WIR Bank: Schweizer Franken-Geschäft wächst im 1. Semester 2017 – Weniger Kredite in „WIR“

Komissions- und Dienstleistungserträge steigen kräftig. Starkes Handelsergebnis.

0
2019
Von Basel aus werden die Geschäfte der WIR Bank geleitet.
Der Hauptsitz der WIR Bank liegt in Basel. Quelle: Wir Bank Genossenschaft

Die WIR Bank Genossenschaft profitierte im ersten Semester einerseits von einem massiv verbesserten Erfolg aus dem Handelsgeschäft, das im Vorjahr in die Verlustzone geriet. Andererseits stieg der Erfolg aus Kommissionen und Dienstleistungen stark an. Hier haben massgeblich höhere Erträge aus dem Verrechnungsgeschäft mit der eigenen Währung WIR zum Erfolg beigetragen. Im Zinsengeschäft, der Haupteinnahmequelle des Geldinstituts, konnte zwar der Bruttoerfolg um 1.4% gesteigert werden. Indessen ging der Nettozinserfolg wegen negativer Veränderungen ausfallrisikobedingter Wertberichtigungen um 2.4% zurück. Dieser Entwicklung steht ein weiterer Anstieg der Ausleihungen um 2.1% auf 4.63 Mrd. CHF gegenüber. Deutlich gesteigert werden konnte dabei das Hypothekarvolumen Schweizer Franken (CHF) mit einem Plus von 4.6%, was beim gesamten Kreditvolumen ebenfalls zu einem Zuwachs von 2.1% führte.

Ausleihungen in WIR weiterhin rückäufig

Auffällig ist hierbei ein deutlicher Rückgang der Ausleihungen im WIR-Geld (CHW) vor allem bei den nicht hypothekarisch besicherten Krediten von 12.4% auf 155.1 Mio. CHW. Aber auch die hypothekarisch besicherten Kredite sanken um 1.5% auf 648.8 Mio. CHW. Massgeblich für das Minus sei der Wegfall des Wettbewerbsvorteils der WIR-Finanzierungen für die Schweizerischen KMU als Folge des Tiefzinsniveaus, schreibt das Bankhaus in einer Medienmitteilung zum Semesterabschluss. Hingegen legte das Hypothekarvolumen in CHF deutlich um 4.6% auf 3.1 Mrd. CHF zu. Ähnlich stellt sich die Situation bei den Kundengeldern dar. Auch hier gingen die WIR-Gelder um 2.1% auf 754.2 Mio. CHW zurück, während die Franken-Einlagen um 2.4% auf 3.2 Mrd. CHF zulegten. Neben der Besonderheit der WIR-Währung gibt die WIR-Bank als einziges Institut in der Schweiz Negativzinsen im Kreditbereich an die Kunden weiter: Bei Neufinanzierungen in Libor wird den Kunden ein Zinsbonus von maximal 10’000 CHW – also in der bankeigenen Währung WIR – ausbezahlt. Mit diesem WIR-Geld können die Hypothekarkunden dann wieder bei Firmen einkaufen, die im WIR Verbund mitmachen. Germann Wiggli, CEO der WIR Bank, lässt sich hierzu mit den Worten zitieren, dass die WIR Bank so die Investitionen ankurbeln möchte und die Schweizer KMU-Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden soll.

Neue digitale KMU-Plattform WIRmarket erfolgreich eingeführt

Im November 2016 erfolgten zahlreiche Anpassungen im WIR-System. Diese erforderten Firmenchef Wiggli zufolge eine Anpassung der AGB, die zu zahlreichen kritischen Darstellungen führte. Wie das Halbjahresergebnis zeige, sei die WIR Bank mit der Digitalisierungsstrategie und der Modernisierung des WIR-Systems auf dem richtigen Weg. Wiggli betont denn auch, dass der von seinem Institut gegenüber den KMU geforderte Verzicht auf das Bankkundengeheimnis keinesfalls eine Transparenz der Daten bedeute. Stattdessen könne so die Stärke des KMU-Netzwerkes besser genutzt werden, was vor allem die Kunden betreffe. Dank der neuen Plattform WIRmarket sind seit der Lancierung im November 2016 bereits über 12’600 WIR-Teilnehmer neu sichtbar geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren im System auch sogenannte stille Teilnehmer vertreten. Auch mit der neuen transparenten Plattform werden keinesfalls sensible Daten weitergegeben, respektive Unbefugten zugänglich gemacht. Die Modernisierung des WIR-Systems soll sich fortsetzen. Durch das System werde der Binnenmarkt gestärkt, und alle Umsätze kämen direkt der Schweizer Wirtschaft zugute, erklärt der Bankdirektor. Durch die Digitalisierung können neue Produkte lanciert und über die neuen Kanäle vertrieben werden. So werde sich das WIR-System auch weiterhin als das stärkste KMU-Netzwerk in der Schweiz behaupten können. Noch für das laufende Jahr kündigte Wiggli eine weitere digitale Produktlancierung an, mit der die Kunden überrascht werden sollen.

