Bank WIR: Geschäft mit Hypotheken brummt in 2022

Komplementärwährung WIR schwächelt weiterhin

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WIR Bank Filiale Basel
Die WIR Bank in Basel verkaufte 2022 deutlich mehr Hypotheken. Bild: wir.ch

Bei der WIR Bank lief es 2022 rund. Vor allem das Geschäft mit den Hypotheken legte um satte 6% zu. Weniger dynamisch entwickelte sich der Zufluss an Kundengeldern, der mit 0,6% sogar leicht rückläufig war. Dennoch gelang es, die Bilanzsumme auf über 6 Mrd. CHF zu erhöhen – einen Rekordwert in der rund 88-jährigen Geschichte der Genossenschaftsbank. Auch auf der Gewinnseite sah es gut aus. Sonderfaktoren wie der Verkauf von zwei Liegenschaften führte zu einem Gewinnplus um 4,5% auf 15.7 Mio. CHF. Einziger Wermutstropfen: Das traditionelle Geschäft mit den Krediten in der eigenen Währung WIR (CHW) kam auch 2022 wieder nicht auf Touren. Ausleihungen und Kundengelder in CHW verloren für die Genossenschaftsbank weiter an Bedeutung.

Kredite in WIR gehen weiter zurück

Ein Blick in die Bilanz der WIR Bank verdeutlich die negative Entwicklung bei den in CHW abgewickelten Geschäften. Bei den Firmenkrediten, die in WIR vergeben wurden, lag das Minus bei 29,5%. Auch die Hypotheken, die in der Komplementärwährung vergeben wurden, weisen einen leichten Rückgang von 2,9% aus. Gegenüber 2021 wurden insgesamt 9,3% weniger Kredite in CHW vergeben. Der Anteil der eigenen Währung an den Ausleihungen macht nur noch 10,4% aus (Vorjahr: 11,7%). Begründet wird diese Entwicklung in einer Medienmitteilung mit der langanhaltenden Tiefzinsphase. Kredite in der Komplementärwährung WIR seien zurückbezahlt worden, was sich auch in rückläufigen Kundeneinlagen zeige. Diese waren in CHW gegenüber dem Vorjahr um 10,6% zurückgegangen.

Zinserfolg um 7,0% höher

Die schwache Entwicklung bei den Geschäften mit der Komplementärwährung zeigt sich auch in der Erfolgsrechnung. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ging um 0,9% auf 19.3 Mio. CHF zurück, was vor allem auf die um 6,0% geringeren Erträge aus dem Verrechnungsgeschäft zurückzuführen ist. Mit 9.3 Mio. CHF beträgt der Anteil aus dem Verrechnungsgeschäft immer noch fast 50% des gesamten Erfolgs aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Mehr als kompensiert werden konnte die schwachen Entwicklung bei den Kommissionen durch die sehr gute Entwicklung im Zinsengeschäft. Der Brutto-Erfolg kletterte um 4,3% auf 68.3 Mio. CHF, der Netto-Erfolg dank der Auflösung von Wertberichtigungen sogar um 7,0% auf 67.8 Mio. CHF. «Die WIR Bank unterstreicht damit ihre traditionelle Stärke als Bau- und Immobilienfinanziererin», heisst es in der Medienmitteilung zum Jahresabschluss.

Schrittweiser Abbau von Handelspositionen

Dass der Geschäftserfolg dennoch um hohe 89,9% auf nur noch 2.3 Mio. CHF zurückging, hängt vor allem mit den weltweiten Verwerfungen an den Aktien- und Obligationenmärkten zusammen. Die Verluste aus dem Handelsgeschäft lagen bei 20.1 Mio. CHF. Noch im Vorjahr resultierte ein Gewinn von 6.9 Mio. CHF. Um diese starken Schwankungen in der Erfolgsrechnung, die stets durch Auflösungen bzw. die Bildung von Reserven für allgemeine Bankrisiken ausgeglichen wurde, zu eliminieren, hat die Bank WIR im 2. Semester 2022 damit begonnen, die Handelspositionen sukzessive abzubauen. «Damit erhalten wir im Gesamtergebnis eine bessere Berechenbarkeit», lässt sich Finanzchef Mathias Thurneysen in der Medienmitteilung zitieren. Die operativen Ergebnisse sollen so nicht mehr durch volatile Marktschwankungen beeinflusst werden.

