Biella Group: Günstige Währungsentwicklung führt 2017 zu höherem Reingewinn – Dividende steigt auf 180 CHF

Restrukturierung geht weiter - Werk in Polen soll geschlossen werden.

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Marco Arrigoni, CEO der Biella-Neher Holding AG, konnte für 2017 wieder ein Gewinnwachstum präsentieren. Bild: zvg

Die Biella-Neher Holding AG (Biella) konnte sich im 2017 dem anhaltend schwierigen Marktumfeld für Büroartikel zwar etwas entziehen. Dennoch forderte die stetig fortschreitende Digitalisierung bei dem Büroartikelhersteller ihren Tribut, wie der Umsatzrückgang um 2% auf 130.7 Mio. CHF aufzeigt. Gleichzeitig litt das Unternehmen auch noch unter deutlich höheren Rohmaterialpreisen und Mehraufwendungen für das Personal und die Logistik in Polen, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung schreibt.

Die Mehraufwendungen konnten indessen nur zu einem geringen Teil durch höhere Verkaufspreise kompensiert werden. In diesem seit Jahren anhaltend harzigen Marktumfeld setzt Biella konsequent durch Effizienzsteigerungen auf die kontinuierliche Optimierung des Stammgeschäfts mit den klassischen Büroartikeln. Gleichzeitig wird das Sortiment laufend mit Innovationen ergänzt. Auch die neuen digitalen Angebote von Biella wie etwa Biella SimplyFind, worüber wir in einem Beitrag im vergangenen Jahr berichteten, werden weiter forciert. Guten Anklang bei den Kunden finden gemäss der Darstellung im neuesten Geschäftsbericht auch die individuellen Angebote für die Kunden, die diese selbst online gestalten können, wie etwa der Biella Creator.

Operative Kennzahlen rückläufig

Biella musste im 2017 vor allem im Schweizer Heimmarkt Federn lassen: So gingen die Umsätze um 7.2% auf 37.6 Mio. CHF zurück. Deutlich geringer fiel der Rückgang im Hauptmarkt Westeuropa mit minus 1.2% auf 83.9 Mio. CHF aus. Hier konnte das Unternehmen vor allem im wichtigsten Markt Deutschland zulegen. Klar positiv entwickelten sich die Einnahmen in Osteuropa mit plus 20.2% auf 9 Mio. CHF. Nicht nach Ländern respektive Regionen aufgeschlüsselt werden die Umsatzanteile der beiden Sparten Retail, bestehend aus den Umsätzen mit Wiederverkaufskunden, und Individual mit den Einnahmen aus den individualisierten Produkten. Letztere konnten im Berichtsjahr von einem tiefen Niveau um 7% auf 13.5 Mio. CHF zulegen, während die Retailprodukte einen Rückgang um 2.9% auf 117.2 Mio. CHF verzeichneten. Auf der Kostenseite spiegeln sich die Effizienzsteigerungsmassnahmen vor allem beim Materialaufwand wider, der um 5.9% respektive 4.7 Mio. CHF auf 75.2 Mio. CHF gesunken ist. Auch die Personalausgaben, der zweitgrösste Ausgabenposten, ging um 2.6% auf 35 Mio. CHF zurück. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen konnten um 5.7% auf 12.5 Mio. CHF gedrückt werden. Dennoch verbuchte Biella einen Rückgang des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 16.8% auf 6.3 Mio. CHF. Dank der um 0.9 Mio. CHF auf 3.5 Mio. CHF gesunkenen Sachabschreibungen ging der Betriebsgewinn (EBIT) nur um 0.3 Mio. CHF auf 2.7 Mio. CHF zurück.

Währungsgewinne wirken sich positiv aus

Biella konnte im letzten Jahr analog des Vorjahres Währungsgewinne von 0.8 Mio. CHF verbuchen. Diesen Gewinnen standen die gegenüber dem Vorjahr um 0.5 Mio. CHF auf 0.4 Mio. CHF gesunkenen Währungsverluste gegenüber. Zudem konnte das Unternehmen von den tiefen Zinsen in Form der um 0.2 Mio. CHF gesunkenen Darlehenszinsen profitieren. Positiv auf das Konzernergebnis wirkte sich auch die Auflösung von Rückstellungen für Steuern aus, die in den Vorjahren aus Vorsichtsgründen gebildet wurden. Dieser Effekt führte zu einem Gewinn aus Steuern von 0.4 Mio. CHF nach Steueraufwendungen von 0.3 Mio. CHF im Vorjahr. Unter dem Strich hatten diese Effekte ein Plus des Reingewinns von 1 Mio. CHF auf 3.2 Mio. CHF zur Folge. Die Aktionäre partizipieren mit einer um 10 CHF auf 180 CHF erhöhten Dividendenausschüttung pro Aktie von dieser Entwicklung.