Zinsindifferentes Geschäft lässt Erträge anschwellen

Die positive Entwicklung des zinsindifferenten Geschäfts liess die Gesamteinnahmen des ordentlichen Bankgeschäfts im ersten Semester 2017 um 21.2% auf 50.5 Mio. CHF anschwellen. Deutlich im Aufwind war der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit einem Plus von 35.4% auf 16.3 Mio. CHF. Dabei stammt der Grossteil des Erfolgs aus dem Verrechnungsgeschäft mit der eigenen Währung WIR, das um 21.8% auf 12 Mio. CHF zulegte. Noch stärker wuchs das Dienstleistungsgeschäft mit plus 108.4% auf 3.4 Mio. CHF. Nur eine untergeordnete Rolle spielt das Wertschriftengeschäft, das lediglich 54’000 CHF zum Kommissionserfolg beisteuerte. Massiv verbesserte sich auch das Handelsgeschäft, das nach einem Vorjahresverlust von 1.3 Mio. CHF einen Gewinn von 4.5 Mio. CHF abwarf. Den Mehreinnahmen steht ein deutlicher Anstieg der Geschäftskosten um 12.7% auf 30.3 Mio. CHF gegenüber. Besonders stark erhöhte sich der Personalaufwand mit plus 15.9% auf gut 19.1 Mio. CHF bei einem Anstieg der Sachkosten um 7.6% auf 11.2 Mio. CHF. In diesem Anstieg spiegeln sich der Darstellung der WIR Bank zufolge die Investitionen in die Digitalisierung des WIR-Systems wider. Auf das Ergebnis drückten zudem die um 1.6 Mio. CHF auf 2.5 Mio. CHF erhöhten Wertberichtigungen zulasten der Erfolgsrechnung.

Reingewinn geht um 10.2% auf 15.4 Mio. CHF zurück

Dennoch konnte ein Plus des Geschäftserfolgs von 26.6% auf 17.4 Mio. CHF verbucht werden. Hingegen fiel der Reingewinn um 10.2% auf 15.4 Mio. CHF. Hierbei zu beachten ist, dass im Vorjahr ein ausserordentlicher Erfolg in Höhe von 5.7 Mio. CHF, der aus dem Verkauf nicht mehr benötigter Liegenschaften resultierte, zugunsten des Nettoergebnisses verbucht wurde. Gleichzeitig gingen im 2017 die Steueraufwendungen um 9.7% auf 2 Mio. CHF zurück. Bereinigt um die ausserordentlichen Einflüsse dürfte ein Gewinnplus von rund 30% resultieren.

Durch die Diskussionen über die neue Strategie der WIR Bank ist der Kurs für den Anteilsschein unter Druck geraten. Chart: moneynet.ch

Die Geschäftszahlen der WIR Bank fallen insgesamt positiv aus. Auffällig ist indessen weiterhin der deutliche Rückgang des WIR-Geschäfts, der auch vom Bankchef bestätigt wird. Mit dem als Negativzins bezeichneten Zinsbonus will die Bank das WIR Geld gegenüber dem Schweizer Franken zur Finanzierung wieder attraktiver machen. Insgesamt investiert die WIR Bank statthafte Beträge in den Ausbau des WIR-Systems und des WIR-Netzwerks, wie der Anstieg der Geschäftskosten klar aufzeigt. Ob es allerdings gelingt, diese Ausgaben zu rentabilisieren, bleibt zumindest kurzfristig offen. Entsprechende Anzeichen hierfür bestehen allerdings: So konnte der Ertrag aus dem Verrechnungsgeschäft mit WIR im ersten Semester 2017 deutlich gesteigert werden. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte die Transformation des WIR-Modells in die digitale Welt gelingen. Die Chancen hierfür sind zumindest vorhanden. Bei einem möglichen Ende der Tiefzinsphase, die sich allerdings mindestens kurzfristig nicht abzeichnet, könnte auch der Wettbewerbsvorteil der WIR-Kredite wieder zum Tragen kommen.

Die Genossenschaftsanteile der WIR Bank werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Die Kurse der Anteilsscheine gingen in den letzten zwei Monaten um rund 8% auf den letztbezahlten Preis von 392 CHF zurück. Damit notieren die Titel in etwa auf dem Niveau des Buchwerts per Jahresende 2016 und weisen eine nicht nur im Vergleich zu anderen Banken attraktive Dividendenrendite von 2.55% auf. Dies unter der unserer Ansicht nach realistischen Annahme einer gleichbleibenden Ausschüttung. Als eher teuer erscheinen die Papiere hingegen auf der Basis des KGV. Selbst unter der optimistischen Annahme einer Steigerung des Geschäftserfolgs um 10% im laufenden Jahr weissen die Titel ein KGV von 14 für das laufende Jahr auf. Wie die Kursentwicklung der Titel in der letzten Zeit zeigt, sind Rückgänge keinesfalls auszuschliessen. Das Minus dürfte zumindest teilweise auf das Konto der neuen Strategie und der damit einhergehenden wenig positiven Wahrnehmung des Instituts zurückgehen. Möglicherweise könnte das positive Semesterergebnis zu einer Stabilisierung des Kurses auf dem aktuellen Niveau führen. Für diejenigen Anleger, die einen Bezug zum Institut haben und allfällige weitere Kursrücksetzer aussitzen können, eignen sich die Papiere als Ersatz für Obligationen. Sofern es gelingt, die Neulancierung des WIR-Systems zu rentabilisieren, sind mittel- bis langfristig deutlich höhere Kurse zumindest denkbar.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here