möglichkeit zur Senkung der Zinsen auf die Kundeneinlagen zu verfügen. Die SLG will denn auch den Kunden keine Negativzinsen verrechnen, was ihren Handlungsspielraum einschränkt. Mit der Lancierung der SLG-Einsteigerhypothek wird der Zugang zu Hypothekarfinanzierungen für Familien mit geringem Einkommen erleichtert. Die Hypothek ist mit einer Zinsabsicherung bis zu zehn Jahren versehen. Gleichzeitig muss die 2. Hypothek über die Laufzeit der Zinsvereinbarung komplett amortisiert werden. Zur Ermittlung der Tragbarkeit des Kredits wird der feste Zinssatz anstelle des deutlich höheren kalkulatorischen Zinssatzes von 5% eingesetzt. Dieses einzigartige Produkt weist eine erfreuliche Resonanz bei den Kunden auf. Weiter rückläufig entwickelten sich die Transaktionen am Schalter, während die Bezüge an den Bancomaten zunahmen. Trotz der gesamthaft rückläufigen Tendenz im Schaltergeschäft wird die Geschäftsstelle in Seftigen umfassend modernisiert und so das Festhalten am Standort zementiert. Ein entsprechender Kredit wurde im Dezember 2016 von der Bankleitung genehmigt. Die Bank hofft, das Projekt rasch realisieren zu können.

Anhaltender Zinsmargendruck drückt auf die Erträge

Die SLG konnte im Berichtsjahr die Ausleihungen wie in den Vorjahren leicht steigern. Neben dem schwierigen Marktumfeld führte auch die anhaltend vorsichtige Vergabepolitik bei Krediten zu einem tiefen Wachstum um 2% auf 349.1 Mio. CHF. Getragen wurde der Anstieg von den um 2.4% auf 335.1 Mio. CHF gestiegenen Hypothekarkrediten, während die übrigen Ausleihungen um 0.9 Mio. CHF auf 14 Mio. CHF sanken. Ebenfalls leicht positiv entwickelten sich mit plus 0.8% auf 265.2 Mio. CHF die Kundengelder, so dass das Plus der Ausleihungen komplett selbst finanziert werden konnte. In der Erfolgsrechnung spiegelt sich der Anstieg nicht wider. So musste die SLG ein Minus des Bruttozinserfolgs um 4% auf 4.7 Mio. CHF verbuchen. Der starke Druck auf die Margen lässt die Entwicklung des Zinsertrags, der um fast 0.4 Mio. CHF fiel, während die Zinskosten nur um 0.2 Mio. CHF sanken, erkennen. Die Veränderungen aus Wertberichtigungen, die den Nettozinserfolg beeinflussen, erreichten den Vorjahreswert von 0.2 Mio. CHF. Einen Lichtblick stellen das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit einem Plus von 3.1% und das Handelsgeschäft mit einem Wachstum von 52.1% dar. Zusammen mit dem übrigen ordentlichen Erfolg, der einen deutlichen Rückgang verzeichnete, betrugen die Einnahmen des zinsindifferenten Geschäfts wie im Vorjahr 0.5 Mio. CHF.

Auf der Kostenseite musste die SLG beim Geschäftsaufwand trotz erheblicher Sparanstrengungen einen Anstieg um 1.9% auf annähernd 3 Mio. CHF verbuchen. Während die Personalkosten auf dem Vorjahreswert gehalten werden konnten, stiegen die Sachkosten durch teilweise fremdbestimmte Einflüsse um 3.8% an. Dies führte zu einer Verschlechterung der Cost/Income-Ratio um 3.1% auf 56.6%. Die ordentlichen Sachabschreibungen fielen trotz der Ausnutzung der maximal zulässigen Abschreibungssätze um 0.1 Mio. CHF auf 0.2 Mio. CHF. Die zulasten der Erfolgsrechnung verbuchten Wertberichtigungen verharrten auf dem Vorjahreswert von knapp 0.4 Mio. CHF. So resultierte ein Minus des Geschäftserfolgs um 11.1% auf 1.45 Mio. CHF. Nach einer deutlich tieferen Äufnung der Reserve für allgemeine Bankrisiken mit 120’000 CHF nach 280’000 CHF im Vorjahr resultierte unter dem Strich nur ein knappes Gewinnminus um 1.4% auf 1 Mio. CHF. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende in Höhe von 105 CHF pro Aktie. Diese wird für Privatanleger mit einem Schweizer Wohnsitz steuerfrei aus den Kapitaleinlagereserven ausgeschüttet.

Stabile Nachfrage nach Krediten erwartet

Die SLG erwartet für das erste Semester 2017 eine stabile Nachfrage nach Krediten. Zusätzliche Impulse erhofft sich die Geschäftsleitung von der SLG-Einstiegshypothek. Keine Prognosen möglich sind derzeit für das zweite Semester. Die Wirtschaftslage und die Entwicklung des Zinsniveaus ist kurzfristigen Schwankungen unterworfen, die eine Prognose für den Geschäftsgang als nicht opportun erscheinen lassen.

Die Geschäftszahlen der SLG fallen unterdurchschnittlich aus. Vor allem der Rückgang des Zinserfolgs, die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der SLG, ist unerfreulich. Dies wirkt sich deutlich auf den Geschäftserfolg aus, der klar tiefer als im Vorjahr ausfällt. Einen Lichtblick stellt die starke Bilanz der SLG dar. Auch musste die Regionalbank im Berichtsjahr keinerlei Wertberichtigungen zugunsten der Erfolgsrechnung auflösen. Ein Spiegelbild der vorsichtigen Kreditvergabepolitik ist der tiefe Bestand an gefährdeten Forderungen, der im 2016 nochmals rückläufig war.

Die Aktien der SLG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 5’050 CHF weisen die Aktien eine vergleichsweise hohe Rendite von 2.1% auf. Diese Ausschüttung erhalten die Anteilseigner zudem steuerfrei als Ausschüttung von Reserven aus Kapitaleinlagen. Wie bereits in der Vergangenheit weisen die Aktien zudem einen hohen Discount von über 40% zum ausgewiesenen Buchwert per Jahresende 2016 auf, der seinerseits den Substanzwert nicht unerheblich unterschreiten dürfte. Als eher teuer erscheinen die Aktien im Vergleich mit anderen Regionalbanken auf der Basis des anhand des Geschäftserfolgs ermittelten KGV von knapp 14 für 2016. Zumindest kurzfristig zeichnet sich für die SLG keine markante Verbesserung der Ertragssituation ab. So dürfte im laufenden Jahr nicht mit einem Gewinnplus zu rechnen sein. Andererseits ist ein deutlicher Rückgang nicht zu befürchten, sofern sich die Zinssituation während des laufenden Jahres nicht markant verändert, wovon aktuell nicht auszugehen ist. Es kann daher als sehr wahrscheinlich angesehen werden, dass die SLG weiterhin eine Dividende von 105 CHF pro Aktie ausschüttet. Allerdings wird der Bestand an steuerfrei ausschüttbaren Kapitaleinlagereserven im nächsten Jahr nicht mehr ausreichen, um eine Dividende in dieser Höhe auszuzahlen. So wird unter der Annahme einer gleichbleibenden Dividende für 2017 nur noch gut 50% der Ausschüttung in dieser Form möglich sein, was die Rendite nach Steuern schmälert. Insgesamt bieten die Papiere aber eine nicht nur im Regionalbankenvergleich attraktive Ausschüttungsrendite gepaart mit einer hohen Substanz.

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