Zur Rose Group: Versandapotheke investiert 2016 massiv und rutscht in die roten Zahlen – Dividende fällt aus

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Investitionen ins Marketing bei DocMorris und in dem Flagship-Store in Bern (siehe Bild) belasteten 2016 die Erfolgsrechnung von Zur Rose. Bild: ir.zurrose.ch

Wie die Online-Apotheke Zur Rose bereits Anfang Februar mitgeteilt hat, ist das Unternehmen in 2016 stark gewachsen. Der konsolidierte Umsatz kletterte um 5.4% auf 879.5 Mio. CHF. Umsatztreiber war dabei das Geschäft der im deutschen Markt tätigen DocMorris mit einem Plus von über 12% auf 361 Mio. CHF. DocMorris profitierte insbesondere vom raschen Wachstum im Geschäft mit den rezeptfreien Medikamenten (OTC). Dieses konnte um über 50% zulegen, wie das Unternehmen heute in einer Medienmitteilung zur Publikation des Jahresabschlusses ausführte. Das starke Wachstum hat sich die Zur-Rose-Gruppe durch massive Investitionen ins Marketing erkauft. 2016 erhöhten sich die Ausgaben für Werbung auf 9 Mio. CHF. Dies hatte Zur Rose bereits anlässlich der Kapitalerhöhungen im letzten Jahr angekündigt. Zudem belasteten weitere Sonderfaktoren die Erfolgsrechnung – darunter die Lancierung der ersten Zur-Rose-Flagship-Apotheke in Bern, die Einführung neuer IT-Systeme in Frauenfeld (2 Mio. CHF) sowie Aufwendungen für die Kapitalerhöhung in Höhe von 3 Mio. CHF.

EBITDA mit 2.1 Mio. CHF nur noch knapp positiv

Folglich rutschte das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA trotz des Umsatzzuwachses von 15.8 Mio. CHF auf nur noch 2.1 Mio. CHF ab. Die ohnehin dünne EBITDA-Marge im Online-Medikamentenhandel – 2015 lag sie noch bei 1.9% – erreichte nur knapp einen positiven Wert. Allerdings ist dies wenig überraschend, denn im Kampf um Marktanteile auf dem deutschen Markt für OTC-Präparate muss die niederländische Zur-Rose-Tochter DocMorris mit harten Bandagen kämpfen. Wettbewerber ist hier unter anderem die seit Oktober 2016 an der deutschen Börse kotierte Shop Apotheke Europe. Auch die Shop Apotheke erkaufte sich das Wachstum in 2016 mit einem hohen Anlaufverlust. Das EBITDA der Shop Apotheke war sogar mit minus 5.8 Mio. CHF negativ. Hier schnitt die Zur-Rose-Gruppe besser ab, weil sie über das stabile Ärztegeschäft in der Schweiz verfügt. Unter der Marke „Zur Rose“ erzielte das Unternehmen in 2016 bei einem Umsatz von 530.7 Mio. CHF ein positives EBITDA von 9.8 Mio. CHF. Zudem wurden die Werbeausgaben erst ab der 2. Jahreshälfte stark erhöht, so dass die Belastung bei einer ganzjährigen Betrachtung sicherlich höher ausgefallen wäre.

12.8 Mio. CHF Jahresverlust in 2016

Sozusagen gratis profitieren konnte Zur Rose von der grossen Medienpräsenz in Deutschland, welche ihr das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGh) zur Aufhebung des Rabattverbotes für ausländische Versandapotheken und die anschliessend in Deutschland lancierte Diskussion um die Einführung eines Versandhandelsverbotes brachte. Unter dem Strich präsentierte Zur Rose für 2016 rote Zahlen: Sowohl EBIT als auch Reingewinn lagen im negativen Bereich. Das Unternehmen schloss die Jahresrechnung für 2016 mit einem Verlust von 12.8 Mio. CHF ab. Wie erwartet und vom Verwaltungsrat bei Informationsveranstaltungen im Jahr 2016 angekündigt, müssen die Aktionäre auch auf die Ausschüttung einer Dividende verzichten.

Umsatz steigt im 1. Quartal 2017 um 7%

Ins neue Jahr ist die Zur-Rose-Gruppe erfreulich gestartet. Der Umsatz stieg im 1. Quartal um 7% auf 229 Mio. CHF. Treiber war abermals das OTC-Geschäft, was den Umsatz bei DocMorris in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres laut Unternehmensangaben um 13% in die Höhe trieb. Weitere Angaben zum aktuellen Geschäftsverlauf und den Aussichten wurden nicht gemacht. Allerdings betont das Unternehmen nochmals, dass auch 2017 in das Wachstum investiert werden soll. Die Zur-Rose-Gruppe beabsichtige, 2017 ihre führende Stellung im Arzneimittelversand in Europa weiter auszubauen, so Zur Rose in der Medienmitteilung. Dazu soll in Deutschland die Mediakampagne von DocMorris fortgesetzt werden. Im Heimmarkt Schweiz werde das Kerngeschäft, unterstützt durch die neuen Vertriebskanäle, für weitere Impulse sorgen. An der Generalversammlung vom 4. Mai 2017 soll Schweiter-CEO Heinz Baumgartner in den Verwaltungsrat gewählt werden. Er wird Dr. Lukas Wagner ersetzen, der aus Altersgründen ausscheidet.

Der Verlustausweis und auch die Höhe des Verlusts bei Zur Rose überraschen angesichts der im Rahmen der letztjährigen Kapitalerhöhung gemachten Aussagen nicht. Die steigenden Umsätze verdeutlichen zudem, dass sich die Investitionen ins Marketing offenbar rasch bezahlt machen. Ungeachtet der Sonderkosten für das Marketing, IT und die Kapitalerhöhung hätte das operative Ergebnis in etwa das Vorjahresniveau erreicht. Eine Bewertung der Zur-Rose-Aktien mit den klassischen Kennzahlen ist aufgrund der starken Wachstumsdynamik derzeit nicht seriös möglich. Die IPO-Fantasie hat die Bewertung der Zur-Rose-Gruppe in neue Dimensionen katapultiert. Bei den zuletzt bezahlten Kursen von 111 CHF je Aktie auf OTC-X ist das Unternehmen mit 461 Mio. CHF bewertet. Dies ist zwar nur etwas mehr als die Hälfte des 2016 erzielten Umsatzes. Die in Deutschland ausschliesslich im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten tätige Shop Apotheke wird bei Kursen um die 27 Euro mit dem 1.4fachen des 2016er-Umsatzes gehandelt. Doch ist das Geschäft der beiden Unternehmen nicht direkt miteinander vergleichbar, da Zur Rose noch über das stabile Schweizer Ärztegeschäft verfügt, das allerdings nur sehr langsam wächst. Zudem wird auch bei der Shop Apotheke eine gehörige Portion Zukunft gehandelt. Diese muss, ebenso wie Zur Rose, in den kommenden Jahren erst einmal beweisen, dass sie das Wachstumstempo halten, finanzieren und auch eines Tages die Profitabilität erreichen kann. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Hält allerdings die gute Börsenstimmung an und kann Zur Rose im aktuellen Umfeld ein IPO durchführen bzw. sich auf dem Weg einer strategischen Partnerschaft weiteres Wachstumskapital sichern, wären durchaus noch höhere Kurse denkbar. Kippt die Stimmung an den Börsen, könnte die derzeit hohe Bewertung auch rasch korrigieren.

Die wichtigsten Kennzahlen aus Bilanz und Erfolgsrechnung der Zur Rose Group AG. Quelle: ir.zurrose.ch

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