Zwei Immobilien verkauft

Der Geschäftsaufwand lag mit 60.8 Mio. CHF um 2,3% über dem Vorjahreswert, was vor allem auf einen höheren Sachaufwand zurückzuführen ist. Aufgrund des Fachkräftemangels habe vermehrt externe Expertise eingekauft werden müssen, schreibt die Bank. Positiv wirkten sich geringere Abschreibungen aus, die in der Vorperiode auf Grossprojekte vorgenommen wurden. Der ausserordentliche Ertrag fiel mit 9.6 Mio. CHF um 6.5 Mio. CHF höher als 2021 aus. Grund dafür ist der Verkauf von zwei Liegenschaften. Unter dem Strich verblieb ein Reingewinn von 15.7 Mio. CHF.

VIAC erreicht Anlagevolumen von über 2 Mrd. CHF

CEO Bruno Stiegeler weist in der Medienmitteilung darauf hin, dass sich die in den letzten Jahren begonnene Diversifikationsstrategie der WIR Bank nun positiv auswirke. Besonders erfolgreich ist weiterhin die im November 2017 lancierte Vorsorgelösung VIAC. Ende 2022 lag die Anzahl Kundinnen und Kunden bei 79’000 (Vorjahr: 63’000) und das Anlagevolumen bei 2.19 Mrd. CHF (Vorjahr: 1.77 Mrd. CHF). Stiegeler erwähnt neben VIAC auch weitere Projekte, beispielsweise im Online-Devisenhandel und eine digitale Vermittlungslösung für Handwerker und Immobilienbesitzer. «Aus der Diversifikation werden wir auch künftig weitere Zusatzerträge generieren können», lässt sich der CEO zitieren. Für das laufende geht Stiegeler in einem weiterhin anspruchsvollen Umfeld von einem gesunden Wachstum aus: «Die Bank WIR will ihre starken Positionen als Spar- und Vorsorgebank sowie als Bau- und Immobilienfinanzierungspartnerin weiter ausbauen.»

Fazit

Die WIR Bank – oder Bank WIR, wie sie sich selbst heute bezeichnet – befindet sich weiterhin in einer Transformationsphase. Auch wenn CEO Bruno Stiegeler in Interviews immer wieder betont, dass die eigene Komplementärwährung CHW für das Genossenschaftsinstitut wichtig bleibe, so sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Ganz verzichten kann die Bank WIR auf das Geschäft allerdings noch nicht, wie die 9.3 Mio. CHF Ertrag aus dem Verrechnungsgeschäft zeigen. Mittlerweile wird der Rückgang in diesem Bereich schon durch Erträge aus Kooperationen wie mit VIAC kompensiert, an der die WIR Bank Genossenschaft auch beteiligt ist.

Der Entscheid, sich sukzessive aus dem volatilen Handelsgeschäft zu verabschieden, zeigt auch die Stossrichtung der heutigen Geschäftsleitung. Jedoch könnte es in dem Umfeld von steigenden Zinsen und einer gedämpften Entwicklung am Immobilienmarkt mittelfristig schwieriger werden, die Zinserträge in dem wichtigen Hypothekargeschäft zu steigern. Dem Anleger, der einen Beteiligungsschein (BS) der WIR Bank kauft, dürfte jedoch die bessere Transparenz nach dem Abbau der Handelspositionen entgegenkommen.

Kurs WIR Bank Anteil
Stetig aufwärts: der Kurs der Beteiligungsscheine der WIR Bank Genossenschaft. Chart: otc-x.ch

Der Kurs des BS, der seit 15. Februar 2023 unter einen neuen Valorennummer auf OTC-X gehandelt wird, hat 2022 um rund 4,5% zugelegt. Bei Kursen um 470 CHF wird er mit einem leichten Aufpreis auf den ausgewiesenen Buchwert gehandelt. Bei einer gleichbleibenden Dividende von 10.75 CHF je BS liegt die Rendite bei 2,3%. Obwohl in der Bilanz der WIR Bank noch weitere stille Reserven schlummern dürften, wie sie jetzt beim Verkauf der zwei Immobilien zum Vorschein gekommen sind, so ist das Beteiligungspapier im Vergleich mit anderen Banken eher hoch bewertet. Daher bleibt der WIR BS ein Investment für Anleger, die vor allem mit der Ausschüttungsrendite zufrieden sind und keine grosse Kurssprünge erwarten.

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