Produktion in Polen wird geschlossen

Das Biella-Werk in Polen soll noch in diesem Jahr geschlossen werden. Bild: Biella.ch

Die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres waren von einem weiterhin anspruchsvollen Büroartikelmarkt gekennzeichnet. Belastend auf den Gesamtmarkt wirken sich die aus den Marktrückgängen resultierenden Überkapazitäten aus. Diesen steht eine Verteuerung der Rohstoffpreise infolge der guten Wirtschaftsentwicklung gegenüber. Kein Ende in Sicht ist auch beim Kostenanstieg in Polen. Diese Entwicklung veranlasste Biella dazu, das Produktionswerk im polnischen Szydlowiec und die lokalen Vertriebseinheiten in Warschau und im niederländischen Hoorn zu schliessen. Der entsprechende Entscheid hierzu wurde vom Verwaltungsrat am 16. März gefällt. Die Schliessungen werden das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres belasten, sich aber in den Folgejahren in einer bedeutenden Produktivitätssteigerung niederschlagen. Um weiterhin gute Resultate erzielen zu können, muss Biella die Teuerung der Rohstoffpreise in Form höherer Verkaufspreise den Kunden belasten. Weiter vorangetrieben wird die Effizienzsteigerung durch gruppenweite Restrukturierungen, die das Ziel haben, die Ertragskraft auch bei weiter rückläufigen Umsätzen zu steigern. Auf den bestehenden Produkten aufbauen will Biella im Bereich der Digitalisierung. Die Schwerpunkte liegen auf Innovation und Weiterentwicklung. Dank der soliden Finanzierung sieht sich das Unternehmen gut gerüstet, um den Herausforderungen erfolgreich  begegnen zu können.

Die Kennzahlen der Erfolgsrechnung von Biella reflektieren das anhaltend harzige Marktumfeld im Büroartikelmarkt. Einen leichten Lichtblick liefern die neuen digitalen und individuellen Angebote, die sich einer steigenden Nachfrage erfreuen. Es ist allerdings unklar, welchen Beitrag diese Produkte zum Gesamtergebnis beisteuern. Insgesamt können die operativen Kennzahlen als akzeptabel angesehen werden. Grund zur Freude besteht indessen nicht. Wenig erfreulich ist vor allem der trotz Effizienzsteigerungen verzeichnete Margenrückgang. Auch wenn die tieferen Margen durch externe Faktoren wie die höheren Kosten in Polen verursachte werden, die das Unternehmen nur sehr beschränkt beeinflussen kann, können die Zahlen nicht überzeugen. Der von Biella angestossene Transformationsprozess zum digitalen Angebot dürfte sich noch länger hinziehen. Zum heutigen Zeitpunkt kann nicht gesagt werden, ob es dem Unternehmen gelingt, die Erosion der Umsätze und der Margen im klassischen Büroartikelmarkt durch die neuen Angebote zu kompensieren.

Als grundsolide angesehen werden kann die Bilanz von Biella. Mit einer ausgewiesenen Eigenmittelquote von 65% ist das Unternehmen sehr solide finanziert. Gleichzeitig verfügt Biella über eine Nettoliquidität von 13.6 Mio. CHF. Die Firma ist somit schuldenfrei.

Die Aktien von Biella werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X gehandelt. In den letzten Wochen verharrte der Kurs auf dem Niveau von 4’500 CHF. Auf dieser Basis lässt sich ein zumindest nicht überteuertes KGV von 11.7 für 2017 ermitteln. Als attraktiv angesehen werden kann die Dividendenrendite von 4%. Zudem weisen die Titel einen hohen Discount gegenüber dem Buchwert per 31. Dezember 2017 von knapp 50% auf. Beim Buchwert ist zudem die hohe Substanz des Unternehmens mit einem ansehnlichen Bestand an Immobilien zu berücksichtigen. Hierin dürften nicht unerhebliche stille Reserven liegen. Die Aktien eignen sich zumindest aufgrund des hohen Substanzwerts, der im Kurs nur teilweise reflektiert ist, und der attraktiven Dividendenrendite zur Anlage. Angesichts der soliden Finanzierung des Unternehmens kann davon ausgegangen werden, dass auch zukünftig eine ansehnliche Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wird.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär des Unternehmens.

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